…AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD: Ich bin der Kunstkritiker.

Zugegeben, die meisten anderen Alben von …AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD haben mehr gezündet, als das brandneue, siebte Album "Tao Of The Dead" . Dennoch ist dieses bizarre Werk, das sich mehr am Prog-Rock der Siebziger orientiert als an allem anderen, ein farbenprächtiges, kreatives, wildes, unartiges Album, das wächst und letzten Endes doch noch überzeugt. Allein für den Mut etwas Anderes zu bieten, als ein neues "Source Codes And Tags" halten …AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD den hohen Rang in meinem Herzen, für ein derart lustiges Interview mit Hundeliebhaber, Bandgründer und Vizechef Jason Reece gibt es hingegen den Anti-Rockstar-Award für ultimative Lockerheit und Bodenständigkeit.

Zugegeben, die meisten anderen Alben von …AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD haben mehr gezündet, als das brandneue, siebte Album Tao Of The Dead . Dennoch ist dieses bizarre Werk, das sich mehr am Prog-Rock der Siebziger orientiert als an allem anderen, ein farbenprächtiges, kreatives, wildes, unartiges Album, das wächst und letzten Endes doch noch überzeugt. Allein für den Mut etwas Anderes zu bieten, als ein neues Source Codes And Tags halten …AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD den hohen Rang in meinem Herzen, für ein derart lustiges Interview mit Hundeliebhaber, Bandgründer und Vizechef Jason Reece gibt es hingegen den Anti-Rockstar-Award für ultimative Lockerheit und Bodenständigkeit.

Hallo Jason, wie geht es dir?

Ganz gut, aber heute ist es saukalt draußen. Wir haben nur 30° Fahrenheit hier in Texas.

Verflucht. Da denken wir lieber an die schönen Zeiten, als wir vor zwei Jahren im Biergarten Bullshit geredet haben. Nun erscheint euer siebtes Album Tao Of The Dead , dem ich wohl noch etwas Zeit geben muss, denn es ist doch deutlich anders, als das, was ihr sonst gemacht habt.

(lacht) Heißt das, du hast noch nicht ganz rein gefunden, oder du findest es scheiße?

Ich mag es durchaus, gerade die erste Hälfte, die letzten beiden Tracks sind aber sehr, na ja, spontan. Aber ich denke, du bist zufrieden, oder?

Ja, momentan sind wir schon glücklich mit dem Album. Wir wollten eben was anderes versuchen, ich mag die Richtung die wir für Tao Of The Dead einschlugen. Es war auch leichter das Album zu schreiben. Dieses Mal wussten wir, wo wir hin wollten, das war bei So Divided und The Century Of Self nicht so.

Was mich sehr überrascht hat, ist die Anordnung der Songs des Mediabooks. Die Doppel-CD hat haufenweise enorm lange Stücke mehr und in deutlich anderer Reihenfolge parat. Werdet ihr nun zehntausende Dollars mit sinnlosen Jams verdienen?

Nein, auf der zweiten CD ist das Demo des Albums drauf. Es ist sehr interessant anzuhören, auch wenn es scheiße klingt, weil wir es mit einem Vier-Spur-Rekorder aufgenommen haben. Aber daraus erschließt sich schon, was dann aus Tao Of The Dead wurde.

Teil eins des Titelsongs sind die ersten elf Songs zusammengemischt?

Ja, genau.

Optisch gesehen hat Conrad wieder eine absolute Großtat verbrochen. Das Artwork sieht aus, wie eine Verbindung von Jules Verne, H.G. Wells und Lewis Carrol. Hilft das, die Story zu verstehen?

(lacht) Ja, das ist ein Graphic Novel, der mit der Musik einher geht. Es ist einerseits mit der Musik verbunden, andererseits ein eigenes Ding. Wir wollten zum Album eine kleine Geschichte bieten.

