ASPHYX: Metal im Blut

ASPHYX: Metal im Blut

 

 

 

Mit Death… The Brutal Way haben sich ASPHYX nach einem Jahrzehnt Funkstille, wieder vereint mit Martin van Drunen, eindrucksvoll zurück gemeldet. Das Album hält alle Erwartungen, die man nach den großartigen Konzerten in den beiden zurückliegenden Jahren haben konnte und gehört zu den ganz heißen Anwärtern auf den Titel Death Metal-Album des Jahres. Im Rahmen der Release-Show zu Death… The Brutal Way im Turock in Essen hatten wir die Gelegenheit mit Martin van Drunen zu sprechen.

Hey Martin! Alles klar? Wie lange wollt ihr heute denn spielen?

Keine Ahnung. Eigentlich wollten wir einen Rekord aufstellen, die längste Death Metal Show aller Zeiten. Ich hoffe, dass wir zwei Stunden schaffen, vielleicht auch länger. Einerseits haben wir ja ein neues Album und wollen auch viel davon spielen, andererseits wollen wir natürlich auch die alten Fans nicht enttäuschen.

Siebzehn Jahre nach The Last One On Earth gibt es wieder ein ASPHYX-Album mit dir am Mikro. Hättest du vor eurem Auftritt auf dem PARTY.SAN damit gerechnet?

Nein, absolut nicht. Wir haben damals beim PARTY.SAN-Auftritt gedacht, dass das eine einmalige Sache wird. Wir spielen die Show und dann aus und vorbei. Erstens war die Show dann aber so geil und zweitens kam danach Angebot nach Angebot rein. Dann haben wir eine Single gemacht, das war die Death… The Brutal Way 7. Dann kam Paul auf einmal mit was weiß ich wie vielen Riffs an und wir hatten plötzlich vier oder fünf Stücke. Da haben wir uns dann gedacht, dass wir auch gleich ein neues Album schreiben können. Aber natürlich nur, wenn uns der Rest des Materials so gut gefällt, dass wir wissen, dass wir die Fans nicht enttäuschen werden, denn das wollten wir auf keinen Fall. Das ist einfach zu oft schon passiert, dass eine Band sich reformiert hat und mit dem neuen Album dann enttäuscht hat.

Ich glaube  da braucht ihr euch keine Sorgen zu machen.

Danke. Uns gefallen die neuen Stücke auch echt gut.

Was war es denn für ein Gefühl auf dem PARTY.SAN mit ASPHYX zum ersten Mal wieder auf der Bühne zu stehen?

Wahnsinnig! Das Publikum war absolut begeistert. Ich hätte früher nie gedacht, dass wir mit ASPHYX mal vor so einer Menge spielen, die uns dann auch noch so abfeiert. Und man hat uns während des Auftritts auch angesehen, dass wir eine Menge Spaß hatten. Und den haben wir immer noch bei den Shows. Auch heute wird es wieder etwas ganz besonderes sein, weil wir eben so viele neue Stücke haben, die wir noch nie gespielt haben.

Ich hab den PARTY.SAN-Auftritt leider nicht gesehen. Ich muss mich dann halt mit der DVD begnügen.

Das ist aber ein verdammt gutes Dokument des Auftritts. Deswegen haben wir uns auch entschlossen, die DVD dem neuen Album beizulegen. Es gibt die Atmosphäre des Auftritts damals wirklich sehr gut wieder. Der Schnitt und die Bearbeitung wurde von Maurice von LEGION OF THE DAMNED gemacht, also nicht von irgendeinem Studio sondern von Leuten, die wirklich Ahnung davon haben.

Wann hattest du das erste mal das Gefühl, dass es tatsächlich ein weiteres ASPHYX-Album geben könnte?

Ein gutes Gefühl hatte ich schon nach der Death… The Brutal Way 7. Als wir dann aber eine Jam-Session hatten bei der die ganzen Ideen auf den Tisch kamen, wussten wir sofort, dass wir bei Century Media wegen unseres alten Vertrages anfragen könnten und ob wir noch was über das Label veröffentlichen können.

Die haben doch bestimmt nicht lange gezögert, oder?

