SLOUGH FEG: Werwölfe, Rollenspieler und THIN LIZZY-Einflüße die keine sind.

SLOUGH FEG: Werwölfe, Rollenspieler und THIN LIZZY-Einflüße die keine sind.

Bereits letztes Jahr haben SLOUGH FEG mit Ape Uprising! ein starkes Album veröffentlicht. Dieses Jahr hat die Band um Mastermind Mike Scalzi mit The Animal Spirits schon wieder nachgelegt. Und da auch dieses Album zu den absoluten Jahres-Highlights gezählt werden darf, klingelten wir mal bei Mike durch und sprachen über das neue Album, Rollenspiele und warum SLOUGH FEG schon THIN LIZZY-Einflüße in ihrem Sound hatten, als Mike THIN LIZZY noch gar nicht kannte.

Hey Mike! Danke The Animal Spirits, ein weiteres tolles SLOUGH FEG-Album.

Ich bin froh, dass es dir gefällt. Ich bin zufrieden damit, mehr als mit einigen anderen Alben wie zum Beispiel den letzten beiden. Mit denen war ich auch bis zu einem gewissen Punkt zufrieden, aber nicht so sehr wie mit The Animal Spirits.

Ich mag Ape Uprising! sehr gerne; ich fand das Album großartig.

Ich mag das Album auch und ich war glücklich damit, als wir es fertig hatten. Aber ich denke, es ähnelte zu sehr einigen anderen Alben wie Twilight Of The Idols, Down Among The Deadmen oder Atavism. Es waren halt einfach mehr Songs nach demselben Muster. Bei The Animal Spirits ist es etwas anders, es ist eine etwas andere Richtung.

Ich habe etwas Zeit gebraucht, um rein zu kommen, mehr als bei Ape Uprising! Aber es wurde bei jedem Hören besser und besser.

Das kann ich mir vorstellen. Bei Ape Uprising! ist es so, dass du, wenn du SLOUGH FEG kennst, unsere alten Alben hörst und dann Ape Uprising! hörst, dann ist es dasselbe. Du weißt was du bekommst; es ist ein weiteres SLOUGH FEG-Album. The Animal Spirits ist etwas herausfordernder für den Hörer. Die Songs sind mehr am Gesang ausgerichtet. Es ist auf eine gewisse Art auch etwas poppiger. Und das ist für Metaller vielleicht etwas schwerer zu verdauen.

Na ja, von Pop seid ihr natürlich noch weit entfernt.

Nein, nicht Pop-Musik. Es ist einfach etwas simplere Musik.

Ich muss zugeben, dass Ape Uprising! das erste Album von SLOUGH FEG war, dass ich mir geholt habe. Ich kannte zwar schon ein paar Songs von euch. Aber nachdem ich euch auf dem KEEP IT TRUE gesehen habe, musste ich mir mal was von euch holen.

Ah, du warst bei der Show. Das war ein spaßiger Auftritt. Da waren einige interessante Bands an dem Tag, aber wir waren verdammt müde während dem Auftritt.

Ich mag diese Alben, die etwas Zeit brauchen, dich dann aber mit voller Wucht treffen. Aber ich schätze mal, es ist heutzutage nicht einfach, wo die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines jungen Musikhörers bei der Länge eines Youtube-Videos liegt.

Das stimmt, da hast du Recht. Es ist schwer zu wissen, wie man junge Leute anziehen kann. Ich meine, da sind Leute die zwanzig Jahre jünger sind als ich, und ich habe keine Ahnung, wie sie die Musik sehen, was ihre Idee von Heavy Metal ist. Meine Erfahrungen als ich zwanzig war, sind wahrscheinlich total anders als ihre. Es scheint in den letzten zwanzig Jahren nicht all zu viel Entwicklung im Metal gegeben zu haben. Vor zwanzig Jahren, 1990, gab es so ziemlich dieselben Heavy Metal-Stile wie jetzt. Da war nicht all zu viel Entwicklung. Stimmst du dem zu?

Nun ja, ich denke prinzipiell hast du recht. Es gibt einige neue Stil-Mischungen wie dieser ganze Metalcore-Müll. Aber alles, was heute so zusammengemischt wird, war auch schon vorher da.

Ich denke, da hast du Recht. Alles was es gibt, sind Mischungen von Stilen. Aber was neue Ideen angeht… Es ist schwer, sich etwas Neues einfallen zu lassen.

Ich denke, nach so vielen Jahrzehnten Rock und Metal ist es auch schwer etwas Neues zu finden.

Da hast du Recht, es ist schon merkwürdig. Aber du hast Recht.

Aber es gibt eben auch Bands, die einfach nicht versuchen innovativ zu sein.

