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THE NEPTUNE POWER FEDERATION: Mondo Tomorrow

Die australische Maschine zeigt erste Anzeichen von Abnutzung: „Mondo Tomorrow“ ist nicht mehr ganz so mitreißend wie die beiden Vorgänger. Wenn THE NEPTUNE POWER FEDERATION aber das Gaspedal durchdrücken, begeistern sie noch immer.

Ist „Mondo Tomorrow“ der Combobreaker? THE NEPTUNE POWER FEDERATION haben mit „Le Demon De L’Amour“ und „Goodnight My Children“ allein in diesem Jahrzehnt zwei fast unschlagbare Alben veröffentlicht. Geht dem australischen Kult um die Hohepriesterin und Sangeswunder Screaming Loz Sutch und Illustrator Inverted CruciFox etwa die Power aus? Moment, Moment, soweit sind wir noch nicht. Das siebte Album von THE NEPTUNE POWER FEDERATION startet eigentlich vielversprechend. Nach einem Aufenthalt in der Märchenwelt wird konzeptionell der Flux-Kompensator angeworfen und die Band landet in „Mondo Tomorrow“, der Welt von Morgen. Und ganz der Logik der Band folgend, wird sie prompt von einem verrückten Wissenschaftler begrüßt.

Auf „Mondo Tomorrow“ ist musikalisch alles beim Alten, konzeptionell sind THE NEPTUNE POWER FEDERATION nicht so stark wie zu vor – das färbt aufs Songwriting ab.

Oha, drängt sich da nicht ein Verdacht auf, ist man mit dem Œuvre von THE NEPTUNE POWER FEDERATION bereits vertraut? Sieht man im inneren Auge nicht bereits die Screaming Loz Sutch mit Dr. Frank N. Furter im Gesangsduell? Spoiler vorweg: Es gibt kein Duett auf „Mondo Tomorrow“ zu hören. Rein musikalisch scheint zunächst auch alles beim Alten: Rock And Roll voller Energie, primitiv-brillante Riffs, treibende Rhythmen, angesiedelt zwischen Hardrock, Stoner Rock, der Energie des Punk und dem Glamour der räudigen Sorte haben THE NEPTUNE POWER FEDERATION längst ihre Nische gefunden. Schleichen sich deshalb erste Ermüdungserscheinungen ein?

Seien wir ehrlich, „Mondo Tomorrow“ ist nicht das erste Album, das mehr vom Gleichen bietet, aber es überzeugt konzeptuell nicht so, wie die beiden Vorgänger. Dabei starten THE NEPTUNE POWER FEDERATION sehr routiniert mit „The Ghost Of Tomorrow“: Die üblichen Elemente sind enthalten, außer vielleicht dem großen Refrain. Der fehlt auch „The Grip Of Death“, aber hier zeigt die Band, dass sie partiell doch mehr zu bieten haben, als es zunächst den Anschein macht: Der Mittelteil mit Percussions und dem verzerrten Bass ist leicht psychedelisch, hat aber gewaltige Power. Mehr Energie bietet „And The Bones Decay“: Vermutlich ist dieser Song der Hit des Albums, geht in den Overdrive beim Refrain und hat dann eine dramatische, brodelnde und fast schon atmosphärische Bridge, bevor der Song abschließend explodiert.

Ein Album ohne Hits können THE NEPTUNE POWER FEDERATION gar nicht schreiben: Auf „Mondo Tomorrow“ funktioniert zumindest die Hälfte der Songs tadellos.

„Mondo Tomorrow“ funktioniert am besten, wenn THE NEPTUNE POWER FEDERATION Gas geben, groovigere Songs braucht es dazwischen selbstredend auch. „Living In The Gutter“, das ein wenig Musicalflair ausstrahlt, ist aber viel zu lange geraten. „Cybernetic Times“ hat dann endlich die unwiderstehliche Mischung aus einem fantastischen Bass- und Gitarrenriff und einer irren Hook – nur leider verliert sich der Song in der Mitte etwas. „Mind Controller“, das mit der Dynamik spielt und nebenbei einen richtig derben Gitarrensound hat, geht da viel besser ins Ohr und die Beine, ebenso „Rhypsody In Blue“, bei dem sich THE NEPTUNE POWER FEDERATION endgültig der Cheesiness hingeben – dieser Chorus bleibt lange im Gedächtnis. Der Abschlusstrack „The Barbarian Dominion“ zerfasert dann auch nach einem guten Start und hinterlässt eher Fragmente als den Eindruck eines Knallers, da kann es in der letzten Minute noch so cineastisch werden.

Innovation bringen THE NEPTUNE POWER FEDERATION kaum auf „Mondo Tomorrow“ in ihren Sound, am ehesten noch durch die selten eingestreuten, retrofuturistischen Keyboards. Dass das Songwriting nicht mehr ganz so frisch und zwingend ist, trägt sein Übriges bei. Dank der wie üblich hervorragenden Instrumentalisten, dem fetten Sound und der überirdischen Performance von Screaming Loz Sutch bekommt „Mondo Tomorrow“ das Prädikat Stagnation auf hohem Niveau. Für das nächste Album darf man sich wieder etwas mehr Mut und Einfallsreichtum wünschen.

Wertung: 5,5 von 8 Mad Scientists

VÖ: 10. April 2026

Spielzeit: 37:26

Line-Up:
Screaming Loz Sutch – Vocals
Search and DesTroy – Guitar
Inverted CruciFox – Guitar
Jaytanic Ritual – Bass
River Sticks – Drums

Label: Cruz Del Sur Music

THE NEPTUNE POWER FEDERATION „Mondo Tomorrow“ Tracklist:

1. Mondo Tomorrow (Official Video bei Youtube) 
2. The Grip Of Death
3. And The Bones Decay (Official Video bei Youtube) 
4. Living In The Gutter
5. Mind Controller
6. Cybernetic Times
7. Rhapsody in Blue
8. The Barbarian Dominion

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