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YEAST MACHINE: Bad Milk

Wie klingt Grunge im Jahr 2026? YEAST MACHINE verraten’s dir!

Die Neunziger waren musikalisch keine so schlechte Zeit. Das wissen auch YEAST MACHINE. Der Fünfer aus dem schwäbischen Tübingen hat offenbar viel Freude daran, die Frühwerke von NIRVANA, MUDHONEY, THE JESUS LIZARD und Konsorten zu konsumieren – und die inhalierte Essenz in ihren eigenen Songs in die Neuzeit zu transferieren. Herausgekommen ist auf ihrem Zweitling „Bad Milk“ ein modernes Grunge/Psychadelic Rock Album, das dabei so gar nicht schwäbisch klingt. Gegeizt haben YEAST MACHINE jedenfalls nicht, als es darum ging, die eigenen Ideen auszuschmücken und in die zehn Songs zu gießen, die ihren Weg auf „Bad Milk“ gefunden haben.

YEAST MILK überzeugen mit mehrstimmigen Gitarren und Gesängen und guten Ideen

So finden sich mehrstimmige Gesänge und Gitarren, herrlich schwer bratend und dennoch harmonisch verteilt im Stereo-Mix des Albums. Viele nette Soundspielereien in den Intros und den Songs selbst halten die Lieder auch nach mehreren Durchgängen spannend, hier und da mischen sich auch weibliche Vocals in die Songs, wie in der zweiten Strophe vom DOZEResken „Falling Rocks“, die für eine weitere spannende Facette sorgen. Irgendwo zwischen NIRVANA, DOZER und THE JESUS LIZARD pendelt sich das meiste Songmaterial dann auch ein, vollgepackt, aber nicht überladen, durchaus selbstbewusst, und klingt dabei warm und organisch.

Interessant wird es immer dann, wenn die Band aus ihrem Raster ausbricht. So groovt sich „Wobbly Wizzard“mit 70er-Jahre-Wah-Wah-Gitarren-Charme frisch nach vorne, während  „Feeding Poison To The Spiders Was Never Really My Thing“ dich durch seinen spannenden Songaufbau förmlich in den Song hineinzieht. Genau hier zeigt sich eine Schwäche des Albums, die ich weiter unten noch konkretisiere: Statt die Spannung konsequent auszureizen und die Sperrigkeit bis zum Schluss durchzuziehen, lösen YEAST MACHINE sie in einem typischen 90er Grunge-Refrain inklusive Rückung auf. Das raubt dem Song die letzte Konsequenz und lässt ihn unnötig flach verklingen.

„Bad Milk“ überzeugt in vielen Momenten, es fehlt aber noch der letzte Mut

Das ist auch mein einziger Kritikpunkt an diesem erwähnenswert guten Album: Trotz gewollter Schräglagen und den eingearbeiteten Dissonanzen bleibt das Album spürbar auf Zugänglichkeit getrimmt. Dort, wo die Referenzen der Neunziger durch Exzesse und musikalische Unbekümmertheit Alben für die Geschichtsbücher schrieben, bleiben YEAST MACHINE hörbar kontrolliert. Das schmälert dann ein wenig die ursprüngliche Idee, die Radikalität und den Schmerz, aus dem heraus diese Musik einst entstand. Es schmälert nicht aber die Qualität: „Bad Milk“ überträgt die Ästhetik von Seattle und Chicago überzeugend ins Hier und Jetzt – eben nur ohne den Mut, sie konsequent auszureizen.

Live dürfte das alles aber sehr gut funktionieren, und ich bin gespannt, wohin die Reise von YEAST MACHINE noch führt. Mit „Bad Milk“ sollte sie jedenfalls noch nicht zu Ende sein.

Tracklist – YEAST MACHINE „Bad Milk“:

Globalized Condolences
Falling Rocks (feat. The Red Flags)
Bad Milk
Foreshadowing
Dust on the Radio
Feeding Poison to the Spiders Was Never Really My Thing
Karthago
Honey & Sweat
Wobbly Wizzard
The Golden Cage

VÖ-Datum: 20. März 2026

Spielzeit: 34 Minuten

Produktion

Produced & Mixed: Markus Graf
Mastered: Stefan Brüggemann

Label/Promo: Noisolution

YEAST MACHINE – Besetzung

Fabian Köninger – Gitarre, Vocals
Tobias Köninger – Gitarre
Benjamin Frenzel – Vocals, Synth
Marcel Gundlach – Bass, Vocals
Jonas Bischof – Drums

Im Netz:

YEAST MACHINE bei Bandcamp