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ARBOR IRA: Wenn die Authentizität in den Himmel wächst

ARBOR IRA: Wenn die Authentizität in den Himmel wächst

ARBOR IRA streuten mit ihrem vor Authentizität und Leidenschaft nur so strotzenden Album, Und krankt mein Selbst vor Leidenschaft, denjenigen Samen aus, der Bäume voller Fragen wachsen lässt. Zur beantwortenden Obst- und Wortklauberei baten wir daher die Gründungsväter ARBOR IRAs Blum (Guitars/Bass & Vocals) und Pille (Drums) zum Gespräch. Und so entstand ein außergewöhnliches Interview mit außergewöhnlichen Menschen über außergewöhnliche Musik…

Kurz zu eurem Namen: Seid ihr eigentlich zornig auf die Bäume oder seht ihr euch eher als das Sprachrohr für die zornigen Bäume?

Blum: Der BaumZorn bedeutet für uns, die Auflehnung der Natur gegen ihre Zerstörer, also uns. Der Baum ist hier nur ein mächtiges Symbol, das aber für alles steht, was unter diesem Himmel gedeiht.

Pille: Als der Name schon lange Zeit Bestand hatte, wies mich eine nette Person darauf hin, dass es in früheren Zeiten Druiden gab, die den Wald mit einem Schutzzauber namens arbor ira belegten, um ihn vor der Zerstörung durch den Menschen zu bewahren. Es wäre natürlich genau in unserem Sinne, wenn dieser Geschichte Wahrheit innewohnt.

Mit welchem Baum würdest du dich und die Band am ehesten assoziieren?

Blum: Ich glaube an ein Bewusstsein, das sämtlichem Leben innewohnt. Eine alte Eiche erweckt in mir Ehrfurcht, nicht nur durch ihre majestätische Ausstrahlung sondern auch, weil sie eine über Äonen gesammelte Weisheit in sich trägt, die wir nicht begreifen.
Trotzdem ziert unser Bandlogo eine Kiefer. Sie ist für uns durch ihre Form und ihren Mythos sehr bedeutungsschwanger. Sie steht für das Umdenken, die Suche nach dem Weg, aber auch Verfall und Ausweglosigkeit. Irgendwie sind WIR auch diese kleine Krüppelkiefer, scheinbar bedeutungslos doch voller Energie.

Pille: Diese Krüppelkiefer ist auch für mich ein starkes Symbol unserer Überlebenskraft als Band. Auch unter kargsten Bedingungen können wir existieren und unserer Bestimmung nachgehen. An unserer Musik scheiden sich von jeher die Geister. Wenn du dich einer klaren Einordnung entziehst, verstehen dich viele Leute nicht. Dennoch sind wir nicht von unserem Weg abgewichen.

Habt ihr generell einen besonderen Bezug zur Natur?

Wenn dir auf diese Frage jemand antwortet, keinen besonderen Bezug zur Natur zu haben, bestreite ich seine Existenz. Für mich ist die Natur die, die es mir gestattet, zu leben. Das ist es, was wir in das Bewusstsein der Menschen prügeln wollen. Die Rolle der Krone der Schöpfung ist uns nicht gewachsen. Wenn wir ehrlich sind, würden wir eine Spezies, die ihren eigenen Lebensraum und sämtliches Leben darin zerstört, doch schleunigst los haben wollen.

Wählt ihr eigentlich Grün?

Blum: Das politische Grün hat in Deutschland nichts mehr mit Natur zu tun. Sie haben sich verkauft und ihre eigenen Ideen verdammt.

Pille: Lustigerweise haben wir Insiderinformationen über das Innenleben des Zwickauer Verbands der Grünen, da unser ehemaliger Bassist, Herr Stör, sich dort politisch engagierte. Er war damals schnell desillusioniert von endlosen Diskussionen über Nichtigkeiten und das sagt einiges über das Wesen politischer Arbeit aus. Mein Herz schlägt natürlich für die Ideen der Grünen, aber als etablierte Partei kämpft sie natürlich mittlerweile in erster Linie für sich selbst.

Ich habe mir zum bloßen Zeitvertreib einmal eure politische Konstellation in Zwickau angesehen und da stach mir die völlig unbekannte Partei AG Zwickau ins Auge, die immerhin die drittstärkste Fraktion ist. Wie ist diese Partei einzuordnen?

