Children of Bodom Interview mit Alexi Laiho

Irgendwie hielten sich meine Erwartungen bzgl. des Interviews mit Alexi Laiho von CHILDREN OF BODOM ziemlich in Grenzen. Der Ruf eines maulfaulen Finnen eilte dem Sänger und Gitarristen ja schon eine Weile voraus und ich machte mich eigentlich darauf gefaßt, endlich mal einen richtigen Unsympath interviewen zu dürfen. Doch meine Glückssträhne scheint anzuhalten, auch Alexi Laiha machte dieses Interview zu einer äußerst angenehmen Erfahrung! Doch lest selbst….

Irgendwie hielten sich meine Erwartungen bzgl. des Interviews mit Alexi Laiho von CHILDREN OF BODOM ziemlich in Grenzen. Der Ruf eines maulfaulen Finnen eilte dem Sänger und Gitarristen ja schon eine Weile voraus und ich machte mich eigentlich darauf gefaßt, endlich mal einen richtigen Unsympath interviewen zu dürfen. Doch meine Glückssträhne scheint anzuhalten, auch Alexi Laiho machte dieses Interview zu einer äußerst angenehmen Erfahrung! Doch lest selbst….

Als erstes interessiert mich mal, wie die Band CHILDREN OF BODOM nach dem sehr beachtlichen Erfolg des ersten Albums ‚Something Wild‘ so mit der Situation klargekommen ist.

Es war zunächst natürlich ein großer Schock für alle, da wir sowas überhaupt nicht erwartet haben. Wir meinten eigentlich, daß niemand das Album wirklich mögen würde, da es den verschiedenen Fangruppen vielleicht zu sehr in die jeweils andere Richtung ging. Natürlich hat es jeden gefreut, daß es so gut lief! Ich bin absolut zufrieden mit den Verkaufszahlen, die so um die 20.000 weltweit liegen. Ich wäre zufrieden gewesen, wenn sich das Album 1.000 mal verkauft hätte!

Würdest du sagen, daß der Erfolg die Band in irgend einer Weise verändert hat?

Ich denke nur in einer positiven Weise! Keiner von uns ist zu einem Rockstar oder sowas geworden. Wir sind noch dieselben Jungs! Der Erfolg ist niemandem zu Kopf gestiegen. Wir hatten die Möglichkeit zu touren und eine Menge Gigs zu spielen. Und auch, viele Leute zu treffen. Wir sind dadurch auch erfahrener geworden, wenn es zum Live-Auftritte geht. Also wirklich nur auf eine gute Art!


Inwiefern denkst du, ist euer Label für den Erfolg verantwortlich?

Sie hatten natürlich einiges damit zu tun, da die Promotion ziemlich gut war! Spinefarm haben eine klasse Arbeit geliefert in Finnland. Und Nuclear Blast natürlich in Deutschland und Europa. Promotion ist natürlich eine sehr wichtige Sache, besonders wenn es das erste Album einer Band ist.

Ist es für die Bandmitglieder denn nun momentan möglich, von der Musik zu leben?

Oh, in gewisser Weise, ha!

Arbeitest du denn inzwischen oder lebst du noch bei deinen Eltern?

Nein, ich arbeite nicht und wohne noch bei meinen Eltern. Um allein von der Musik zu leben braucht es schon noch etwas mehr als ein gut verkauftes erstes Album. Aber es ist sicher mein Ziel, von der Musik leben zu können.


Was uns natürlich zum zweiten Album bringt. Für mich hört sich das neue Material zu dem vom Debüt sehr ähnlich an. Ich erwartete eigentlich, daß die Band einen Schritt weiter gehen würde, aber ich denke, ihr habt eher am Fine-Tuning im Songwriting und in der Produktion gearbeitet.

Ich finde nicht, daß es total gleich ist! Es gibt schon einige Unterschiede zwischen den Alben. Vielleicht ist die Bottom-Line dieselbe, aber es gibt schon viele Unterschiede. Speziell der gesamte Sound. Ich denke nicht, daß es noch dieser Death Metal ist.

Nun, das erste Album war ja eigentlich auch kein Death Metal, oder?

Ja, ich meine auch eher den Sound! Ich glaube auch, daß die Songs einfach besser sind und griffiger. Vielleicht auch melodischer, aber genauso aggressiver.

Die Songs, wie sie auf dem Album sind konnte eigentlich jeder erwarten, ich hätte mir da einfach ein paar mehr Überraschungen gewünscht.

Ich weiß, was du meinst, aber die Songs entstanden einfach sehr natürlich. Wir wollten keine spektakulären Veränderungen! Wenn es natürlich passiert wäre, hätten wir die Veränderungen genauso mit aufgenommen. Wir sind nicht die Art von Band, die einfach alles über den Haufen wirft, nur um der Veränderung Willen. Vielleicht wird das nächste Album ja ganz anders. Okay, die neuen Songs sind vielleicht wirklich ähnlich, aber einfach viel besser gemacht, besser gespielt und besser produziert.


