KILLING JOKE: Hosannas From The Basement Of Hell

"Hosannas From The Basement Of Hell" ist ein beeindruckendes Album, das keinen Freund eigenständiger, düsterer Musik kalt lassen dürfte.

Ein Monolith von einem Album! Anders kann man den überwältigenden, einerseits enorm schroffen, andererseits auf bizarre Art und Weise ästhetischen Bastard kaum beschreiben, den KILLING JOKE in der Form ihres Lebens auf die Menschheit loslassen. Monotone Klangwüsten, über denen in sieben Minuten zwei, drei auf wenigen Tönen, im Vers von Implosion gar auf einem einzigen Akkord aufgebaute Riffgewitter mit unablässiger Urgewalt herniedergehen, bilden das Ausgangsszenario. Und doch bricht immer wieder ein zartes Melodiepflänzchen durch die harte Kruste aus polternden und schleppenden Rhythmen. Bestes Beispiel hierfür: Invocation, bei dem Jaz Coleman mit symphonischen Streichern zeigt, dass er als Orchesterchef ebensoviel drauf hat wie als Schreihals vor dem Herrn. Doch die wahren Stärken zeigen die Hosianna-Rufe aus dem Untergeschoss dann, wenn Jaz mit seinen Mannen unaufhaltsam nach vorne prescht wie bei Lightbringer, dessen Wüten nur durch ein kurzes Refrain-Break unterbrochen wird, um dann sofort wieder Fahrt aufzunehmen. Weiterhin wird deutlich: Jaz Coleman ist der einzige legitime Lemmy-Nachfolger. Klang schon auf Millennium und Democracy durch, dass seine Stimmbänder durch blutige Fetzen ersetzt wurden, so brüllt er sich mittlerweile selbst in den ruhigeren Momenten die Seele aus dem Leib. Die Eintönigkeit der Songs mündet ohne Ausnahme in hypnotischen Effekten, die einen fesseln, das Hirn immer wieder um das eine, geniale Riff kreisen lassen. KILLING JOKE setzen alles daran, eine bedrückende, apokalyptische Vision in das enge Korsett eines Albums zu zwängen, und es gelingt ihnen ohne Abstriche. Die Atmosphäre nimmt den Hörer gefangen, dreht ihn durch die Mangel und spuckt ihn abschließend patzig aus. Klar, Industrial-Elemente wie bei Majestic tragen zu einem Mindestmaß an Abwechslung bei, ordnen sich jedoch stets dem großen Ganzen unter. Hosannas From The Basement Of Hell ist ein beeindruckendes Statement, das keinen Freund eigenständiger, düsterer Musik kalt lassen dürfte. KILLING JOKE haben schon die verschiedensten Bands – von FEAR FACTORY über MORGOTH bis hin zu so ziemlich allen Industrial-Rockern – inspiriert. Mit dem aktuellen Album dürfte sich die Zahl der Jünger, deren kreatives Feuer durch KILLING JOKE entfacht wurde, noch einmal vervielfachen. Kniefall!

Veröffentlichungstermin: 03.03.2006

Spielzeit: 62:06 Min.
Label: Edel

Homepage: http://www.killingjoke.com

Tracklist:
This Tribal Antidote

Hosannas From The Basement Of Hell

Invocation

Implosion

Majestic

Walking With Gods

Lightbringer

Judas Goat

Gratitude