Das stimmt auch, ja. Niemand versucht, etwas Neues zu machen.

Wie gehst du an das Songwriting für ein neues SLOUGH FEG-Album heran? Schreibst du die ganze Zeit Musik und wenn du dann genug Songs zusammen hast, kommt ein neues Album, oder schreibst du in einem konzentrierten Prozess, wenn es Zeit für ein neues Album wird?

Ersteres, es ist ein fortschreitender Prozess. Es ist etwas, das ich tue, seit ich sechzehn oder siebzehn war. Eigentlich habe ich sogar schon mit fünfzehn angefangen, Songs zu schreiben. Später als Teenager, so mit siebzehn, achtzehn neunzehn hatte ich eigentlich andauernd Ideen, um Songs zu schreiben. Seit dieser Zeit habe ich auch nicht aufgehört. Ich versuche das auch gar nicht. So lange ich eine Gitarre und Zeit zum Spielen habe, fallen mir Song-Ideen ein. Ich erzwinge das nicht. Ich setzte mich nicht hin und sage mir, dass ich jetzt einen Song schreiben will. Ich spiele einfach auf der Gitarre, probiere verschiedene Ideen aus.

Ich habe mal ein Interview mit Steve Harris gelesen; das war vor zehn Jahren oder so. Man hat ihn gefragt, ob er jetzt eine Pause machen wird, ob er sich ein Jahr Auszeit von der Band nimmt. Er sagte ja, und dann wurde er gefragt, ob er in dieser Zeit Songs schreiben würde. Es hat mich überrascht, dass er das verneinte, dass er sagte, dass er sich halt ein Jahr Auszeit nimmt und deswegen nichts schreiben wird. Das fand ich speziell für jemanden, der so viel Musik schreibt wie Steve Harris, merkwürdig. Wenn ich mir ein Jahr Auszeit nehmen würde, dann würde ich nicht live spielen und nichts aufnehmen, aber ich würde wahrscheinlich die ganze Zeit Songs schreiben, weil es einfach natürlich passieren würde.

Du kannst deine Kreativität nicht aussperren.

Ich schreibe nicht wie machen Leute Songs mit ihrem Computer oder ihrem mp3-Player. Ich habe ein Kassettendeck mit eine Mikrofon, auf dem ich Riffs aufnehme. Noch nicht mal ein Vierspur-Gerät, einfach nur ein einfacher Kassettenrekorder. Ich spiele akustische oder elektrische Gitarrenriffs, dann singe ich was. Ich habe zu Hause Kassetten mit zwanzig verschiedenen Riffs nur aus den letzten zwei oder drei Monaten. Dann höre ich mir die Sachen später wieder an und die, an die ich mich wieder erinnern kann, aus denen wird ein Song. Denn wenn ich es nicht vergessen kann und es mir immer wieder durch den Kopf geht, dann muss es gut sein. Ich könnte locker jedes Jahr ein Album schreiben aber die wollen nicht jedes Jahr eines veröffentlichen. Es ist eine Sache ein Album zu schreiben. Aber dann ins Studio zu gehen und es aufzunehmen, das ist eine Menge Arbeit. Die Studioarbeit zum aktuellen Album hat acht Monate gedauert.

Nur die Aufnahmen?

Ja, das waren acht Monate. Aber nicht am Stück. Vor etwa einem Jahr, letzten Dezember haben wir die Basic-Tracks vom Schlagzeug und Bass aufgenommen. Dann sind wir im Februar zurückgekommen und haben die Gitarren, den Bass, einige Harmonien aufgenommen, einige Monate später den Gesang. Alles in allem hat es acht Monate gedauert.

Ich nehme mal an, du musstest das neben deinem normalen Job machen.

Genau, deswegen hat es auch so lange gedauert.

SLOUGH
Das ist DAS SLOUGH FEG-Album, das Album, welches die Band am besten repräsentiert. – Mike Scalzi über das dritte SOUGH FEG-Album Down Among The Deadmen 


Du hattest einen wirklich coolen Doom-Song auf Ape Uprising!. Ich habe echt gehofft, dass ihr so etwas noch mal macht.

Du meinst den ersten Song? Ich hab den Doom-Song geschrieben, der alle Doom-Songs beendet. Ich dachte, ich schreibe den letzten Doom-Song, damit wir das nicht noch mal machen müssen. Vielleicht schreibe ich irgendwann noch mal einen. Aber der müsste dann echt anders sein als dieser. Dieser Song steht für alle Doom-Songs, über die ich nachgedacht habe, weißt du was ich meine?

Quasi die Mutter aller Doom-Songs.