Die AG Zwickau wurde von den Bürgern gewählt, weil sie die Anderen repräsentieren sollte. Weil sie aus Politikern entstand, die sich den anderen Parteien abgewendet hatten. Weil sie sich durch mutige Ideen auszeichnete. Trotzdem ist eher die Situation aus Das Leben des Brian entstanden – auch gute Ideen werden von den Spaltern abgelehnt und so ist die AG Zwickau nur ein weiterer Kasperl im Zwickauer Stadtpolitikpanoptikum.

Wie stehst du generell zur Verbindung von Musik und Politik? Schließlich sind eure Texte ja bis zu einem gewissen Grad politisch.

Blum: Es gab wirklich Zeiten, da hätte ich gern auf den Wahlkampfveranstaltungen der Grünen gespielt. Aber meine naiven Vorstellungen, dass die Grünen aus lauter Revoluzzern bestehen würden, sind der Realität gewichen. Die Politik an sich hat fast nur mit ihrer eigenen Verwaltung zu tun – von dieser Seite erwarte ich keine Wende. Die Menschen müssen von anderen Instanzen wachgerüttelt werden. Die Kunst in allen ihren Formen kann die Menschen zum Denken anregen und ihnen die Augen öffnen für die wichtigen Dinge. Leider sind sich viele, die sich als Künstler bezeichnen, dieser Verantwortung nicht bewusst. Die Musikkultur ist in allen ihren Untersparten bis ins Mark vergiftet. Aber da alle in der gleichen Geschwindigkeit verdummen, schwimmt die Masse in dem Dünnschiss mit und denkt es wäre Wein.

Pille: Wenn viele Künstler behaupten, sie hätten die ganze Politisierung von Musik satt, und es ginge doch in erster Linie um Musik und da sind Texte etc. Nebensache, kann ich bis zu einem gewissen Grade mitgehen. Es müssen ja auch nicht immer platte, sofort schlüssige Aussagen sein, die man in diesem Zusammenhang verwendet. Man läuft schnell Gefahr, dass einem die Leute ambivalentes Verhalten unterstellen, wenn man zu sehr den Zeigefinger hebt. Es geht auch etwas subtiler. Aber grundsätzlich finde ich es wichtig, seinen Zugang zu den Leuten zu nutzen, um unangenehme Wahrheiten anzusprechen.

Ihr bezeichnet euren Stil als Psycho Doom. Versteh mich bitte jetzt nicht falsch, aber ist das Psycho so zu verstehen, dass ihr damit etwaige musikalische oder gesangliche Schwächen kaschieren wollt, indem schräg klingende Passagen dann einfach als Psycho-Element verkauft werden?

ARBOR
ARBOR IRAs Sänger Blum geht beim Gesang voll aus sich heraus: Die Texte aus meinem Hirn kann niemand authentischer darbieten. Wie gesagt, ich lebe diese Lieder.

Blum: Wir spielen so, wie wir es für richtig halten. Das Durchleben unserer Lieder heißt für mich, dass die Emotionalität der Gedanken auch im Gesang rüber kommt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war für mich klar: so und nicht anders hat das zu klingen. Mit Abstand betrachtet würde ich dann doch ein paar Stellen hörfreundlicher gestalten, aber so wie es ist, ist es gut und vor allem authentisch.

Im Begleittext eures Labels steht, dass man den Begriff Psycho Doom besser verstehen kann, wenn man euch live auf der Bühne miterlebt hat. Und dieses Vergnügen hatte ich bislang noch nicht. Also, was geht da bei euch ab?

Blum: Ich denke, dass die wahre Agonie, der Schmerz aber auch unser Humor nur live wirklich fassbar sind. Es macht einfach Spaß, auf der Bühne so menschlich zu sein. Wir benutzen auch gern Videoprojektionen, um Inhalt und Anliegen unserer Lieder besser rüberzubringen, aber das Wichtigste ist, dass wir unsere Lieder auch live leben, ohne ausgefeilte Bühnenshow und ohne Feuerwerk und das ist es, was die Zuschauer in den Bann zieht.

Pille: Schön gesagt, lieber Blum!

Zurück zum Album: Wie seid ihr im Allgemeinen mit der Resonanz zu Und krankt mein Selbst vor Leidenschaft zufrieden?