Ebenfalls sehr ähnlich zum ersten Album ist das Coverartwork von ‚Hatebreeder‘. Könnte da ein Konzept dahinter stecken?

Ja, das war unsere Absicht! Das ganze Konzept geht um diese Grim Reaper Geschichte. Für mich ist der Grim Reaper wie ein Symbol für Heavy Metal und das paßt auch wirklich gut. Ich mag es auch, so eine Figur oder einen Charakter zu haben, wie z.B. Eddie von Iron Maiden.

Besitzt euer Grim Reaper denn dann auch einen netten kleinen Namen?

Wir müssen ihm mal noch einen geben. Viele Bands haben so einen Charakter und ich finde das einfach cool.

Gibt es denn dann auch eine Geschichte zu eurem Charakter oder ist es nur ein Symbol für die Band?

Es ist einfach ein Symbol für die Band, da es sehr gut zum Bandnamen paßt, zur Musik usw.

Okay, zurück zur Musik! Für mich hat ‚Hatebreeder‘ die größten Momente, wenn es einfach rockt, in metallischer Hinsicht. Wie z.B. beim Titelsong gegen Ende. Was hat euch hierbei beeinflußt?

Ich mag alten Metal. Ich wollte einfach eine Kombination aus modernem Metal Sound wie Black Metal und Sachen wie OZZY OSBOURNE. Ich liebe seine Musik. Ja, OZZY OSBOURNE, W.A.S.P., TWISTED SISTER, die rockigen Sachen. Ich habe viele Einflüsse, auch von Power Metal Bands wie JUDAS PRIEST und MANOWAR z.B., die ich sehr mag!

Wie sieht es denn mit Side-Projects in der Band momentan aus. Bist du da noch der einzige, oder haben auch andere Bandmitglieder ein paar Sachen am laufen?

Nein, nur ich spiele bei SINERGY. Und dann noch bei IMPALED NAZARENE. Aber das sind eigentlich nicht meine Bands, keine Side-Projects. Wenn ich etwas anderes machen will, also auch andere Sachen schreiben und so, würde ich eine andere Band gründen.

Also sind die anderen Bands eher eine Art ‚mit Musik experimentieren‘?

Ja, exakt. Ich spiele gerne verschiedene Arten von Metal, was IMPALED NAZARENE und CHILDREN OF BODOM ja absolut sind. Und natürlich kann man da auch übers Geld reden, um so mehr ich arbeite, um so mehr Geld bekomme ich. Selbstverständlich mache ich das nicht nur, um Geld zu bekommen! Ich habe damit angefangen, weil ich Musik wirklich liebe. Aber da es jetzt zu meinem Job wurde, muß ich damit natürlich auch Geld verdienen.

Okay…da wir gerade von anderen Bands reden…wie sehen deine Kontakte zur finnischen Metal-Szene aus, die ja zur Zeit sehr erfolgreich ist. Es gibt auch sehr viele verschiedene Bands, wie z.B. euch, Sentenced, Apocalyptica usw.

Ja, jeder kennt hier den anderen. Ich kenne die STRATOVARIOUS-Jungs, die absolut cool sind und absolut keine Rockstars oder AMORPHIS und natürlich IMPALED NAZARENE.

Konkurrenzdenken?

(zögerlich) Nein…

Hört sich aber nicht überzeugend an…

Du meinst wie ein Wettbewerb unter den Bands? Nein, wir haben keinen speziellen Sound, wie z.B. den Göteborg-Sound. Jeder in Finnland klingt anders. Wenn du CHILDREN OF BODOM und SENTENCED vergleichst, ist das ganz was anderes. Und die Bands, die wie andere klingen, sind einfach nicht so groß. Also keine Konkurrenz!


Wie sieht es denn mit deinem alten Statement aus, daß du die Menschheit haßt?

Ich glaube, viele Leute haben mich in der Beziehung mißverstanden! Viele Leute haben mich gefragt, warum ich Menschen hasse. Ich bin kein Freak, der Leute auf der Straße umbringt! Ich bin Menschen gegenüber sehr skeptisch. Ich hab mit vielen Leuten schlechte Erfahrungen gemacht und es geht einfach darum, daß wenn ich jemanden treffe ich ihm nicht sofort vertrauen kann, bevor ich ihn kenne oder ihn gleich cool finden.

Für mich hat sich das auch ziemlich widersprüchlich angehört, da Musik doch genauso eine Art von Kommunikation ist.

Yeah, ich möchte selbstverständlich mit Leuten über meine Musik in Berührung kommen! Aber nicht so, daß ich mit den Leuten gleich abhängen möchte oder so. Ich möchte mit meinen Fans schon einen engen Kontakt haben.

Ich bin auch etwas überrascht, da dir als Interviewpartner ja ein recht schlechter Ruf voraus geht. Ich dachte eigentlich, unser Interview wäre ziemlich schnell erledigt :-). Hast du dich in der Beziehung irgendwie verändert?