Ich habe mich gewundert, wieso noch niemand einen Doom-Song über den Glöckner von Notre Dame geschrieben hat, denn das ist doch ein totales Doom-Thema, die ganze Sache mit der mittelalterlichen Kathedrale und ihm im Glockenturm. Ich habe mich echt gefragt, wieso das noch keiner gemacht hat. Also musste ich es tun. Es gibt momentan so viele Bands die Doom spielen, ich meine, wie viele Bands gibt es, die Doom spielen? Das ist verrückt.

Oder schau dir mal die ganzen Thrash-Bands an die in den letzten Jahren so hoch gekommen sind. Wo waren die vorher, wo sind die her gekommen?

Ja, das ist ein Trend und jeder macht mit. Das ist Wiederholung der Vergangenheit.

Ich mag einige dieser Bands wirklich sehr, aber sie bringen nichts Neues in den Metal ein.

Das ist wahr. Ich mag auch einige dieser Sachen.

Bob Wright von BROCAS HELM singt bei Tactical Air-War. Wie bist du mit ihm in Kontakt gekommen?

Ich kenne ihn schon seit zehn Jahren. Er lebt hier. Die Band kommt aus San Francisco wie wir. Wir haben in den Neunzigern schon Konzerte zusammen gespielt. Ich kannte BROCAS HELM nicht als Underground-Band, sondern als lokale Band aus San Francisco. Ich denke so vor zwölf Jahren, als in Sachen Metal in den USA nicht viel los war, wollte ich mal ein Konzert spielen und habe nach einer Band gesucht, die zu uns passt. Jemand hat dann BROCAS HELM erwähnt und mir deren Rufnummer gegeben. Also habe ich sie angerufen und sie sind zum Konzert gekommen und haben gespielt. Ich hatte vorher noch nichts von ihnen gehört, fand sie aber richtig gut. Also sind wir Freunde geworden und haben viele Shows zusammen gespielt. Daher kenne ich Bob Wright. Wir reden schon seit zehn Jahren darüber, mal einen Song zusammen zu machen, und jetzt war es halt soweit.

Es war einfach ihn dazu zu bringen. Ich habe ihm den Song vorher gegeben und als er dann kam, kannte er den Song ziemlich gut. Er hat sogar eine eigene Gesangsmelodie geschrieben. Ich hatte ursprünglich eine andere Idee, aber er hat sie geändert, was gut war. Er hat sie verbessert. Er hat gute Arbeit gemacht. Jemand anderes wäre vielleicht einfach vorbei gekommen und hätte mich gefragt, was er singen soll. Aber das hat er nicht getan. Ich habe ihm eine CD mit dem Song geschickt und er hat sie sich angehört und zu Hause geübt. Als er dann ins Studio gekommen ist, hat er den Song in ein paar Stunden eingesungen.

Er hat also auch etwas Eigenes eingebracht und nicht einfach nur den Song abgespult.

Er steckt eine Menge Arbeit in das, was er tut. Er macht keine halbherzigen Sachen. Er hat wirklich hart daran gearbeitet.

Als nächstes habe ich die Nerd-Frage. Ein Freund von mir würde gerne wissen welche Version des Traveller-Rollenspiels du bevorzugst.

Das wäre die erste Edition. Ich habe Traveller gespielt, als es noch nicht lange auf dem Markt war, in den frühen Achtzigern, 1981 oder 1982. Die ursprüngliche Edition war eine Box mit drei Büchern. Ich weiß gar nicht, ob man die in Deutschland überhaupt bekommen konnte – keine Ahnung, ob du die mal gesehen hast.  Es war eine schmale Box, vielleicht acht mal fünf Zoll oder so groß und drei kleine Bücher mit den Charakteren, den Raumschiffen und so weiter. Das ist die Version, die ich damals hatte, und die mag ich sehr gerne. Die hatte keine oder kaum Bilder. Die ist von 1979 oder 1980, ich habe nie eine andere Version gespielt. Ich kenne die anderen Editionen wie Megatraveller gar nicht. Da hatte ich schon aufgehört zu spielen.

Ok, als nächstes wollte ich dich fragen ob du noch Rollenspiele spielst, aber das hat sich wohl erledigt.

Ich würde gerne, wenn ich die entsprechenden Leute fände, mit denen es Spaß machen würde zu spielen. Ich kenne zwei Leute die einmal alle zwei Wochen spielen, aber an dem Tag kann ich nicht, weil ich da arbeiten muss. Ich kenne sonst niemanden, der spielt. Von daher geht es leider nicht. Aber ich würde, wenn ich könnte.

Das ist echt schade.