Blum: Wir können aus den Reviews ja genau herauslesen, wer unsere Platte versucht hat zu verstehen und wer sie rein musikalisch bewertet hat, ohne einen tieferen Sinn darin zu suchen. Letztenendes sind wir doch stolz darauf, etwas geschaffen zu haben, was die Menschen zum Denken anregt, denn nur so kann man die eigentliche Tiefe des Albums erfahren. Uns ist von Anfang an klar, dass wir keine massenwirksame Musik erzeugen, und so freuen wir uns über jeden Jünger, der der kleinen Gemeinde derer, die verstehen, beitritt.

Pille: Nun, als Labelchef würde ich sagen, wir haben uns da Kassengift an Land gezogen, he he.
Für die Puristen ist unsere Musik nicht genug Metal und wir haben auch unsere eigene Art, die Songs zu arrangieren. Aber viele der negativen Kritiken sagen genau das aus, was Blum angedeutet hat: es ist schwer, einen Zugang zu ARBOR IRA zu finden und wenn sie etwas nicht verstehen, neigen einige Menschen dazu, das als Schwäche eines Albums zu betrachten. Ich sehe das anders. Aber es gibt Kritiken, die wirklich gut beschreiben, was wir für die Leute bereithalten, und so bin ich zufrieden und freue mich auf die nächsten Veröffentlichungen.

Die Produktion lief ja nicht gerade komplikationslos: mit welchen mittleren und kleineren Katastrophen musstet ihr euch da herumschlagen?

Blum: Da uns allen dieses Thema sauer aufstößt, möchten wir es lieber dabei belassen. Ein Menschenleben reicht nur kurz und das Material für Und krankt mein Selbst vor Leidenschaft war im Sommer 2003 bereit, aufgenommen zu werden. Die Odyssee bis zum April 2006 hat tausend Kapitel und ich hole sie nicht aus dem Kerker hervor, in welchem sie schlummern.

Pille: Wer sich mit Recording nicht weiter beschäftigt, wird mit unseren Problemkindern nichts anzufangen wissen. Es waren auf jeden Fall viele Anläufe nötig, um mit gewissen Kompatibilitätsproblemen fertig zu werden, und vieles musste erneut aufgenommen werden. Wenn du keinen Geldgeber hast, bist du zudem zu oft von anderen Leuten abhängig und musst oftmals einfach warten, warten, warten…

Wie blutig waren eigentlich die Stimmbänder von Herrn Blum nach den Aufnahmen?

Blum: Das hat mich mein Arbeitgeber noch nie gefragt. Dabei muss ich auf Arbeit viel mehr und lauter schreien.

Glaubst du, der authentische und absurde Reiz ARBOR IRAs ginge verloren, wenn ihr eine klarere, professionellere Produktion gehabt hättet?

Blum: Noch klarer? Noch professioneller? Nein, Dennis, unser Recordingguru, hat das Beste aus uns rausgeholt. Soundtechnisch wollten wir uns natürlich noch etwas für´s nächste Album aufheben :O)

Pille: Uns gefallen sowieso immer unsere Proberaumaufnahmen am besten! Wir brauchen schon einen speziellen Sound, der natürlich stellenweise noch druckvoller werden könnte. Aber unter den erwähnten Bedingungen ist es ein schöner, giftiger Brocken geworden, und wir wissen, wo wir bei den nächsten Sessions anders arbeiten müssen. Auf jeden Fall werden wir uns klanglich beim nächsten Mal mehr an NIGHTWISH und EVANESCENCE orientieren… ;o)

Gibt es eigentlich immer einen Zusammenhang zwischen den kurzen, gesprochenen Passagen und den Songs?

Blum: IMMER! Da unsere Texte schwer zu interpretieren sind (ja wir wissen das), haben wir uns entschlossen, wie schon auf Ohne Welt und Aber jedem Song ein erklärendes Intro zu geben. Das diese wiederum schwer zu deuten sind, liegt in unserer Natur – wir haben das Beste gegeben – mehr Klarheit wäre schädlich :O)

Wem gehört eigentlich die weibliche Stimme in diesen Passagen?

ARBOR
ARBOR IRA ist sich dessen bewusst, mit Und krankt mein Selbst vor Leidenschaft keine massenwirksame Musik erzeugt zu haben: …wir haben uns da Kassengift an Land gezogen

Blum: Nun, es sind zwei verschiedene Frauen. Eine haben wir auch gleich auf´s Cover gepresst und die andere habe ich geheiratet.

Und ist das Covermodel schon vergeben?