Ich habe Bilder des Mediabooks mit seinen Pop-Up-Seiten gesehen, was es im Musikbereich nur selten gibt. Wollt ihr visuell ähnliche Qualität bieten, wie mit der Musik?

Absolut. Conrad ist ein Künstler, er arbeitet einfach immerzu. Er kann hier seine kreative Seite ausleben, übt sich in kreativen Elementen. Er langweilt sich so schnell, darum zeichnet er andauernd. Ich bin überhaupt kein Zeichner, ich sage ihm immer nur, was gut ist, und was nicht. Ich bin der Kunstkritiker.

 

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Wir waren kurz davor sein Haus nieder zu brennen. Wenn es so weit ist, sollte man besser den Produzenten wechseln – das sieht auch Jason Reece ein.

Conrad ist großer Cartoon-Fan. Wollte er damit seinen eigenen Superhelden erschaffen und einen Kindheitstraum wahr werden lassen?

Er arbeitete an diesem eigenen Universum schon seit ich ihn kenne, und das ist eine wirklich lange Zeit. Aber so nahe war er noch nie dran, die Geschichte fertig zu gestalten. Früher wusste er nicht so richtig, wie er mit dieser Idee umgehen sollte, da fehlte ihm einfach noch die Erfahrung, um diesen Graphic Novel zu vollenden.

Diese reife visuelle Vision der Geschichte passt zur Musik auf Tao Of The Dead , denn ich finde, ihr habt euren bisher größten Schritt in eurer Evolution durchgemacht. Ich würde eher den Begriff Artrock als Rock and Roll verwenden.

(lacht) Was meinst du denn damit? Na ja, das Heavy Rock-Element ist schon noch da, aber es ist etwas, sagen wir künstlerischer, gerade im zweiten Teil. Wenn du das Album am Stück hörst, kann ich das auch noch nachvollziehen. Die einzelnen Songs aber sind sehr klar strukturiert. Es gibt die Strophe und es gibt den Refrain. Bei Summer Of All Dead Souls, Weight Of The Sun und auch Pure Radio Cosplay ist die Musik recht direkt. Wenn du aber die Musik am Stück hörst, dann wirkt sie schon irgendwie außerweltlich.

Ich höre Alben fast immer am Stück, darum habe ich wohl diesen Eindruck, das alles wirkt wie Kapitel eines Buches. Übrigens bin ich der Meinung, dass es den kurzen Songs gar nicht geschadet hätte, sie etwas auszudehnen und richtige Epen daraus zu machen.

Ja, das hätten wir sicher machen können. Aber wir wollten die Idee hinter dem Song klar halten, und das sagen, was wir zu sagen hatten, und nicht mehr. Warte bitte, mein Hund nervt, ich muss ihn raus lassen.

(Kurze Pause und Gefluche)

Was für einen Hund hast du?

Einen Mix aus Boston Terrier und Pitbull, ganz schwarz. Sieht aus wie eine Fledermaus. Ein furchtbar hässliches Tier.

Aber du liebst ihn doch sicherlich.

Ja, er ist so hässlich, dass er wunderschön ist.

Die Tracks sind allesamt nummeriert, das erinnert mich ein wenig an PINK FLOYDs Shine On You Crazy Diamond. Kamt ihr auf diese Idee der Songgestaltung, als ihr Wish You Were Here wieder entdeckt habt?

In den Siebzigern haben sich die Leute die Alben einfach anders angehört, da wollten wir wieder hin. Deshalb sollte es auch mehr nach einem Album klingen, das auf Vinyl raus kommt. Außerdem werden wir Tao Of The Dead auch auf Vinyl veröffentlichen, was wirklich gut ist.

Eben. Und es gibt ja wieder genügend Leute, die Vinyl lieben.

Ja, sie mögen wie es sich anhört und wie es aussieht. Das kann ich voll nachvollziehen.

