THE OCEAN: Heliocentric

Wieder einmal ein essentielles Album für Freunde von intelligentem, mitreißendem Metal.

Nachdem es vor ungefähr einem Jahr um die Liveband THE OCEAN still wurde, nachdem da die Luft raus war, kam eine Neuauflage von “Fluxion“, die das Vertrauen in Robin Staps und seine zahlreichen, immer wieder wechselnden Mitstreiter, stärkte. Ganz einfach weil THE OCEAN immer eine Vision und genügend Selbstbewusstsein hatten, um sich gegen die Großen im Business aufzulehnen und ihren eigenen Dickschädel durchsetzten. Mit “Heliocentric”, dem vierten Album der Band, ist es nicht anders – es geht um Selbstbehauptung und Selbstverwirklichung. THE OCEAN werden erwachsen.

Nach dem aufwändigen, ausladenden “Precambrian” wieder in Richtung “Aeolian” zurückzukehren, haben THE OCEAN natürlich ausgeschlossen, die Evolution wird auf “Heliocentric” konsequent fortgeführt. Das neue Album des Studiokollektivs ist etwas leichter, nicht so tonnenschwer instrumentiert und mit unendlich vielen Spuren zugekleistert als zuletzt. Und trotzdem merkt man sofort, wer hier die Musik geschrieben hat. Robin Staps ist nur einen etwas anderen Weg gegangen, um seine Vorstellungen zu realisieren. Und das gelingt ihm auch aufgrund seiner neuen Mitstreiter wirklich gut. Einerseits hört man gerade am Drumming, dass seine neuen Mitmusiker ihre richtig guten Ideen auch wirklich umsetzen dürfen, andererseits rührt natürlich viel von diesem neuen Eindruck vom neuen Sänger Loïc Rosetti, der eine sehr schöne Gesangsstimme hat und mit genügend Selbstvertrauen und Pathos die großartigen, teils recht poppigen Gesangslinien realisiert.

Natürlich gibt es daneben genügend heftige Passagen, die nicht nur für Abwechslung sorgen, sondern auch dafür, dass man sich nie zu sicher sein kann. Es passiert immer wieder, dass man von einer Wand aus Riffs und Gebrüll erschlagen wird. So kann es sein, dass ein ruhiges Stück wie “Firmament” plötzlich ausbricht, aber auch, dass heftig riffende Stücke plötzlich ganz ruhig werden, wie in “Metaphysics Of The Hangman” und “Swallowed By The Earth”, oder sogar einen Chorus parat haben, für den man sterben möchte, siehe “The First Commantment Of The Luminaries”. Richtig poppig ist “Ptolemy Was Wrong” einerseits, erinnert andererseits aber angenehm an eine Mischung aus MUSE und CYNIC, ist groß angelegt, aber doch weit entfernt von Kitsch. Positiv ist außerdem, dass THE OCEAN es mit den klassischen Instrumenten hier nicht übertreiben und diese nur dann einstellen, wenn es sinnvoll ist. Dadurch ist der Gesamteindruck deutlich organischer als auf “Precambrian“.

Mit dem beeindruckenden, brachialen Doppel “The Origin Of Species” und “The Origin Of God” und einem wundervollen Saxophonsolo endet “Heliocentric”, von dem man Anfangs vielleicht nicht so recht wissen soll, was man davon halten soll. Auch wegen der beiden kurzen Einschübe “Catharsis Of A Heretic” und “Epiphany”, von denen letzteres recht belanglos ist, kann es sein, dass die Rechnung von “Heliocentric” zunächst im Kopf des Hörers nicht aufgehen mag. Aber es braucht hier eben ein paar Durchläufe mehr als bei “Precambrian“. Aber ob THE OCEAN dieses Album geschlagen haben, wird der Langzeittest zeigen. Also keine Bange, “Heliocentric” ist ein Feuerwerk an grandiosem Songwriting, toller instrumentaler Arbeit, garniert von einer massiven Produktion. Ganz klar ein essentielles Album für Freunde von intelligentem, mitreißendem Metal. “Anthropocentric” darf sich ruhig noch etwas Zeit lassen, das große “Heliocentric” füttert unsere Herzen und Hirne bestimmt noch ein paar Monate.

Veröffentlichungstermin: 9. April 2010

Spielzeit: 50:42 Min.

Line-Up:
Loïc Rossetti – Vocals
Robin Staps – Guitars
Jonathan Nido – Guitars
Louis Jucker- Bass
Luc Hess – Drums
Julien Fehlmann – Sound

Guest / live musicians:
René Noçon – Vocals
Esther Monnat – Cello
Céline Portat – Viola
Estelle Beiner – Violin
Lionel Gafner – Contrabass
Vincent Membrez – Piano
Jérôme Correa – Saxophone
Robert Gutowski – Trombone
Hans Albert Staps – Trumpet
James Yates – Vibraphone

Produziert von THE OCEAN
Label: Metal Blade Records

Homepage: http://www.theoceancollective.com

MySpace: http://www.myspace.com/theoceancollective

Tracklist:
1. Shamayim
2. Firmament
3. The First Commandment Of The Luminaries
4. Ptolomy Was Wrong
5. Metaphysics Of The Hangman
6. Catharsis Of A Heretic
7. Swallowed By The Earth
8. Epiphany
9. The Origin Of Species
10. The Origin Of God