Pille: Also, unser Covermodel ist wieder zu haben! (Eileen, du solltest dir einen neuen Briefkasten zulegen!) Nun ist ja aber auch der Herr Hahn mit einem Wort zu hören und der ist wiederum vergeben. (Ich hoffe, ihr vergebt mir!)

Was sich wie ein roter Faden durchs Album zieht, ist die gesteigerte emotionale Komponente. Man lebt hier richtig mit mit den Songs. Inwieweit sind diese Emotionen, die ihr in die Musik legt, gespielt?

Blum: Erst mal freut es uns, dass du es so erlebst. Ich muss hiermit zugeben, dass ich den kranken Waldmeister nur mime. Late At Night und Planet der Ringe sind Texte vom Pille, welche ich versuche zu verstehen und ihre Emotion umzusetzen, und ich denke, es gefällt ihm, seine eigenen Gedanken, vielleicht auch ein bisschen verzerrt zu erleben. Die Texte aus meinem Hirn kann niemand authentischer darbieten. Wie gesagt, ich lebe diese Lieder. Ich hätte es vielleicht nicht als roten Faden bezeichnet. Eigentlich hat das Album keinen Anfang und kein Ende. Wäre da nicht diese andere Band, hätte ich seine Struktur vielleicht als amorph bezeichnet. Der emotionale Höhepunkt wandert für mich von mal zu mal.

Da ich mit dir ja den Schlagzeuger an der Strippe habe, will ich gleich mal feststellen, dass mir beim Album die zahlreichen unterschiedlichen Breaks auffielen. Die kann man sich doch nicht alle auswendig merken, oder? Spielst du die immer ganz intuitiv?

ARBOR
Nicht nur Drummer Pille geht beim Spielen intuitiv ans Werk: …aber ebenso improvisiere ich gerne Passagen und stelle die anderen Jungs manchmal vor arge Probleme – eine weitere Psycho-Komponente in unserer Musik!

Blum: Ganz bestimmt tut er das :O))

Pille: Ich bin so vergesslich… Im Ernst: Es gibt viel Intuition und ich liebe es, mir mein ganz persönliches Gerüst eines Songs zu machen. Es gibt durchaus Breaks, die spiele ich immer gleich und sie sind live für mich wichtige Anhaltspunkte, aber ebenso improvisiere ich gerne Passagen und stelle die anderen Jungs manchmal vor arge Probleme – eine weitere Psycho-Komponente in unserer Musik!

Generell wirken die Musik und vor allem die Vocals ziemlich aus dem Bauch heraus. Ist das nur die Wirkung auf den Hörer oder ist das Tatsache?

Blum: Das hatten wir, glaube ich, schon geklärt: aus dem Bauch kommen bei uns viele Geräusche. Die meisten kann man nicht musikalisch verwerten. Vieles entsteht bei uns einfach durch gemeinsames Jammen und aus so mancher Session wird dann auch gleich ein Song gebastelt. Also hast du vielleicht doch gar nicht so unrecht, obwohl wir bei meinem Bauch zwei Platten im Jahr einspielen müssten :O)

Pille: Wir haben bei uns im Probraum einen Flipchart, auf welchem die Struktur jedes Songs mit farbigen Klebezetteln vermerkt ist. Jede Farbe signalisiert einen Part und wir schieben die Zettel solange hin und her, bis wieder ein Hit entstanden ist…

So manch ein Riff klingt unüberhörbar nach BLACK SABBATH. Können diese alten Hasen als Inspirationsquelle gelten?

Blum: Öhm, kenn ich nicht. Nee im Ernst: Wenn alles, wie du schon sagtest, aus dem Bauch kommt, ist es natürlich möglich, dass zwischen all diesen Geräuschehappen ein altes BLACK SABBATH-Riff schlummert. Warum wird man an solchen Stellen eigentlich nie nach Schumann gefragt?

Und wer dient bei euch – neben BLACK SABBATH und Schumann – noch als Inspirationsquelle?

Blum: Ja, da wären der Wald, das Meer, die Berge, die Täler, die Wiesen und Auen und ein archaischer Geist, der es einem verbietet, Volksmusik zu machen und das Sterben der Schönheit zu verleugnen.

