SAXORIOR: Hauptsache einmal die Woche!

Am 27. September feiern SAXORIOR mit ihrem achten Album „Hem“ ihr fünfundzwanzigjähriges Bandjubiläum. Noch immer kredenzen die Sachsen bodenständigen Pagan Metal und widmen sich unter anderem der regionalen Geschichte. Zeit also, sich bei Drummer Andy zu melden, um mehr zu den Hintergründen von „Hem“ herauszufinden.

 Mit “Hem” habt ihr euer achtes Album am Start und feiert das 25jährige Bandjubiläum. Wie fühlt es sich an?

Es fühlt sich nach gar nichts an. Es bedeutet einfach nur, dass wir uns nicht aufgelöst haben. Wenn man etwas macht, muss man es mit Leidenschaft machen. Dann stört es auch nicht so sehr, wenn der ganz große Erfolg ausbleibt. Und man muss sich damit arrangieren, dass eine Band aus verschiedenen Personen, mit verschiedenen, zum Teil extremen, Macken besteht. Außerdem ist es sinnvoll, sich einmal in der Woche zu treffen und notfalls zu proben, falls man nichts kann. Ansonsten reicht es auch nur zu saufen und zu rauchen. Hauptsache einmal die Woche! Das klingt vielleicht komisch, ist aber mein voller Ernst. Es gab schon unglaublich viele Bands, die auseinandergedriftet sind, nur weil sie sich auf keinen verdammten Tag einigen konnten und jede Woche neu verhandeln mussten. Wenn beispielsweise der Donnerstag heilig ist, kommt auch niemand auf den selten dämlichen Einfall, mit seiner Freundin ausgerechnet dann ins Kino zu gehen.

Mir gefällt das naturorientierte Cover-Artwork von „Hem“. Stellt es eine bestimmte Landschaft dar? Und wer hat es gestaltet?

Es ist ein Foto von Matthias Menge, welches er von den Schrammsteinen (Sächsische Schweiz) aus geschossen hat. Wir haben es aber so bearbeitet, dass es eher nach einem Gemälde aussieht. Wer den selben Blick live haben möchte, braucht eine Kletterausrüstung. Im Prinzip stellt es die Landschaft dar, um die es in dem Song „Land aus Stein“ geht. Mit anderen Worten: unsere Heimat.

Hem“ bedeutet ja „Heimat“, u.a. auf Altsächsisch. Was bedeutet Heimat für euch? Und wo ist eure persönliche Heimat?

Die Heimat ist der Ort, in dem wir geboren worden sind, in dem wir uns auskennen und der uns geprägt hat, im Guten wie im Schlechten. In diesem Fall beziehen wir uns auf die Sächsische Schweiz.

Altsächsisch ist nicht unbedingt ein übliches „Hobby“. Wie seid ihr damit in Berührung gekommen?

Also, wir sind keine Germanisten oder so. Auch nicht als Hobby. Aber da sich bei den Songs alles um alte Geschichten aus unserer Heimat dreht und da „alte Geschichten aus der Heimat“ nicht gerade cool klingt, war die altsächsische Variante von „Heimat“ einfach nur logisch.

Ja, das macht Sinn. Auf „Hem“ beschäftigt ihr euch ja auch mit den Hussitenkriegen – eine ziemlich verworrene Geschichte. Wir haben im Geschichtsunterricht zwar Jan Hus „behandelt“, aber die Hussitenkriege überhaupt nicht. War das bei euch Schulstoff? Oder kam die Faszination mit diesem Thema erst später?

Nein, das hatten auch wir nicht in der Schule. Bei unserem letzten Album „Saksen“ drehte sich ja alles um die Altsachsen. Deren Siedlungsgebiet deckt sich aber überhaupt nicht mit dem heutigen Sachsen. Der Name Sachsen kam erst mit Friedrich dem Streitbaren in unser Gebiet. Welcher für seine Verdienste in den Hussitenkriegen mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg und der Pfalzgrafschaft Sachsen belohnt wurde. Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen. Die Sache ist, wie du schon bemerkt hast, sehr verworren. Auf jeden Fall schließt sich hier der Kreis. Denn seitdem hört unser Landstrich auf den Namen Sachsen.