Nein, die hatten nur ein Problem, da die eine verdammt enge Planung haben. Und auf einmal kommt da eine Band an und will eine Scheibe raus bringen. Dann hatten sie einen Monat dies geplant, den anderen Monat das, deswegen ist es auch etwas später geworden mit der Veröffentlichung. Den alten Vertrag haben wir einfach vernichtet und einen neuen aufgesetzt, der viel besser ist.

Warum bist du eigentlich damals bei ASPHYX ausgestiegen und was hat euch jetzt wieder zusammen geführt?

Kleinigkeiten.

Also nichts weswegen ihr, du und Bob, euch noch mal hättet aussprechen müssen.

Nein, Bob und ich haben uns eigentlich angeschaut und gefragt: Was war eigentlich damals los? Das war ein Haufen Kleinigkeiten, der sich aufgestaut hat. Und statt drüber zu reden haben wir gar nicht gesprochen und uns irgendwann den Rücken zugewandt. Das war völlig unnötig, aber damals waren wir halt auch jung. Wenn wir jetzt was haben, sprechen wir es direkt an und gut.

 

ASPHYX:
Albumcover von Death… The Brutal Way

Allgemein war ja in den letzten zehn Jahren nicht mehr viel los bei ASPHYX. Woran lag es? War die Band in der Zeit eigentlich aufgelöst?

Ja, ASPHYX waren aufgelöst. Das PARTY.SAN hatte ja schon öfters angefragt und auch andere Festivals. Ich habe dann eine Mail bekommen und die an Bob weitergeleitet, aber er meinte, dass es ohne Eric (Daniels) nicht geht und Eric kommt nie wieder zurück. Es kamen Jahr für Jahr immer wieder Angebote und als wir uns dann mit HAIL OF BULLETS das erste Mal getroffen haben und saufen waren, hat mich Paul (Baayens) wegen ASPHYX angesprochen und meinte, dass er den Job machen könnte. Ich habe Bob dann gefragt, aber er wollte erst nicht.

Zwei Wochen später, als ich dann gesagt hatte, dass wir nicht weiter machen, kam dann doch zögernd das Angebot, dass wir es ja mal versuchen könnten. Dann sind wir mit Paul in den Proberaum gegangen, haben Wannes dazu geholt und wir hatten so viel Spaß und Paul hatte so einen geilen Sound, dass wir wussten: Wenn es einen gibt, der Eric ersetzen kann, dann ist das Paul. Auch Eric hält Paul für die richtige Wahl und ist sehr begeistert von dem Album.

Soweit ich gehört habe hat Eric überhaupt kein Interesse mehr daran, in einer Band zu spielen.

Er macht ab und zu was mit Bob, aber nicht auf dem Level wie wir das machen. Das kann er nicht mehr mit seinem Privatleben vereinbaren.

Wie lief denn letztendlich das Songwriting als ihr wusstet, dass ihr ein neues Album einspielen werdet?

 

Als Paul eingestiegen ist, hatte er so viele Ideen, die er zu Hause aufgenommen hat. Dann haben wir uns im Proberaum getroffen und uns die Sachen angehört und geschaut, was zusammen passt und haben die Riffs arrangiert. Wannes wohnt in Eindhoven während wir anderen drei relativ nah beieinander wohnen, so dass ich mich mit Bob auch mal schnell zu einer Jam-Session treffen konnte. Dann ging es eigentlich ziemlich schnell, da hatten wir an einem Tag vier Stücke fertig. Aber es war nicht so, dass wir uns da an einen Tisch gesetzt und was ausgedacht haben. Da kam ein Riff und entweder es war gut oder nicht. Und wenn wir im Proberaum total abgegangen sind, wussten wir, dass es gut ist.

 

Ihr seid ja teilweise auf mehreren Baustellen aktiv. Du und Paul sind noch bei HAIL OF BULLETS, die ja dieses Jahr eine EP veröffentlichen und live spielen, Paul und Stephan von HAIL OF BULLETS haben mit THANATOS auch ein neues Album am Start. Wie bekommt ihr das alles koordiniert?

 

Planung! Wir halten da mit allen Bands untereinander Rücksprache, so dass jeder weiß wann welche Band eine Show hat. Anders geht es nicht. Sonst kommt da noch ein Booker und bucht eine Show für die eine Band an einem Tag wo eine der anderen Bands aber auch eine Show hat. Da muss jeder Bescheid wissen, die Jungs von den Bands, die Merchandiser, Soundmänner und so weiter. Das klappt aber gut. Ed (Warby) hat ja jetzt etwas mehr Zeit für HAIL OF BULLETS, wo GOREFEST sich aufgelöst haben, was auch schade ist. Das ist für HAIL OF BULLETS natürlich ein Vorteil, weil Ed jetzt mehr Zeit für die Band hat.