Pille: PORTISHEAD, SWARTALF, RUSH, TOOL, LED ZEPPELIN, MAHAVISHNU ORCHESTRA. Ich sauge alles auf und versuche, den Rahmen, den unsere Songs geben, so interessant wie möglich zu füllen. BLACK SABBATH ist für unseren Filou (Anm.: Gitarrist) sicher ein Einfluss. Er hat aber eigentlich Blues in der Seele und bezieht auch viel Inspiration aus dieser Musik heraus. Kevin (Anm.: ebenfalls Gitarrist) ist da eher für alle Doom-Spielarten mit ihren bizarren Bezeichnungen zu haben, liebt KATATONIA und MY DYING BRIDE, NEGURA BUNGET, VOID OF SILENCE und Tausende andere. Aber Inspiration für ARBOR IRA ist eigentlich eher die spezielle Beziehung innerhalb der Band und es sind nur bedingt äußere Einflüsse.

Bleiben wir kurz beim Thema Doom Metal. Für dieses Genre habt ihr vergleichsweise wenig Soli. Warum?

Blum: Weil sie nicht im Bauch waren? Wenn ich das Wort Solo nur höre, assoziiere ich es sofort mit wilden, zusammenhanglosen Tonmassakern des Heavy Metals und nenn´ mich engstirnig – das hab´ ich nie verstanden, warum man ein schönes Lied mit so einer Gitarristenprofilierung kaputt macht. Wir formen gemeinsame Melodien und keine Soli, und wenn da mal ein klitzekleines mit reingerutscht ist, hab ich´s nicht gemerkt.

Pille: Ich stehe auf melodische Solopassagen ohne Selbstmasturbation und ermutige unsere Herrn Gitarristen, auch mal etwas in den Vordergrund zu treten. Aber für uns sind eigentlich die Melodienlinien die Soli und wenn der Song ein Solo braucht, wird er sich schon melden…

Gibt es eine Band, mit der ihr gerne verglichen werden würdet?

Blum: Wir wollen uns gar nicht daran gewöhnen, mit anderen Bands verglichen zu werden. Es war vielleicht ein Fehler, gerade den Waldmeister auf unsere Homepage zu stellen, ist er doch auch der Opener des Albums und somit wird man sofort auf den Stil dieses Liedes festgemacht. Mit jedem anderen Song unserer Platte hinken sämtliche Vergleiche mächtig. Wir sind ARBOR IRA und tun unser Bestes, unsere Einzigartigkeit zu verteidigen. Wenn die Schublade zu groß wird, müssen wir eben eine kleinere finden ;O)

Wie ist es um die Metal-Szene in und rund um Zwickau bestellt?

Wir haben einen tollen Verein, den Rock–Life e.V. Zwickau. Der ist aber immer nur auf Riesenfischefang gegangen und hat den Underground eher stiefmütterlich behandelt. Den Zwickauern waren dann irgendwann die Preise zu hoch und jetzt sind wir in einem kulturellen Loch gefangen, da keiner mehr aus seiner Wohnung rauskommt, wenn nicht gleich SEPULTURA auf dem Flyer steht. Ich behaupte hier mal, in Zwickau gibt es viele Metalbands und das ist die Szene – drumherum ist NIEMAND.

Pille: Zum Glück muss ich dazu kein Statement abgeben, da ich in Plauen (der nächstgelegen Metropole) lebe. Aber generell gilt für unsere Region dasselbe wie überall: die Leute sparen natürlich lieber, um einmal im Leben ein MAIDEN-Konzert bezahlen zu können, als dass sie die kleinen Events besuchen. Aber dennoch gibt es eine große Anzahl an Bands, die wiederum gegenseitig das Fanpotenzial bilden, und so kann man in nicht zu kurzen Abständen hier durchaus gut besuchte Konzerte erleben. Es gibt das Chronical Moshers Festival, welches der gleichnamige Metal-Club organisiert, in welchem ich meine musikalische Feuertaufe mit Bands wie VENOM, BATHORY, MESSIAH und ACCEPT erlebte. Wir durften bereits mehrmals teilnehmen und die Jungs machen das echt super. Es lebt also…

ARBOR
Der Begriff Psycho Doom soll vor allem live begreifbar sein: Ich denke, dass die wahre Agonie, der Schmerz aber auch unser Humor nur live wirklich fassbar sind.

Wer steckt eigentlich hinter eurem Label redtogrey und welche Leistungen und Pflichten umfasst die Zusammenarbeit?

