SHAAMAN: Reason

SHAAMAN agieren ausgesprochen straight und haben ihre ANGRA-Vergangenheit endgültig hinter sich gelassen. Dabei wirkt die Musik an vielen Stellen leider wie Beiwerk zu was auch immer.

SHAAMAN sind stilistisch immer noch im Melodic Metal-Bereich anzusiedeln, agieren jedoch inzwischen ausgesprochen straight und haben ihre ANGRA-Vergangenheit endgültig hinter sich gelassen. So wartet der Opener Turn Away mit einem geradlinigen Rockbeat und Roy Z-lastigen Riffs auf. Sänger André Matos imitiert im Gegensatz zu früher nicht mehr Kate Bush, sondern gibt sich bemüht ungeschliffen. Wer seine glockenhelle Stimme kennt, wird ahnen, dass sie dafür nur bedingt geeignet ist. Der anschließende Titeltrack fällt einen Tick melodischer aus. Aber auch hier kommen SHAAMAN ohne große Umschweife zur Sache. Auf kitschige Hooklines wird fast gänzlich verzichtet. Bezeichnenderweise handelt es sich bei Song Nummer 3 um ein SISTERS OF MERCY-Cover. More wurde stilgerecht umgesetzt und fügt sich nahtlos ins Gesamtbild ein. Die Ballade Innocence ist mit ihrem unverbindlichem Klavierspiel danach der einzige Verweis auf frühere Werke. Bei Scarred Forever und Rough Stone treten dagegen wieder tiefe Gitarrenriffs in den Vordergrund. Doch trotz der klaren Songstrukturen bleiben die Stücke schwer greifbar. An vielen Stellen wirkt die Musik eher wie Beiwerk zu was auch immer. Und während der Midtempo-Track Iron Soul noch aufhorchen lässt, wirkt der einzige Uptempo-Song Trail Of Tears erschreckend unambitioniert.

Das Info – geschrieben von keinem Geringeren als Matos ehemaligem VIPER-Bandkollegen Felipe Machado – erzählt etwas von Weiterentwicklung, was sicher zutrifft. Allerdings schmerzt es mich, dass es ein Entwicklung weg von fesselndem Heavy Metal und hin zu einfachen, harmlosen Liedideen ist. Dieser Eindruck wird durch die perfekte technische Umsetzung nur noch verstärkt. Denn obwohl mit dynamischen Variationen nicht gegeizt wird, fehlt den Kompositionen das zwingende Moment. So besitzen Songs wie Turn Away oder Reason zwar durchaus einen gewissen Unterhaltungswert. Doch sie lösen zu keinem Zeitpunkt Begeisterung aus. Es überwiegt vielmehr ein Gefühl der Ratlosigkeit und Unentschlossenheit, das sich übrigens auch beim Betrachten des Covers einstellt.

Veröffentlichungstermin: 17.05.2005

Spielzeit: 49:20 Min.

Line-Up:
André Matos: Gesang, Keyboards

Hugo Mariutti: Gitarre

Luis Mariutti: Bass

Ricardo Confessori: Schlagzeug

Produziert von Sascha Paeth
Label: AFM Records

Homepage: http://www.shaaman.com.br/

Tracklist:
1. Turn Away

2. Reason

3. More

4. Innocence

5. Scarred Forever

6. In The Night

7. Rough Stone

8. Iron Soul

9. Trail Of Tears

10. Born To Be