POSSESSED STEEL: Aedris

POSSESSED STEEL nehmen uns auf “Aedris” auf eine Reise in ihre Fantasy-Welt, mal schroff mal melancholisch. Underground Metal für Eskapisten.

Auf die Kanadier POSSESSED STEEL bin ich durch einen Bekannten aufmerksam geworden, mit dem mich die Begeisterung für SMOULDER verbindet. Nach dem Hören eines Vorabsongs war ich erstmal nicht beeindruckt, doch als dann die Email mit dem Promo Download in mein Postfach flatterte, war ich doch neugierig und gab der Band eine weitere Chance. Und entdeckte damit auf den letzten Drücker noch einen Kandidaten für meine diesjährige Top Ten. “Aedris” ist das Debüt dieser seit 2010 bestehenden Band und zog mich dann doch sehr schnell in seinen Bann. POSSESSED STEEL erzählen mit diesem Album eine Geschichte, jene von Aedris, dem Sohn des sterbenden Königs, der sich seinem Schicksal stellen muss.

POSSESSED STEEL erzählen von “Aedris” und wir begleiten ihn auf seiner Reise

Als Hörer begleiten wir Aedris auf seiner Reise, betreten den “Forest Of The Dead”, treffen auf den eisigen “Frost Lich”, durchqueren die “Bogs Of Agathorn” und stellen uns dem “Skeleton King”. POSSESSED STEEL erzählen diese Geschichte mit dem klassischen Instrumentarium einer Heavy Metal-Band. Keine Orchester, keine Hörspiel-Passagen, lediglich ein paar Soundeffekte wie Schritte im Schnee und Hufgetrappel. Dazu das atmosphärische, eine kalte, winterliche Stimmung erzeugende Intro “The Dreamer”, welches uns schon in die richtige Stimmung bringt für eine gute Dreiviertelstunde puren Eskapismus, einen Ausflug in eine Fantasy-Welt, mal harsch und grimmig, mit Krächzen und Growls sowie Riffs, die auch auf einem Death Metal-Album nicht fehl am Platze wären, mal verträumt melancholisch wie im Akustik-Stück “Free At Last”, immer wieder mit tollen, ausdrucksstarken Gitarrenharmonien. Manchmal kommt mir die Band wie eine Fantasy- statt Science Fiction-Version der Iren TERMINUS vor, dann wieder sind auch SMOULDER nicht so weit weg. Auch die Pittsburgh Dungeon Crawler von LEGENDRY dürften Brüder im Geiste sein, vielleicht noch mehr als die letztgenannten Bands. Doch letztendlich haben POSSESSED STEEL ihren ganz eigenen Sound.

Mit einfachen Mitteln erschaffen POSSESSED STEEL perfekten Heavy Metal-Eskapismus

Die Songs auf “Aedris” sind nie zu simpel, springen einem nicht direkt ins Gesicht, die Wechsel zwischen stampfender Epik, frostiger Dunkelheit und einer gewissen Schwermut macht aber den Reiz der Stücke aus und wenn man sich darauf einlässt, dann nimmt einen dieses Album mit auf eine Reise. Wie schon erwähnt, Eskapismus, die Welt da draußen, die ja aktuell nun wirklich alles andere als okay ist, einfach mal vergessen. Passend zur eher düster melancholischen Geschichte und den teilweise vertrackten Songs ist auch die sehr basische Produktion mit dem sehr präsenten Bass und dem etwas kratzigen Gitarrensound. Lediglich die Kickdrum klingt etwas schlapp, was aber nur bei der Speed Metal-Attacke “Assault of the Twilight Keep” wirklich negativ auffällt. Talon Sullivan ist eher Geschichtenerzähler denn Heldentenor, setzt im Gespann mit Steve Mac aber tolle Akzente mit seinem Gitarrenspiel.

Mit ihrem Debüt ist POSSESSED STEEL ein Juwel des Underground-Metal gelungen

“Aedris” ist ein wirklich tolles, stimmiges Album geworden. Mit relativ einfachen, begrenzten Mitteln haben POSSESSED STEEL hier ein atmosphärisches, packendes Gesamtwerk erschaffen. Dieses mal schroffe, mal schöne Debüt gehört tatsächlich zu den späten, aber großen Highlights eines musikalisch starken Jahres. Mit ihrem Sound werden POSSESSED STEEL wohl nie wirklich über den Underground hinauswachsen, fühlen sich dort aber vermutlich auch wohl – mit Brüdern im Geiste, seien es nun SMOULDER, TERMINUS, SOLSTICE oder ATLANTEAN KODEX.

Veröffentlichungsdatum: 30.11.2020

Spielzeit: 46:01

Line Up:
Talon Sullivan – vocals, guitars
Steve Mac – guitars
Don Bachinski – bass
Richard Rizzo – drums

Label: Temple Of Mystery

Facebook: https://www.facebook.com/possessedsteelofficial
Bandcamp: https://possessedsteel.bandcamp.com

POSSESSED STEEL “Aedris” Tracklist:

01. The Dreamer 1:26
02. Spellblade 4:40
04. Forest of the Dead 1:26
03. Keeper of the Woods 6:38
05. Frost Lich 5:13
06. Assault of the Twilight Keep 4:31
07. Free at Last 3:07
08. Bogs of Agathorn 5:18
09. Skeleton King 7:20
10. Nobunaga 6:23