Ja, bei den Hussitenkriegen durchzublicken, ist echt kompliziert. Gibt es andere historische Themen, die sich eurer Meinung nach noch für die Musik SAXORIORs eignen würden? Das Blutbad von Verden habt ihr ja zum Beispiel schon auf „Saksen“ thematisiert…

Seit unserem Gründungsjahr drehen sich unsere Texte oftmals um geschichtliche Themen. Aber nicht nur. Auch Sagen, Legenden, Natur und metaphysisches Gedöns à la Universum und Tod spielen schon lange eine Rolle. Wir wollten diesmal nicht nur auf episches Gemetzel setzen. Darum haben wir uns auf unsere alten Werte besonnen. Ein Großteil der Texte handelt diesmal von düsteren Sagen aus der Heimat. Die Musik ist ja diesmal auch ein wenig düsterer. Besonders spannend finde ich es, wenn Legende und Fakten miteinander verschmelzen. Wie auch schon bei „Blutbad“ oder diesmal „Hexenpest“. Eine Frau, die alleine Schuld hat am Ausbruch der Pest in Pirna? Nur weil sie das blöde ungarische Tuch getragen hat? Unwahrscheinlich! Enthauptet wurde sie (also ihr Leichnam) dafür allerdings wirklich. Das steht so zumindest im Stadtarchiv. Um deine Frage zu beantworten: Ja, es gibt noch einige Themen über die wir erzählen könnten. Geplant ist da jetzt allerdings noch nichts.

Spannend! Ihr habt ja nun auch ein Vierteljahrhundert Bandgeschichte mit SAXORIOR zu verzeichnen. Welches war das bisher schönste Banderlebnis in eurer – langen – Geschichte?

Diese Frage ist am schwersten zu beantworten, da es einfach zu viele tolle Erlebnisse gibt. Es ist z.B. immer wieder klasse, sich mit den Helden meiner Jugend eine Bühne zu teilen. Oder wenn Leute einmal quer durch Deutschland fahren, um ein 40minütiges Set von uns zu sehen. Nur weil sie uns einmal auf irgendeinem Festival gesehen und für gut befunden haben. Ich glaube, das ist das Schönste.

Welche Bands vermögen euch 2019 noch zu begeistern?

Die üblichen Verdächtigen: MANOWAR, TYPE O NEGATIVE, BATHORY, MOONSORROW, KISS, MIKE OLDFIELD, RAMMSTEIN, AC/DC und so weiter. Oder meinst du Bands, die dieses Jahr ein geiles Album raus gebracht haben? Da fällt mir jetzt vor allem CANDLEMASS, POSSESSED, MGLA und BETHLEHEM ein. Ich bin aber, was das angeht, immer ein paar Jahre hinterher. Ich habe z.B. (nicht lachen!) „Exercises in Futility“ auch erst dieses Jahr für mich entdeckt.

Das kann passieren, wenn man immer noch jede Woche probt, hehe… Wie sehen eure Pläne aus um „Hem“ zu promoten?

Wir lassen uns von diversen Clubbetreibern dafür bezahlen, bei ihren Gästen für Nackenschmerzen zu sorgen und bieten anschließend unsere Ware feil. Wir kommen auch gerne in die Schweiz, falls es da diesbezüglich noch Bedarf gibt, hehe… Ansonsten beantworte ich so tollen Mags wie euch immer wieder gerne Fragen… Prost!

Fotos: Saxorior / Einheit Produktionen

Arlette Huguenin Dumittan
Arlette ist seit 2000 bei vampster und unsere Schweizer Fachfrau für schwarze Musik und vegane Backrezepte. Lieblingsbands: DARKTHRONE, MAYHEM, HAIL OF BULLETS. Genres: Black Metal, Death Metal, Dark Metal/Rock.