VAN CANTO: Tribe Of Force

Das dritte Album der A-Capella-Metalband hat weniger Coversongs als sein Vorgänger, ist dafür aber voller einzigartiger Melodic-Metal-Hymnen, die einfach Spaß machen.

Wir befinden uns im Jahre 2010 n. Chr. Die ganze Metalwelt wird von Gitarren beherrscht. Die Ganze? Nein! Eine Metalband hört nicht auf A-Capella-Metal zu spielen und klingt so völlig anders als alle Anderen.

Jetzt wieder ernsthaft:
VAN CANTOs drittes Album Tribe Of Force ist da, und es gibt eine entscheidende Änderung zum Vorgänger Hero: Weniger Coversongs. Auf Hero noch gleichberechtigter Bestandteil neben den Eigenkompositionen, finden sich auf Tribe Of Force nur noch zwei Metalklassiker in A-Capella-Form : METALLICA s Master Of Puppets und GRAVE DIGGER s Rebellion.

Immer noch beim Alten ist natürlich der typische rakataka-damdam-bumbum-Gesang, der sämtliche Saiteninstrumente sowie Keyboards komplett ersetzt, sodass auf der Bühne nur ein Schlagzeug und fünf Sänger (vier Sänger und eine Sängerin) zu finden sind. Wer also diese Art der Musik schon früher für nervig und die Bandmitglieder für leicht verrückt gehalten hat, wird auch mit diesem Album nicht glücklich werden und muss ab hier eigentlich nicht weiterlesen. Allerdings macht die Band ihre Arbeit dermaßen gut, dass das anfängliche mitleidige Lächeln bald in verblüfftes Staunen umschlägt, denn was die Band hier gesanglich wie technisch abliefert ist bemerkenswert. So schaffen es VAN CANTO, richtig geile Riffs zu singen (hört euch mal den Anfang von To Sing A Metal Song an) und sogar teilweise richtig fett grooven. Und selbst wenn Sängerin Inga Ausflüge in deutlich höhere Stimmlagen unternimmt, was zum Glück nur selten passiert, klingt das nie nervig oder unpassend.

Auf Tribe Of Force gibt es alles was das Melodic-Speed-Metal-Herz begehrt:
Große Metalhymnen wie I Am Human, das Titelstück oder Water Fire Heaven Earth, genauso wie mit den ersten drei Stücken Lost Forever, To Sing A Metal Song, One To Ten(mit Victor Smolski (RAGE) und dem mit der typischen Stimme von SONATA ARCRICA s Tony Kakko veredelte „Hearted“ flotte Speed-Kracher.
Außerdem wären noch mit den orchestral unterlegten Frodo’s Dream und Magic Taborea und dem ruhigen Last Night Of The Kings weitere erwähnenswerte Songs.
Das Beeindruckende ist aber vor allem, wie VAN CANTO aus so gut wie jedem Song einen unwiderstehlichen Ohrwurm machen, und das, obwohl die meisten Songs melodisch wie textlich recht einfach gestrickt sind. Hier liegt leider auch einer meiner wenigen Kritikpunkte, denn die Texte sind (vor allem in Water Fire Heaven Earth und dem Titelstück) oft in einfachstem Grundschulenglisch zusammengeschustert. Der Vorteil dessen: nach dem ersten Hören kann man fast jeden Refrain mitgrölen, nach dem zweiten Durchlauf so gut wie jeden Song.

Und dann gibt es ja noch mit den bereits oben erwähnten Coversongs Rebellion und Master Of Puppets noch ein Highlight. Nur eins? Richtig, denn während Rebellion sich super einfügt und perfekt passt (inklusive der Reibeisenstimme von Chris Boltendahl), stört Master Of Puppets irgendwie. Vielleicht liegt das an der leicht abweichenden Stilistik, vielleicht aber auch nur daran, dass hier das Fehlen eines fetten Gitarrensounds nicht kompensiert werden konnte, ich weiß es ehrlich nicht; denn an sich ist der Song schließlich Weltklasse. Auch wenn das so mancher METALLICA-Fan bestimmt anders sehen wird, das Lied wirkt leider als Fremdkörper in einem Album, dass sonst wie aus einem Guss wirkt.

Ansonsten aber ein tolles Album (Anspieltipps:To Sing A Metal Song, I Am Human und der Mega-Ohrwurm Water Fire Heaven Earth), in das nicht nur die typische Zielgruppe (BLIND GUARDIAN , NIGHTWISH , EDGUY und Artverwandtes) reinhören sollte, sondern auch andere Metaller, die einfach mal einen bunten Farbtupfer zwischen dem ganzen anderen Rumpelgrunzrockgedöns brauchen.

Veröffentlichungstermin: 26.02.10

Spielzeit: 55:13 Min.

Line-Up:
Inga – lead vocals
Sly – lead vocals
Stef – lead & lower rakkatakka guitars
Ross – higher rakkatakka guitars
Ike – doom a bass
Bastian – drums & percussion

Produziert von Stefan Schmidt
Label: Napalm Records

Homepage: http://www.vancanto.de/

MySpace: http://www.myspace.com/vancanto

Tracklist:
01. Lost Forever
02. To Sing A Metal Song
03. One To Ten
04. I Am Human
05. My Voice
06. Rebellion
07. Last Night Of The Kings
08. The Tribe To Force
09. Water Fire Heaven Earth
10. Master Of Puppets
11. Magic Taborea
12. Hearted
13. Frodo’s Dream