Ich habe vor ein oder zwei Jahren mal ein Kartenspiel gespielt, so alle zwei Wochen. Nicht so was wie Magic, eher so eine Art Weltraum-Kriegsspiel, ich kann mich nicht mehr erinnern, wie es heißt. Es gab verschiedene Karten für Raumschiffe und man spielte dann Weltraumschlachten.

Ich beschäftige mich seit Mitte der Neunziger mit Rollenspiel und jetzt, seit ungefähr einem Jahr habe ich endlich eine Gruppe, die sich wirklich regelmäßig trifft und spielt. Das ist echt großartig.

Das ist cool. Ich habe das jahrelang gemacht, als ich jung war, aber nicht mehr, seit ich in den Zwanzigern war. Die Leute haben sich dann in andere Richtungen entwickelt. Es ist schwer, eine Gruppe zusammen zu kriegen. Vor drei oder vier Jahren habe ich ein paar Mal, vielleicht vier oder fünf mal Dungeons & Dragons gespielt. In den letzten zwanzig Jahren komme ich alle paar Monate mal wieder in eine Gruppe, die hier und da mal spielt. Aber es braucht halt Zeit.

Besonders wenn man Spielleiter ist.

Ich war meistens Spielleiter, das hat echt Zeit verschlungen. Die Zeit habe ich leider nicht.

Oh ja, das kann ich dir sagen. Ich habe vor acht Jahren mal angefangen, eine Call Of Cthulhu-Kampagne zu schreiben, aber ich bin immer noch am Anfang.

Du hast Call Of Cthulhu gespielt?

Nein, gespielt nicht. Ich habe vor acht Jahren versucht, eine Kampagne zu starten. Aber das ist bisher nichts draus geworden.

Wow, man…

Yeah, I suck ha ha ha…

Ich habe in den Achtzigern Call Of Cthulhu gespielt, 1988. Ich habe eine Kampagne als Spielleiter gespielt, die über ein Jahr lang gedauert hat. Das war eine der besten Kampagnen, die ich je gespielt habe. Ich mag das Spiel.

Ich hoffe wir spielen das auch bald. Aber dann nicht mit mir als Spielleiter, denn ich bekomme das mit Sicherheit nicht auf die Reihe.

Ich bin überrascht, dass ihr das in Deutschland überhaupt kennt. Gibt es Traveller auch in Deutsch oder nur in Englisch?

Traveller ist glaube ich ein bisschen undergroundig hier. Ich weiß nicht, ob die aktuelle Version auf Deutsch erhältlich ist. Auf der letzten Rollenspiel-Convention, auf der ich war, habe ich das Spiel gesehen. Aber ich glaube das war komplett auf Englisch.

Ok, aber die meisten Deutschen sprechen ja gut englisch…

Äääähm…

Nicht?

Na ja, es ist besser als zum Beispiel in Frankreich oder so.

Wenn ich in Norddeutschland bin, sprechen eigentlich immer alle Englisch. Vielleicht im Süden, wenn man nach Essen oder Stuttgart kommt, sprechen nicht alle Leute Englisch. Ich weiß noch, dass ich mal in Essen war, als wir dort eine Show gespielt haben. Ich habe den Club gesucht und rumgefragt, aber keiner konnte Englisch. Das war echt schwierig.

SLOUGH
Ich könnte locker jedes Jahr ein Album schreiben – Mike Scalzi hat immer genug Inspiration zum Songwriting.


Wo wir gerade beim Thema Veranstaltungsort finden sind. Hast du The Story Of Anvil gesehen?

Ja, den habe ich gesehen.

Wir haben diesen Laden in Prag, in dem ANVIL gespielt haben, besucht. Ich glaube, das war nicht all zu lang nachdem ANVIL dort warten. Wir haben den Besitzer gefragt, ob hier Konzerte stattfinden und er meinte nur NICHT MEHR!. Ich glaube, das hatte was mit dem ANVIL-Zwischenfall zu tun.

Ha ha ha, das ist gut. Es ist leider so, dass einige Leute versuchen, Bands zu bescheißen. Wenn so etwas in den Staaten passiert, sagst du dem Booking-Agenten Bescheid und der bucht die Band dann in dem Laden nicht mehr. Wir haben mit ANVIL vor zehn Jahren mal in Amerika gespielt und vor sechs Jahren oder so in Deutschland. In Amerika waren vielleicht dreißig Leute bei den Konzerten. Vor zehn Jahren hat sich niemand für die Band interessiert. Aber jetzt haben Sie den Film…

Ja, es läuft wohl definitiv besser. Sie haben dieses Jahr in Deutschland getourt und es waren wohl mehr Leute da als bei den vorherigen Touren.