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Conrad arbeitete an diesem eigenen Universum schon seit ich ihn kenne, und das ist eine wirklich lange Zeit. Jason Reece über das extravagante Artwork zu Tao Of The Dead.

Welche kommerziellen Erwartungen habt ihr denn an Tao Of The Dead ? Werdet ihr mehr oder weniger als von The Century Of Self verkaufen?

Künstlerisch gesehen wollen wir genügend verkaufen, so dass unser Label uns nicht droppt. Wir wollen die Kosten decken, dann ist alles gut.

Habt ihr eigentlich an die Indie-Mädels und Jungs gedacht, die nun vielleicht ihre Lieblingsband verlieren?

(lacht) Was meinst du denn damit?

Na ja, ihr habt ja eine reicht große Indie-Fanbasis in Europa. Und ob die mit Tao Of The Dead zurecht kommen wird…

Ach, wir werden wohl ersetzt werden.

Wie lief denn das Songwriting für Tao Of The Dead ab? Conrad zog nach New York City, habt ihr euch also getroffen und die Songs ganz frei und locker geschrieben, oder ist die Arbeitsweise jetzt schwieriger?

Sein Umzug machte das Songwriting für dieses Album viel einfacher. Wir trafen uns, jeder hatte ein paar Ideen, und dann spielten wir ganz offen drauf los. Wenn wir Ideen hatten, die gut klangen, hielten wir sie fest und machten die Songs daraus. In New York gibt es da einen Rockclub, in dem wir uns für eine Woche verschanzten und einfach gejamt haben. Da wurden wir überhaupt nicht gestört und konnten uns voll auf die Songs konzentrieren. Wir waren also besser auf die Aufnahmen vorbereitet, als jemals zuvor.

Wer hat die Musik geschrieben, nur Conrad und du?

Nein, unser Drummer Aaron Ford half uns auch aus, außerdem haben wir einen neuen Bassist, Autry Fulbright II, auch sie haben etwas von der Musik geschrieben. Die meiste Zeit haben aber Conrad und ich an unseren Ideen gearbeitet. Wir sind einfach ein gutes Team.

Was passierte eigentlich mit Kevin Allen?

Er entschied sich dafür, in Rente zu gehen. Und wenn man nicht mehr zu hundert Prozent hinter etwas steht, sollte man es auch nicht mehr tun. Jetzt sind wir wieder am Ausgangspunkt, da Conrad und ich die Band damals ja auch zu zweit gegründet haben.

Beim Anhören von Tao Of The Dead fiel mir übrigens auf, dass ein catchy Song wie Ebb Away eher nach YES klingt, als der anarchistischen Eingängigkeit, die euch früher ausgezeichnet hat.

Nein, das waren eher JOY DIVISION, die mich für diesen Song inspiriert haben. (lacht) Ich liebe JOY DIVISION, sie sind eine wirklich extrem interessante Band. Conrad findet allerdings, dass Ian Curtis nicht singen konnte.

Naja, da hat er vielleicht recht, aber darum lieben ja alle JOY DIVISION, oder etwa nicht? Hast du den Film Control gesehen?

Ja, genau nach diesem Film hatte ich die Idee zu Ebb Away. Der Song, der läuft, wenn der Film endet, wie heißt er doch gleich, hat mich auf die Idee gebracht.

Bei den Synthesizern auf Tao Of The Dead muss ich irgendwie an GOBLIN denken.

Ha, GOBLIN! Ich liebe sie! Wir hören immer wieder ihre Alben an. Ich würde sie gerne mal live sehen, aber ich glaube, die machen nichts mehr.

Doch, sie sind wieder aktiv. Mir fehlt auf Tao Of The Dead ein wenig der Einfluss von QUEEN.

Es gibt nicht wirklich Songs mit opernartigen Gesängen. Vielleicht ist Spiral Jetty noch am nächsten dran, aber das ist wieder eher BRIAN ENO und DEPECHE MODE. Dieses Stück besteht hauptsächlich aus Keyboards.

