Auf dem Papier scheint die Sache klar: kürzere Songs, prominente Clean-Vocals – MØL möchten auf Kosten ihrer Identität ein breiteres Publikum ansprechen. Tatsächlich könnte „Dreamcrush“ aufgrund der zurückgeschraubten Härte so manchem alteingesessenen Fan vor den Kopf stoßen; gleichzeitig öffnen sich die Dänen ungezwungenen Soundscapes, die mal verträumt-entrückt, dann wieder ruppig und zerklüftet wirken.
Die DNA des Quintetts ist somit keineswegs verschwunden, obgleich atmosphärisch doch die Wärme dominiert. Das unterstreichen die flächigen Synthesizer im Opener „DREAM“, welche die Seele in ähnlicher Weise zu streicheln vermögen, wie es DEVIL SOLD HIS SOUL so oft tun. Dass der Blackgaze MØLs nun stärker auf Kontraste setzt, ist zudem kein Nachteil: Das Spannungsfeld, in dem „Små Forlis“ agiert, lebt von seinen Eruptionen.
MØL spielen auf „Dreamcrush“ ihre neue gewonnene Liebe zum Gegensätzlichen aus
Auch sonst spielt die Band ihre neue gewonnene Liebe zum Gegensätzlichen aus: Zurückgenommen und konsterniert beginnt „Hud“, bevor mit der einsetzenden Metal-Instrumentierung der Klargesang gegen harsche Screams eingetauscht wird. Die nachdenklichen Ansätze des Stücks funktionieren deshalb so gut, weil „Young“ unmittelbar zuvor eher die traditionellen Tugenden des Bandsounds ins Visier genommen hatte: extreme Vocals gepaart mit einer tragenden Leadgitarre.
In die andere Ecke verorten lassen sich indes „A Former Blueprint“ sowie die Lead-Single „Garland“, wo Frontmann Kim Song Sternkopf vor verträumt-verspannter Kulisse den Indie / Alternative Rock-Geist der frühen 2000er heraufbeschwört. Natürlich geht es auch hier nicht gänzlich ohne Biss, der selbst im weitgehend instrumental angelegten „Favour“ mit Akustik-Gitarren-Untermalung irgendwann zuschnappt.
Für ein Blackgaze-Werk ist „Dreamcrush“ ungewohnt geschmeidig intoniert
Einzig an Tempo fehlt es „Dreamcrush“ beizeiten, was das entschlossene „Mimic“ zum Ende hin nicht alleine auffangen kann. Dennoch bleibt der Track ein wichtiges Ausrufezeichen, um uns für das Finale neu einzunorden. Für „Crush“ wagen sich MØL zum einzigen Mal jenseits der Fünfminuten-Marke, indem sie rockige Harmonien gegen garstige Screams und packende Melodieführung ausspielen.
Sicherlich spricht die Band mit diesem Mix auch ein breiteres Publikum an, doch sollten wir uns allein davon keineswegs blenden lassen: Was auf dem Papier eindeutig scheint, bildet tatsächlich eine interessante Schnittmenge nicht unähnlich der Hernagehensweisen von LANTLÔS, doch gleichzeitig sanfter und bewusst geschmeidiger intoniert. „Dreamcrush“ ist dadurch glatter als seine Vorgänger, fühlt sich in seiner eigenen kleinen Nische aber wie zu Hause.
Veröffentlichungstermin: 30.01.2026
Spielzeit: 42:35
Line-Up
Kim Song Sternkopf – Vocals
Nicolai Busse Hansen – Gitarre
Frederik Lippert – Gitarre
Holger Rumph-Frost – Bass
Ken Lund Klejs – Schlagzeug
Produziert von Ken Lund Klejs und Nicolai Busse
Label: Nuclear Blast
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Bandcamp: https://moeldk.bandcamp.com/
MØL “Dreamcrush” Tracklist
- DREAM
- Små Forlis
- Young (Video bei YouTube)
- Hud (Video bei YouTube)
- Garland (Video bei YouTube)
- Favour
- A Former Blueprint
- ∞
- Dissonance
- Mimic
- CRUSH (Video bei YouTube)