IRON MAIDEN und THIN LIZZY sind zwei Bands die mir durch den Kopf schießen wenn ich SLOUGH FEG höre. Welche der beiden bevorzugst du?

Ich würde nicht sagen, dass ich die eine oder andere Band bevorzuge. Ich habe IRON MAIDEN lange vor THIN LIZZY gehört. Wenn du wissen willst, welche Band den größeren Einfluss auf SLOUGH FEG hatte, dann sind das bei weitem IRON MAIDEN. In den letzten Jahren habe ich mehr THIN LIZZY gehört, weil sie für mich neuer waren. Ich habe in den Achtzigern nichts von THIN LIZZY gekannt außer The Boys Are Back In Town und Jailbreak, den zwei Hits. Und ich mochte die nicht all zu sehr. Ich fand es okay, aber zu poppig. In den frühen Neunzigern habe ich dann Black Rose und Vagabonds Of The Western World gehört und sie wurden zu einer meiner Lieblingsbands. Ich mag sie wirklich. Aber in der abschließenden Analyse, welche Alben den größten Einfluss auf SLOUGH FEG hatten, sind das Killers,  The Number Of The Beast und die erste IRON MAIDEN. Diese Alben und die ersten vier bis fünf BLACK SABBATH-Alben. Der größte Einfluss für uns sind IRON MAIDEN und BLACK SABBATH. Ich mag THIN LIZZY aber sie sind lange nicht so einflussreich für SLOUGH FEG wie IRON MAIDEN, BLACK SABBATH und JUDAS PRIEST.

Ich habe speziell auf The Animal Spirits viel THIN LIZZY raus gehört.

Ja, das ist wahr. In letzter Zeit haben wir auf jeden Fall THIN LIZZY-Einflüße.

Mehr als auf Ape Uprising!.

Ja, Ape Uprising! war eher von BLACK SABBATH und so beeinflusst. Sehr straighter Heavy Metal. Aber es stimmt, wir klangen schon nach THIN LIZZY, als ich noch kein großer THIN LIZZY-Fan war, weil wir einfach natürlich so geklungen haben. Als ich Vagabonds Of The Western World zum ersten Mal hörte, dachte ich, das klingt wie SLOUGH FEG, aber ich habe das noch nie vorher gehört. Wir hatten schon Alben veröffentlicht zu diesem Zeitpunkt.

SLOUGH
Ich mag simple Cover – Mike Scalzi über das Artwork von The Animal Spirits 

Ihr habt halt diesen folkloristischen Touch, den THIN LIZZY auch haben.

Das ist echt interessant, denn die Leute denken immer, das kommt von THIN LIZZY. Aber das stimmt nicht. Da bin ich von selbst drauf gekommen. Ich wusste nicht, dass THIN LIZZY so was gemacht haben.  Wie gesagt, ich kannte damals die Hits – und The Boys Are back In Town klingt nicht nach Irish Folk. Das erste mal habe ich Black Rose und den irischen Sound von THIN LIZZY gehört, als mir jemand das Album gebracht hat wegen SLOUGH FEG. Wir hatten das erste Album draußen und jemand kam zu mir und meinte, ich sollte mal THIN LIZZY hören, denn die machen auch solche Musik. Es war also kein wirklicher Einfluss, denn wir klangen schon so. Und dann brachte mir jemand dieses THIN LIZZY-Album und ich wurde ein Fan.

Das Cover-Artwork für The Animal Spirits ist sehr unkonventionell, es unterscheidet sich total vom ebenfalls sehr coolen Ape Uprising!-Cover oder dem von Hardworldler. Warum habt ihr euch dazu entschlossen, den Albumtitel und das Bandlogo nicht mit auf das Cover zu drucken?

Ich habe das nicht wirklich entschieden. Ich dachte, dass die letzten beiden Cover zu überladen waren, zu viel Kram. Ich wollte ein simples Artwork haben. Ich habe das Artwork selber gemacht. Ich wollte eigentlich immer, dass meine Cover so aussehen, wie das von The Animal Spirits. Simpel. Ich mag simple Album-Cover. Wir haben einen anderen Künstler gefragt, ob er das Artwork machen wollte. Aber es war komplizierter, als ich es haben wollte. Ich habe keine Ahnung, wieso der Bandname nicht drauf ist. Das war mein Drummer. Der hat entschieden, dass es besser ohne aussieht. Ich dachte, dass die Plattenfirma es nicht mögen würde, aber sie mochten es. Es ist etwas anderes. Die anderen Cover fingen an, alle gleich auszusehen. Comic-Artworks sind cool, aber wir haben so viele Alben, die so aussehen – es ist genug. Es war Zeit für was anderes. Viele Bands veröffentlichen Alben, die nicht nur alle gleich klingen, sondern auch alle gleich aussehen.