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Mag die Stimme von Ian Curtis nicht und arbeitet pausenlos: Conrad Keely.


Seltsam ist, das der zweite Teil des Titeltracks mit seinen sechzehn Minuten in fünf Segmente unterteilt ist. Wolltet ihr den nicht auf verschiedene Tracks aufsplitten, oder konntet ihr das nicht wegen den ganzen Jams, die enthalten sind?

Das weiß ich nicht. Darüber sollte man nicht zu viel nachdenken. Hör es einfach an und genieße es.

Na gut, dann sprechen wir mal über die Aufnahmen. Ihr habt das Album in zehn Tagen live eingespielt.

Es gabt natürlich noch ein bisschen Overdubbing, das dauerte nochmal eine Woche. Aber das meiste wurde live in zehn Tagen aufgenommen, ja.

Ihr wolltet es also etwas spontaner halten?

Spontaneität passiert, wenn man die Dinge raus lässt, alles andere ist geplant. The Fairlight Pendant war uns nicht möglich im Studio wiederzugeben, da mussten wir das originale Demo verwenden. Was wir im Studio versuchten, klang nicht echt, eher nach einer Band, die im Studio versucht etwas zu duplizieren, das sie nicht zu duplizieren vermag.

Die berühmte Magie des Augenblicks also?

Ganz genau. Die Simplizität erhalten, das lass-es-einfach-passieren.

Ihr habt wieder mit Chris Frenchie Smith aufgenommen, der auch euer Debütalbum von 1998 aufgenommen habt. Dazwischen arbeitetet ihr nur mit Mike McCarthy. Warum habt ihr diese langjährige Zusammenarbeit beendet?

Wir hatten einen ziemlichen Streit mit ihm. Den haben wir inzwischen aber wieder beigelegt. Während der Aufnahmen zu The Century Of Self benahm er sich wie ein Arschloch. Ich weiß nicht ob er in einer Midlife-Crisis steckte. Wir waren kurz davor, sein Haus nieder zu brennen, aber wenn man so etwas macht, kommt man ins Gefängnis. Als wir sagten, was wir vorhatten, war er völlig überrumpelt. Conrad war an dem Tag furchtbar sauer, wir haben halt blödes Zeug geredet, und Mike nahm es ernst. Jetzt ist er jedenfalls wieder normal. Er ist ja auch sehr talentiert, es hat durchaus seinen Grund, warum wir die zehn Jahre unserer Karriere nur mit ihm gearbeitet haben. Aber die Magie starb leider nach diesen Vorfällen. Er war dauernd negativ gestimmt, redete schlecht daher und das wirkt nicht gerade förderlich auf die Zusammenarbeit.

Ich muss jedenfalls gestehen, dass mir der Sound von Tao Of The Dead sehr gefällt. Es klingt sehr warm und direkt.

Frenchie hatte, als wir unser erstes Album aufnahmen, überhaupt keine Ahnung, er hatte so etwas in dieser Form noch nie gemacht. Heute hat er so viel Erfahrung gesammelt, da er mit einer Unmenge von Bands gearbeitet hat, dass er genau weiß, was er tut. Er ist sehr eine sehr enthusiastische, positiv gestimmte Persönlichkeit, er versucht immer Möglichkeiten zu finden, Probleme zu lösen.

Im April werdet ihr wieder auf Europatour gehen. Ich hoffe, auf eine neue, große Party wie letztes Mal, als du bei Caterwaul einmal durch die Halle, auf die andere Seite gelaufen bist, und auf die Bar geklettert bist.

Ja, das war cool. Auf der Tour mischen wir wieder Songs aus allen Zeitspannen von …AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD, da gibt es wieder allerhand zu feiern.

Na das klingt doch nach einer Tour, die man nicht verpassen darf. Danke für das Interview und bis zum April!

 

Fotos: (c) Ben Garret / Artwork: (c) Superball Music