LETZTE INSTANZ: Ins Licht

Mit "Ins Licht" ist dem Septett ein starkes Album mit überwiegend hochwertigen Kompositionen gelungen, das bei allen, die sich für eine Mischung aus Neuer Deutscher Härte, Folk und etwas Klassik begeistern können, Anklang finden dürfte. Alte Fans, für die besonders der abgefahrene Stilmix mit unvorhersehbaren Wechseln den Reiz der Band ausmachte, werden vermutlich enttäuscht sein, sollten dem Album aber trotzdem eine Chance geben.

Auf Ins Licht, ihrem fünften Studioalbum, präsentiert sich die LETZTE INSTANZ nicht nur in neuer Besetzung, sondern auch mit einem neuen Label und einem veränderten Sound: Von Produzent Siggi Bemm druckvoll, aber keineswegs steril produziert, klingt Ins Licht deutlich homogener als alle bisherigen Alben der Band. Anstelle wilder und unvorhersehbarer Stilwechsel setzt man nun auf Konstanz, und in dem Crossover aus harter, moderner Rockmusik, Folk und Klassik ist musikalisch wie textlich stets ein roter Faden zu erkennen. Sprechgesang oder Rap-Einlagen gehören der Vergangenheit an, Ins Licht zeigt die LETZTE INSTANZ von einer weniger experimentellen, dafür aber erwachseneren Seite, in der sehr kompakte Songs mit einer Länge von drei bis vier Minuten die Regel sind. Die Musik klingt immer ein wenig melancholisch, stets aber hat man den Eindruck, dass es noch ein Licht am Ende des Tunnels gibt. Dies zeigt sich auch in den Texten, welche perfekt mit der Musik harmonieren und immer wieder auf die Semantik von Licht zurückkommen.

Ist dies nun Rückschritt oder Weiterentwicklung? Aufgrund der größeren Bedeutung, welche den beiden Streichern zukommt, aber auch wegen der positiveren Stimmung in Text und Musik, ist Ins Licht auf jeden Fall näher an Alben wie Das Spiel oder Kalter Glanz als am letzten Studioalbum Götter auf Abruf. So kompakt und in sich geschlossen wie auf diesem Album aber klang die Band auf ihren alten Werken nicht.

Vielseitigkeit ist dem Album dennoch nicht fremd, wenn auch auf einer anderen Ebene. Von folkigen Ohrwürmern wie der Vorab-Single Sonne, geprägt durch einen interessanten Kontrast zwischen hellen Streicher-Klängen und der tiefen Stimme des neuen Sängers Holly, über harte Songs wie Krieg der Herzen mit seinem modernen Metal-Riffing bis zu Balladen wie Silber im Stein mit seinen tieftraurigen Streichern ist alles vorhanden – und doch ist stets eine klare Linie zu erkennen.

Besondere Aufmerksamkeit erfährt natürlich der neue Sänger Holly. Klang dieser live noch seinem Vorgänger recht ähnlich, so ist ein solcher Vergleich auf dem vorliegenden Album absolut fehl am Platz. Holly bewegt sich stimmlich irgendwo zwischen Eric Fish – Unerreicht erinnert auch musikalisch an dessen Kapelle – und einem tonsicheren Till Lindemann. Sein Gesang weist dabei aber durchaus einen eigenen Charakter auf.

Mit Ins Licht ist dem Septett ein starkes Album mit überwiegend hochwertigen Kompositionen gelungen, das bei allen, die sich für eine Mischung aus Neuer Deutscher Härte, Folk und etwas Klassik begeistern können, Anklang finden dürfte. Alte Fans, für die besonders der abgefahrene Stilmix mit unvorhersehbaren Wechseln den Reiz der Band ausmachte, werden vermutlich enttäuscht sein, sollten dem Album aber trotzdem eine Chance geben.

Veröffentlichungstermin: 03.02.2006

Spielzeit: 50:36 Min.

Line-Up:
Holly – Leadgesang

M. Stolz – Violine, Programmings

Benni Cellini – Cello

Oli – Gitarre

Michael Ende – Bass

Holly D. – Akustikgitarre, Gesang, Programmings

Specki T.D. – Drums

Produziert von Siggi Bemm und Bodo Kommnick
Label: Drakkar Records

Homepage: http://www.letzte-instanz.de

Tracklist:
1. Sonne

2. Unerreicht

3. Ohne dich

4. Nimm mich!

5. Krieg der Herzen

6. Womit die Welt begann

7. Sandmann

8. Tanz

9. Das Stimmlein

10. Mein Herz

11. Agonie

12. Traumschwere

13. Silber im Stein