Oh ja!

Weißt du, was ich meine? Unsere Alben sehen immer anders aus als die von anderen Bands. Aber dieses Album kommt ein Jahr nach Ape Uprising! und ich will nicht, dass die Leute denken, dass da halt mal wieder ein neues Album kommt – passiert ja andauernd, keine große Sache. Ich will die Leute schockieren, dass sie denken, da kommt ein neues Album, was zum Teufel ist das??? Es hat auf jeden Fall die Aufmerksamkeit der Leute erregt. Jeder fragt danach.

Das, was du gerade zu Cover-Artworks gesagt hast, stimmt. Wenn du dir diesen ganzen Modern Metal-Kram oder welches andere Genre auch immer ansiehst, da haben viele, viele Bands Cover, die alle gleich aussehen. Du kannst dir das Cover ansehen und sofort sagen, was die Band für Musik spielt. Das geht beim Cover von The Animal Spirits definitiv nicht.

Wenn du dir das Cover ansiehst weißt du nicht, was dich erwartet, es könnte alles sein.

Es ist echt cool: Du schaust dir das Cover an und kannst nicht sagen was auf der CD ist.

Das ist es, was ich wollte und leider mögen Plattenfirmen das häufig nicht. Sie möchten, dass man das Genre schon am Cover erkennt, damit die Leute das Album kaufen. Aber in diesem Fall waren sie cool und fanden es ok, weil wir schon genug Alben draußen haben und die Leute wissen, wer wir sind. Sie werden das Album kaufen, weil es ein SLOUGH FEG-Album ist und nicht, weil es meinetwegen ein Schwert auf dem Cover hat oder so. Diese Power Metal-Alben mit einem Conan-Verschnitt auf dem Cover, oh Mann, wer braucht so einen Kram? Das haben schon so viele Bands gemacht.

Was für Phantasien hat ein Werwolf?

Oh nein, darum geht es in dem Song nicht. Es geht um jemanden, der glaubt, dass er ein Werwolf ist. Du kannst die Texte nicht lesen, weil es kein Textblatt gibt. Es geht um einen Typen, der sich vorstellt, ein Werwolf zu sein. In Wirklichkeit ist er aber einfach nur verrückt, ha ha ha. Er stellt sich einfach vor, dass er ein Werwolf ist – aber es ist nur eine Phantasie.

Wie kommst du auf solche Ideen?

Keine Ahnung, Filme, Bücher, was auch immer… Ich dachte es wäre cool, einen Text über einen Werwolf zu schreiben. Aber wie viele Texte über Werwölfe gibt es? Eine Menge. Also wollte ich etwas anders an die Sache ran gehen. Warum also nicht jemand, der verrückt ist und glaubt ein Werwolf zu sein? Es ist, wie du ja auch gesagt hast, inzwischen schwer, originelle Ideen zu finden. Man muss es also etwas anders machen.

Gibt es ein textliches Konzept auf dem Album?

Eigentlich nicht. Es gibt ein paar Songs über Werwölfe und Vampire, über mittelalterliche Theologie, über das Musikbusiness. Dann ein Song über Jack London, der aus San Francisco stammte. Alle möglichen Sachen.

Was hältst du von eurer europäischen Plattenfirma Cruz Del Sur Records?

Sie machen einen guten Job. Ich kann mich nicht beschweren. Ich mag Enrico. Ich habe ihn ein paar Mal getroffen. Er ist echt nett. Die machen wirklich gute Arbeit. Sie sind ein kleines Label. Ich weiß gar nicht genau, wie es in Europa aussieht. Ich war schon ein paar Jahre nicht mehr da und ich habe keine Ahnung, wie viele Leute uns da kennen oder wie viel wir verkaufen. Jetzt, da wir ein amerikanisches Label haben, ist mir unser Status hier deutlicher, weil Leute von hier mich interviewen und wir auch hier getourt haben.

Die haben ein paar echt gute Bands wie euch, WHILE HEAVEN WEPT, PHARAOH, CRESCENT SHIELD or ATLANTEAN KODEX.

Sie haben guten Geschmack.

Die nehmen nicht jede Scheissband unter Vertrag, nur um ein paar Platten zu verkaufen.

Deswegen mag ich Enrico. Er hat Integrität. Er versucht, nur Musik zu veröffentlichen, hinter der er auch steht. Das ist selten heute.

In der Vergangenheit warst du ja mit deiner Label-Situtation nicht immer zufrieden. Wie ist das denn aktuell, speziell in den USA?