Haha, meine Promoter von Nuclear Blast waren da etwas angepisst von mir, da ich nicht viel geredet habe. Ich weiß nicht, es ist jetzt ganz anders, da wir ein zweites Album haben und ich einfach viel mehr zu erzählen habe. Als ich für das erste Album Interviews machen sollte, hatte ich einfach nicht viel zu erzählen! Ich möchte ja auch keinen Bullshit bringen.

Ich denke auch, daß Musiker sowas auch ihren Fans irgendwo schuldig sind.

Ja, exakt, vollkommen richtig!

Was glaubst du überhaupt, was du deinen Fans schuldig bist?

Ich mag Musik, die den Menschen Gefühle vermittelt und die Gefühle ausdrückt. Für mich war es immer so, daß die Musik der beste Weg war, Depression und Wut und solche Sachen zu vermitteln. Natürlich habe ich viele Dinge gemacht, um meine Gefühle auszudrücken, aber Musik hat sich als der beste Weg herauskristallisiert. Besser als irgendwie Schaden anzurichten. Ich denke, vielen Metal-Fans bringt es was, so mit negativen Gefühlen umzugehen.

Na gut, kommen wir mal wieder langsam zum Schluß….wie sieht es mit den 3 Alben aus, die du dir zuletzt angeschafft hast?

Uhm…nun das ist schwer, die Alben, die ich mir zur Zeit anhöre sind ‚Bark at the Moon‘, ‚No Rest for the Wicked‘ und ‚The Ultimate Sin‘ von OZZY.

Wie sieht es mit deiner Meinung zum Internet, Bandhomepages und CD-Roms aus?

Ich denke, das ist echt großartig! Ich benutze das Internet selbst nicht, da ich mit Computer nicht so sehr viel anfangen kann. Ich denke aber, daß es eine gute Sache ist um Informationen zu verbreiten. Es ist für die Leute einfacher, an Informationen heranzukommen, anstatt rumrennen zu müssen und sich Magazine zu suchen. Speziell dem Musik-Business bringt das Internet sicher viel.
Mit Email und so weiter ist es sicher auch einfacher, mit einer Band in Kontakt zu kommen.

Wie sieht es denn mit herausragenden Live-Erlebnissen aus?


(Überlegt) Es gab sehr viele schlecht Dinge, die mir live passiert sind, haha. Ein gutes Live-Erlebnis ist meiner Meinung nach keine Frage von der Menge der Zuschauer. Ich spiele lieber für 50 Leute die voll in der Musik drin sind und ausflippen als vor 800 Leuten, die einfach nur zuhören. Ich weiß nicht, das größte Gefühl ist sicher, wenn man von den Leuten eine gute Resonanz bekommt.
Ich hatte aber eigentlich nur ein wirklich schlechtes Erlebnis, das war 1997, ein paar Monate, nachdem unser erstes Album raus kam. Es war wohl unser sechster Gig mit CHILDREN OF BODOM überhaupt. Wir hatten nicht viel Erfahrung, und alles lief schief. Meine Saiten sind dreimal gerissen oder so, ich mußte die Gitarre wechseln, das Tuning stimmte nicht mehr und bei ‚Warrior‘ spielte Alexander statt mit der Verzerrung mit dem klaren Sound das Hauptriff. Er wollte den Verzerrer reparieren, hat es aber nicht hingekriegt. Ich flippte absolut aus, ich wollte einfach nur heim, haha. Ich dachte nur ‚Scheiße, raus hier!‘ Sowas macht mir aber heute nicht mehr viel aus! Ich geb’ meine Gitarre weiter, laß mir eine neue Saite draufmachen und singe halt. Oder bei einem Gig vor kurzem schnitt ich mir am Bass von Henkka irgendwie die Stirn auf und es tat weh wie Hölle. Aber es machte nichts, da das Publikum so super war und es war mir einfach egal.

Wie sieht es mit einer echten Persönlichkeit aus? Wen würdest du gerne mal in deinem Leben treffen, was würdest du die Person gern fragen?

Oh, da gibt es einige, in erster Linie Gitarristen. Ich würde gerne Randy Rhoads treffen! Jake E. Lee und Zakk Wylde natürlich. Paul Gilbert, Steve Vai. Ich weiß nicht, was ich sie fragen würde, das würde ich dann rausfinden, wenn ich sie treffen würde, haha.

In der kleinen Abschlußplauderei erzählte mir Alexi noch, daß ich mit meinem Interview Glück gehabt hätte, da er vor ein paar Wochen täglich mehrere Interviews geben mußte und da nicht ganz so gut drauf war. Auch die Tatsache, daß wir am abend noch AMORPHIS treffen würde, freute ihn sehr und er ließ Grüße ausrichten. So weit kann es mit der Menschenfeindlichkeit also echt nicht sein und auch wenn sich meine Euphorie für das neue Album in Grenzen hält, hat der Name CHILDREN OF BODOM für mich einen ganz neuen Sympathiestellenwert eingenommen.

(Quelle der Bilder: Offizielle Homepage)