 

Also gibt es auf der nächsten HAIL OF BULLETS-CD wieder nur Ed Warby-Songs, er hat ja jetzt genug Zeit.

Er schreibt jetzt erst mal Songs für ELEVENTH HOUR, sein Doom-Projekt.

Die Frage hast du jetzt wahrscheinlich schon von jedem deutschen Magazin gestellt bekommen, aber wie bist du auf den Songtitel Eisenbahnmörser gekommen? Wieso hast du nicht gleich den ganzen Text in Deutsch gesungen?

Das wäre zu schwer gewesen, so gut ist mein Deutsch nun auch wieder nicht. Paul kam im Proberaum mit dem brachialen Anfangsriff. Ich bin ein Mensch, der Songs immer visualisiert. Wenn ein Song fertig ist, denke ich immer nach was man dazu schreiben kann, wie man die Musik visualisieren kann. Das ist so ein brutales Stück. Ich interessiere mich ja eh für dieses ganze Kriegs-Zeug und man kennt zwar diese großen Kanonen, die auf der Eisenbahn transportiert werden, aber vielleicht nicht unbedingt diese Mörser. Und ich fand den Titel auch einfach geil.

Was fasziniert dich allgemein so an der Kriegs-Thematik? Mit HAIL OF BULLETS hast du letztes Jahr ein ganzes Album mit Songs über den Russland-Feldzug im zweiten Weltkrieg geschrieben und auch auf Death… The Brutal Way gibt es wieder einige Songs mit der Kriegsthematik.

Ich lese einfach viel darüber. Momentan lese ich wieder viel von Hans Werner Richter. Ich lese da ja nicht nur Geschichtliches, sondern auch Romane. Und die Deutschen sind da halt einfach die besten. Es wird meistens einfach am besten beschrieben. Ich lese das sowohl zur Entspannung, als auch zum Mind-Building, denn ich bin nicht der Typ, der viel vor der Glotze hockt. Und wenn ich was lese, ende ich eben meistens beim Krieg. Und mit dem zweiten Weltkrieg habe ich jetzt auch erst mal abgeschlossen, jetzt beschäftige ich mich erstmal mit anderen Sachen. Es geht nicht nur um Krieg, sondern auch um Geschichte.

Da gehen einem die Ideen für Texte so schnell sicher nicht aus.

Nein, da habe ich eine riesige Skala an Ideen. Das Dumme ist, es gibt inzwischen so viele Beispiele aus der Geschichte und man hat immer noch nicht daraus gelernt, das wundert mich wirklich. Entweder ist es tausend Jahre her oder eben zweitausend.

Es ändern sich nur die Namen.

Eben!

Schifffahrt scheint auch so ein Thema zu sein, das dich interessiert. Damals auf Last One On Earth gab es den Song M.S. Bismarck und jetzt Scorbutics, ein Song, der sich mit Skorbut beschäftigt, einer Mangelerscheinung, die früher hauptsächlich bei Seefahrern aufgetreten ist.

Ja, ich wollte früher selber Seemann werden. Dann bin ich aber in eine Band gekommen. Wir Holländer sind quasi geborene Seeleute.

 

 ASPHYX:
 ASPHYX live in Essen 2009

Wir hatten ja vor einem Jahr, als ich dich für HAIL OF BULLETS interviewt habe, auch kurz über die PESTILENCE-Reunion gesprochen. Hast du das neue Album mal gehört?

Gestern haben sie auf dem WITH FULL FORCE vor uns gespielt, aber ich hab sie nur gehört, nicht gesehen. Die tun mir echt leid. Nach dem Auftritt kamen ein paar Leute zu mir und meinten, dass ASPHYX schon eine ziemliche Bombe waren und zu PESTILENCE meinten einige, dass da nur ein paar alte Säcke auf der Bühne stehen und keiner weiß, was das soll. Wenn eine Band entscheidet, dass sie zurück kommt, dann muss das einen besonderen Grund haben. Als Außenstehender muss man sehen, dass diese Band motiviert ist. Und wenn diese Band dann überhaupt keine Motivation zeigt oder die Motivation nur Geld ist, dann sollte man wieder zu seinen normalen Jobs zurück gehen, der Markt ist sowieso schon überfüllt mit Metal. Da bin ich ehrlich, die neue Scheibe interessiert mich nicht. Wir waren letztens in Griechenland, da habe ich von einigen Leuten echt skandalöse Geschichten gehört.