Gut. Ich mag Profound Lore wirklich. Die haben uns hier auf ein neues Level gebracht, weil unsere alten Platten hier nur als Import erhältlich waren. Sie machen viel Werbung und Promo. Wir sind viel präsenter im Netz und in Magazinen als früher. Das hat den Status der Band deutlich verbessert. Viele Leute haben Respekt vor Profound Lore, weil sie gute Musik veröffentlichen, eine schmale Auswahl an bestimmten Bands. Sie sind sehr gut mit den amerikanischen und kanadischen Medien vernetzt. Der kanadische Markt läuft ziemlich gut für uns. Wir haben dort in den letzten zwei Jahren dreimal gespielt und es war wirklich, wirklich gut. Wir ziehen dort im Schnitt dreimal so viele Leute wie in den USA. Wir können dort also größere Shows spielen und etwas Geld verdienen.

Gibt es in den USA noch einen Markt für Musik wie eure?

Ja, in den letzten drei oder vier Jahren ist es deutlich populärer geworden. Ich dachte die Leute wüssten, dass Metal in den USA deutlich beliebter geworden ist.

Schon. Aber ich dachte, dass sich das wie in Europa hauptsächlich auf moderneren Metal konzentriert.

In den USA ist Underground Metal deutlich größer als es vor zehn Jahren war. Viel, viel größer. Die Kids in den Städten und überall mögen alten Metal. Die meisten High School-Kids kennen und mögen MÖTLEY CRÜE oder IRON MAIDEN. Vor zehn Jahren hätten die keine Ahnung davon gehabt. Das ist echt gut.

Viele eurer alten Alben sind nicht ganz einfach zu bekommen. Sind da irgendwelche Re-Releases geplant, vielleicht über Cruz Del Sur?

Ich weiß es nicht. Dragonheart hat Traveller und Down Among The Deadmen wieder veröffentlicht. Ich weiß nicht, wie es mit den Cruz del Sur-Sachen aussieht. Aber die Dragonheart-Sachen bleiben erhältlich. Hoffe ich. Down Among The Deadmen ist, wie ich finde, unser bestes Album und ich will dieses Album auf jeden Fall weiter verkaufen, egal was passiert. Viele Leute vergessen das Album.

SLOUGH
Das ist Wiederholung der Vergangenheit. – Mike Scalzi über die Retro Thrash-Welle.


Ich habe das Album vor kurzem bei einem Freund gehört und muss mir das auf jeden Fall besorgen.

Das ist DAS SLOUGH FEG-Album, das Album, welches die Band am besten repräsentiert. Das war auf dem Höhepunkt meiner Kreativität, vor zehn Jahren. Das dritte Album ist häufig sehr gut. Das ist das Album, auf dem viele Bands am besten sind. Das ist quasi das The Number Of The Beast von SLOUGH FEG; weißt du, was ich meine? Wenn ich mir das Album anhöre, merke ich, dass es immer noch das Beste ist, was wir bisher gemacht haben. Viele Leute, die andere Alben von uns gehört haben, haben Down Among The Deadmen nicht gehört und sehen daher das Gesamtbild von SLOUGH FEG nicht. The Animal Spirits, Hardworldler, eigentlich alle Alben, die nach Down Among The Deadmen kamen, sogar Traveller, sind nur komplett wenn du Down Among The Deadmen gehört hast, dann verstehst du den Kontext, die Historie. Ich denke, du musst dieses Album gehört haben um zu verstehen was wir danach gemacht haben.

Ich finde es cool, dass du das sagt, denn viele Bands nennen, wenn man sie nach ihrem besten Album fragt immer das aktuelle Album.

Ich mag The Animal Spirits wirklich sehr gerne aber es definiert nicht den Sound von SLOUGH FEG, es ist der Versuch etwas neues zu machen. Und wenn du versuchst etwas neues zu machen, dann in Referenz zu etwas, was du in der Vergangenheit getan hast. Alles was wir tun ist eine Reaktion auf das, was wir in der Vergangenheit gemacht haben. So gesehen reagieren wir also immer auf Down Among The Deadmen. Damit haben wir den ultimativen Höhepunkt dessen erreicht, worum es bei SLOUGH FEG in den ersten zehn Jahren ging. Es war der Abschluss der ersten zehn Jahre der Band, welche die produktivsten Jahre waren, was das Songwriting angeht. Die Leute müssen dieses Album also echt hören.

Ok, ich muss das Teil echt haben.

