SYLVAN: Force Of Gravity

SYLVAN: Force Of Gravity

Die meisten Progressive Rock-Alben fangen mit opulenten Instrumentaleinleitungen an. SYLVAN sind zwar klar in diesem Genre verwurzelt, drehen den Spieß jedoch um. Zu Beginn dominiert der Gesang das Geschehen. Die Band hält sich ansonsten zurück. Mal nur mit Klavier, dann nur mit Gitarre untermalt gewinnt der Opener und Titelsong Force Of Gravity eher langsam an Fahrt. Vom ersten Moment an stimmt jedoch die dramaturgische Spannung. Die Musik packt fest zu und lässt einen nicht so schnell wieder los. Das anschließende Follow Me lotet gekonnt, wie weit man als Progger in Richtung Eingängigkeit und Heaviness gehen kann, ohne dass es verzwungen klingt. Im weiteren Verlauf geht es etwas ruhiger zu, ohne dass dabei allzu viele Längen entstehen. Mit ihrer Song-orientierten Herangehensweise erinnern mich SYLVAN bisweilen an eine entschlossene Variante von MARILLION. Bei den perlenden Harmonien lassen sich zudem Ähnlichkeiten zu SUBSIGNAL ausmachen. Diese beiden Vergleiche sind freilich nur vage Referenzwerte, da SYLVAN im Laufe der Jahre ihren eigenen Stil verfeinert haben und mühelos aus dem Schatten jeglicher Kollegen hervortreten können. Je öfter ich Force Of Gravity anhöre, desto mehr sehe ich in dem Album ohnehin eine Art Soundtrack für einen bislang nicht gedrehten Film. Die härteren Ausbrüche zwischendurch sind verstörend, während über weite Strecken klare Melodien und leicht melancholische Stimmungen das Klangbild bestimmen. Abgerundet wird das Hörerlebnis durch zurückhaltende Streichereinsätze.

Der Veröffentlichungstermin Ende September war nicht besonders gut gewählt, da zu dieser Zeit auch TRANSATLANTIC, SHADOW GALLERY und eben SUBSIGNAL neue Alben auf den Markt brachten. Dabei können SYLVAN problemlos mit den genannten Werken mithalten. Das organische Zusammenspiel aller Akteure begeistert, zumal zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Pflichtaufgaben abgeleistet werden. Wenn sich eine Gesangsmelodie nach Weite sehnt, bekommt sie von der Gitarre weite Flächen. Wenn die Seele nach Halt sucht, bietet das gefühlvolle Klavierspiel Halt. Wenn aufgewühlte Gitarren tiefe Riffs einstreuen, hat das einen Grund. Die Suche nach dem Gesamtzusammenhang wird so zu einer spannenden und befriedigenden Herausforderung, die mehrere Hördurchgänge in Anspruch nimmt. Wer die große Instrumentenschlacht sucht, sollte lieber die Finger von Force Of Gravity lassen. Wer dagegen ausgereifte Stücke jenseits der gängigen Radioformate und Prog-Oldies sucht, sollte – sodenn nicht schon geschehen – umgehend Bekanntschaft mit SYLVAN schließen, zumal die Band erfolgreich das Vorurteil widerlegt, dass sich im Prog-Bereich keine guten, kraftvollen Sänger herumtreiben.

Veröffentlichungstermin: 25.09.2009

Spielzeit: 69:30 Min.

Line-Up:
Marco Glühmann: Gesang
Jan Petersen: Gitarre
Sebastian Harnack: Bass
Volker Söhl: Keyboard
Matthias Harder: Schlagzeug

Label: Sylvan Music

Homepage: http://www.sylvan.de

MySpace: http://www.myspace.com/sylvanhome

Tracklist:
1. Force Of Gravity
2. Follow Me
3. Isle In Me
4. Embedded
5. Turn Of The Tide
6. From The Silence
7. Midnight Sun
8. King Porn
9. Episode 609
10. Gold Of Rubbish
11. Vapour Trail

Jutze
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