Der Titelsong eures neuen Albums ist ja eine Hommage an die Old School Metal-Szene. Wie wichtig ist Metal für dich persönlich und wo siehst du die heutige Szene im Vergleich zu damals, als ihr mit ASPHYX die ersten beiden Alben veröffentlicht habt?

Ich bin mit Metal aufgewachsen und das bekomme ich nie wieder aus meinem Blut raus. Da lebe ich mit, da sterbe ich mit. Das heißt nicht, dass ich nicht auch andere Sachen gut finde. Der Szene-Vergleich ist schwierig. Ihr Presse-Leute tut mir echt leid, ihr müsst durch so einen Haufen von CDs durch. Als wir damals angefangen haben, gab es nur eine kleine Szene. Die Bands hatten alle Kontakt miteinander und haben Tapes getradet, auch Aufnahmen die nie veröffentlicht wurden. Jetzt ist es, was Bands angeht, unübersichtlich geworden. Manchmal spielen wir auf einem Festival und von den anderen Bands kenne ich nicht eine. Es ist einfach unübersichtlicher geworden. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass jede Plattenfirma ein Stück vom Kuchen haben will, vom großen Geschäft, dass Metal heißt.

Ja, manchmal wünsche ich mir auch, dass ich die ganzen Anfänge früher mitbekommen hätte. Es gibt zwar heute mehr Bands und man kommt leichter an Musik ran, aber ich schätze, dass man sich früher mehr für eine neue Band begeistern konnte, weil es eben noch nicht so viele gab.

Ich bekomme auf Konzerten öfters mal von Leuten CDs. Letztens hatte ich einen Stapel von 70 bis 100 CDs von kleinen Bands. Dann musste ich mal was an meiner Wohnung machen und hab mir dabei die ganzen Sachen mal angehört. Aber die meisten Sachen haben mir einfach nichts gegeben. Bis auf ein oder zwei Bands, die schreibe ich dann auch persönlich an, dass mir die Musik gefällt. Aber die meisten… Das sind vielleicht bessere Musiker als wir, was bei einer Band wie ASPHYX auch nicht so schwer ist, aber denen fehlt einfach was. Früher gab es Zeiten, da hast du ein Demo von AUTOPSY bekommen, dann eins von MORBID ANGEL. Das waren alles gute Bands, und alle im Kommen. Und jetzt gibt es tausende und die meisten sind einfach nicht gut.

Was kannst du uns denn zur neuen HAIL OF BULLETS-EP sagen?

Es gibt zwei neue Songs und ein Cover von TWISTED SISTER sowie drei Live-Aufnahmen vom PARTY-SAN. Wir haben uns gedacht, dass es mit dem neuen Album noch etwas dauert und wollten deswegen eine EP veröffentlichen. Die beiden neuen Songs kommen auch nicht auf das neue Album, sondern sind nur auf der EP, die ist soweit ich weiß auch auf 2000 Stück limitiert.

Wie sieht es denn mit dem Songwriting für das neue Album aus?

Ich hab im Kopf schon alles soweit fertig und brauche nur noch die Mucke von den Jungs. Wir lassen Eddie jetzt erst mal seine ELEVENTH HOUR Platte machen und dann geht es wahrscheinlich ziemlich schnell. Geplant ist es für Anfang nächsten Jahres.

Wie sehen eure Tourpläne mit ASPHYX aus?

Wir suchen uns die Shows aus, auf die wir Bock haben. Wir haben alle Jobs, Bob kommt eh keinen Monat ohne seine Kinder aus. Meistens werden wir Wochenend-Shows spielen, es sei denn, es kommen solche Sachen wie jetzt das MARYLAND DEATH FEST.

Hast du sonst noch etwas, das du loswerden möchtest!

Danke an alle Fans und Leute, die uns unterstützen und für die ganzen Reaktionen auf unsere Scheibe. Ich habe echt noch keinen gehört, dem sie nicht gefallen hat. 

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.