Blum: Diese Frage sollte vielleicht eher der Pille beantworten, aber die Leistungen und Pflichten: Als oberste Leistung steht hier die ständige Verwaltung der Konkursmasse von ARBOR IRA. Das heißt, Pille jongliert mit negativen Zahlen und verlangt ab und zu Geld von uns, um ihre Stellenzahl zu verringern. Unsere Pflichten sind, ihm immer Rauchware und kühles Getränk beizustellen, nicht zu nörgeln, wenn er zu spät kommt, und ihn für seine Labelarbeit zu loben.

Pille: Ich wollte schon immer ein eigenes Label haben, wo ich die Bands wie Sklaven halten und sie zwingen kann, die Musik zu machen, die ich will!
Im Ernst: Ich wollte ARBOR IRA nach endloser Labelsuche eine Heimat geben und im Prinzip kümmere ich mich gemeinsam mit Blum um die Promotion für die Band. Jeder in der Band muss sich zu gleichen Teilen an entstehenden Kosten beteiligen (ich nehme an, jeder ahnt, was man für Anzeigen in den einschlägigen Magazinen hinlegen muss, was Flyer, Plakate, CD-Produktionen u. ä. kosten). Die Idee stammt schon von mir, aber alle Schritte werden natürlich mit den anderen abgestimmt. Alleine könnte ich den Aufwand nicht bewerkstelligen.

Wirst du die Label-Arbeit ausweiten und auch andere Bands unter deine Fittiche nehmen?

Blum: Jede Band, die will, bekommt von redtogrey einen zwanzigjährigen Vertrag, der die selben günstigen Modalitäten beinhaltet.

Pille: Es wird wohl bei ARBOR IRA und vielleicht einigen Sideprojekten bleiben. Näheres will ich da aber nicht verraten. Es könnten 20 Jahre vergehen, ehe sich meine Ankündigungen bewahrheiten.

Was ist deiner Meinung nach schwieriger: als Band Erfolg zu haben oder als Label wirtschaftlich zu arbeiten?

Pille: In unserem Falle würde ich sagen, als Band Erfolg zu haben. Als Label kann man sich aussuchen, welche Bands man unter Vertrag nimmt und kann sich dem Zeitgeist zumindest annähern. Einer Band, wenn sie authentisch sein will, bleibt diese Wahl nicht. Aber es hängt in beiden Sparten viel mit dem Geschick zusammen, seine Werke zu vermarkten und natürlich mit der Höhe des Werbebudgets.

Welches waren die letzten drei Alben, die du dir gekauft hast?

Blum: HAPE KERKELING: Kein Pardon, Das Taubenhaus Teil 1 (Teil 2 ist nicht so gut)…

Pille: FATES WARNING: A Pleasant Shade Of Grey, FIREBALL MINISTRY: The Second Great Awakening und BETH GIBBONS & RUSTIN MAN: Out Of Season

Wie und wo informierst du dich über neue Platten?

Blum: Öhm, bei Vampster?

Pille: Bei Vampster. Aber eigentlich überall: Durchblättern der einschlägigen Magazine, Amazon, diverse Mailorder und natürlich auf Seiten wie eurer.

Gibt es ein Festival, auf dem ihr besonders gerne einmal auftreten wollt?

Blum: DOOM SHALL RISE

Pille: Die Kirmes in Meiningen wäre der Hammer. Aber DOOM SHALL RISE wäre auch okay.

Warum gerade das DOOM SHALL RISE?

Blum: Nun, ein Festival wo die Leute hingehen, weil sie Doom hören wollen – das ist einmalig.

Pille: Ich habe immer das Billing dort stets bewundert und stelle mir auch die Rahmenbedingen in der Kirche sehr interessant vor. Zudem sind dort höchstwahrscheinlich absolute Enthusiasten am Werk und denen würden wir gern mit einem starken Auftritt Respekt zollen.

Was sind deiner Meinung nach die Stärken ARBOR IRAs?

Blum: Die Andersartigkeit.

Und die Schwächen?

Blum: Die Andersartigkeit.

Wie geht es bei euch im Allgemeinen weiter?

Blum: Wir retten die Welt.

Pille: Außerdem wollen wir schnell neues Material aufnehmen, unseren neuen Bassisten für die Show am 23.09. fit machen und wieder mal aktuelle Bandfotos schießen. Es gibt Ideen für Sideprojekte und wir brauchen mal ein paar Regale im Proberaum.

Bilder: ARBOR IRA

Christian Wögerbauer
Seit 2005 bei Vampster und Lieferant für Reviews, News, Live-Berichte und -Fotos.Genres: Doom, Death, Gothic, Sludge