Ja, ich denke schon, denn es definiert den Sound. Um zu verstehen, was wir jetzt tun, musst du verstehen, wo wir herkommen. Wenn du jetzt Bands wie SLEEP, SAINT VITUS oder OBSESSED hörst und noch nie BLACK SABBATH gehört hast, würde es dir nicht dasselbe bedeuten. Oder mal angenommen du hast gerade Somewhere In Time von IRON MAIDEN gehört oder etwas von ihren letzten Alben, oder meinetwegen Seventh Son Of A Seventh Son. Wenn du vorher nicht Number Of The Beast, Powerslave oder Killers gehört hast, wäre es nicht dasselbe. Wenn jemand zu dir kommt und sagt, dass IRON MAIDEN seine Lieblingsband sind und du ihn fragst welche Alben er hat und er dann sagt, Dance Of Death, No Prayer For The Dying und X Factor, dann kennt er IRON MAIDEN nicht. Und so denke ich auch über Down Among The Deadmen.

Ok, ich hab´s kapiert. Ich kauf das Teil.

Ok, ha ha ha.

Ich weiß, was du meinst. Wie kann man IRON MAIDEN-Fan sein und die ersten sieben Alben nicht haben? Ich mag Brave New World, Dance Of Death und auch die letzten beiden Alben – aber die ersten Alben sind es…

…die den Sound von IRON MAIDEN definiert haben.

Okay, zurück zu SLOUGH FEG. Werdet ihr in Europa auf Tour gehen?

Im Juli sind wir auf dem HEADBANGERS OPEN AIR, dann sind wir in England, eventuell Irland, Griechenland und Portugal.

In Deutschland nur das HEADBANGERS OPEN AIR?

Ja, sie wollten, dass wir dort spielen und wir können nur diese eine Show spielen, das ist ein exklusiver Auftritt. Aber das ist ok, wir haben oft in Deutschland gespielt und die Clubshows sind im Sommer meistens eh nicht so gut.

Mit welcher Band würdest du am liebsten mal zusammen touren?

Das ist schwer zu sagen, ich weiß nicht. Vielleicht… wir haben mit SOLSTICE gespielt, die ich sehr mag, mit BIBLE OF THE DEVIL… Vielleicht SAINT VITUSSAINT VITUS mit Scott Reagers, dem Original-Sänger wären für mich die großartigste Band zum Touren. Ich könnte jetzt natürlich etwas wie JUDAS PRIEST sagen, damit ich in Stadien spielen kann, aber das wäre nicht, weil es JUDAS PRIEST wären. Ich mag JUDAS PRIEST – aber das wäre nur, weil wir dann in großen Stadien spielen könnten. Oder IRON MAIDEN oder BLACK SABBATH oder wer auch immer. Natürlich würde ich das sofort machen, wenn ich die Chance hätte, für BLACK SABBATH zu eröffnen. Das wäre die beste Show überhaupt. Aber wenn es wirklich darum geht, mit welcher Band ich gerne touren würde, dann wären das SAINT VITUS, denn sie sind eine meiner Lieblingsbands und ich denke, wir hätten einen ähnlichen Vibe.

Das war es, ich bin mit meinen Fragen durch. Gibt es noch etwas, das du loswerden willst?

Nicht wirklich, ich denke, ich habe das meist abgedeckt. Ich weiß nicht, ich hab in letzter Zeit viele Interviews gegeben. Ich hab nicht mehr viel zu sagen. Ich hoffe, der nächste Sommer wird cool, ich hoffe, dass viele Leute aus ganz Deutschland zu unserer Show im Juli kommen. Wo lebst du?

In Köln, im Westen von Deutschland.

Das ist nicht so weit bis Hamburg oder?

Na ja, fünf bis sechshundert Kilometer.

Wirklich? Vielleicht erinnere ich mich nicht mehr so genau an Deutschland, aber ist Hamburg nicht im Westen?

Ne, ziemlich weit im Norden.

Ja, aber im Nordwesten oder? Ich denke, dass Berlin im Osten und Hamburg im Westen ist.

Ah, ich hab gerade noch mal nachgesehen. Es sind nur vierhundert Kilometer.

Das ist immer noch recht weit. Wie lange dauert das im Auto, drei Stunden?

Drei bis vier, je nachdem, wie verstopft die Autobahn ist.

Das ist doch machbar, du kannst ja auf der Autobahn schnell fahren.

Das Problem ist, dass die Autobahn nach Hamburg seit Jahren eine einzige Baustelle ist.

Das ist hart. Hoffentlich schaffst du es hin, ich bin auf jeden Fall da im Juli.

Mal sehen, ich wollte eh immer mal zum HEADBANGERS OPEN AIR. Danke für deine Zeit, ich wünsche dir und SLOUGH FEG alles Gute!

Danke für deine Fragen, das hat Spaß gemacht.

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.