PASSÉISME: Eminence

PASSÉISME haben auf ihrem Debüt einen vor Spielfreude und Dreck berstenden Metal-Punk-Bastard aus lieblichen Melodien und angenehm temperiertem Wahnsinn geschaffen, der zwar noch nicht sein volles Potential ausschöpft, aber Großes verspricht.

Es ist ja nicht so, dass ich es nicht versuche: Immer wieder bemerke ich neue Bands, die ich mir aufgrund der Beschreibung, des Artworks oder auch nur wegen des bescheuerten Bandnamens unbedingt anhören muss – und häufig bin ich dann enttäuscht, denn Internet, erschwingliche Technik und Homerecording haben zwar dafür gesorgt, dass mittlerweile wirklich jede:r irgendwas veröffentlichen kann (und es meistens sogar gut aussieht), aber gut ist es dadurch ja noch lange nicht. Erst kürzlich wollte ich das Album der Franzosen von ASCÈTE besprechen, denn es sieht toll aus und sollte Black Metal, Punk und Folk vereinen – aber dann stellte es sich als größtenteils unhörbares Konvolut aus Songideen heraus, und sehr viel mehr wollte und konnte ich dann nicht schreiben.

Wie sieht es nun mit PASSÉISME aus, die zwar Russen sind, aber mit immerhin französischem Namen hier auf ihrem Debüt angetreten sind, eben jene Musikstile in Einklang zu bringen? Auch ihr Artwork kann sich sehen lassen, fühle ich mich bei seinem Anblick doch gleich in mittelalterliche Gefilde versetzt und erwarte fröhlich zum Tanze aufspielenden Minnesang – und siehe da, genau das bekomme ich auch! Gut, der Minnesang ist mehr ein pervers entrücktes DSBM-Gebrüll, aber ich bin pervers entrückt genug, um dadurch Frohsinn zu entwickeln. Die Instrumentierung, nun, sie ist klassischer Black Metal Punk, und die Melodien, sie entstammen dem holden Lande von anno dazumal, mithin: Ziel erreicht! Wie steht’s nun um die Qualität?

Ein schmissiger Soundtrack für die nächsten drei bis zehn Bier

Scheiß der Hund drauf, um die Qualität kann’s stehen wie es will: Wenn PASSÉISME relativ zu Beginn in “Chant for Harvest” die Gläser klirren lassen, bin ich direkt verliebt in diese irre Atmosphäre aus rauhbeiniger Kneipenschlägerei und will mehr! Das Mehr kann sich dann aber zum Glück auch gut hören lassen: Allein das Gebölke des Sängers ist, wie gesagt, eine reine Freude, und die Gitarren flirren und klirren mal folkig, mal tiefschwarz und mal punkig über einem großartig wilden Getrommele, dass ich aus dem Schwärmen kaum noch rauskommen möchte. Dass ich es doch kurz tun muss, liegt vor allem am schwachen Bass, der mir leider zu dünn daher kommt und so den überwiegend nachvollziehbar komponierten Liedern etwas den Druck nimmt.

Letztlich steht und fällt so ein Album aber ja mit den Songs selber. Und die sind schon richtig gut und sollten jede:r Liebhaber:in dreckig-melodischen Metal-Punks gut taugen für die nächsten drei bis zehn Bier – je nachdem, wie viel man in diesen kurzweiligen 36 Minuten so schafft. Spätestens, wenn in dem Highlight “Chant for Parade” D-Beat und Blastbeats das Kommando übernehmen, anschließend die Akustik-Gitarre hervorgeholt wird und es am Ende sogar noch ein wenig episch-doomig wird, ist auch für Abwechslung gesorgt; ja, PASSÉISME haben hier wahrlich einen vor Spielfreude und Dreck berstenden Bastard aus lieblichen Melodien und angenehm temperiertem Wahnsinn geschaffen, der zwar noch nicht sein volles Potential ausschöpft, aber Großes verspricht.

Spielzeit: 36:20 Min.

Veröffentlichung am 11.6.2021 auf Antiq

PASSÉISME “Eminence” Tracklist

1. Chant for Tribulation
2. Chant for Harvest (Audio bei YouTube)
3. Chant for Austerity
4. Chant for Insolence
5. Chant for Parade (Lyric-Video bei YouTube)
6. Chant for Splendour
7. Chant for Enlightenment