KEEP OF KALESSIN: Armada

KEEP OF KALESSIN liefern mit "Armada" nicht nur die Black Metal-Überraschung des Jahres, sondern auch ein Album, das den Hörer bereits beim ersten Durchlauf in heißer Liebe entflammen lässt.

2006 scheint ein ausgezeichneter Black Metal-Jahrgang zu werden. Erst beweisen DARKTHRONE mit The Cult is Alive, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Dann erfrischen LJÅ mit Til Avsky Til Livet. Und schließlich erscheint zeitgleich mit SATYRICONs Now, Diabolical die Armada von KEEP OF KALESSIN, welche die Band von den ersten Klängen an offiziell in die obere Liga des norwegischen Black Metals katapultiert. Endlich, möchte man sagen, denn das Quartett ist bereits seit 1994 in der norwegischen Black Metal-Szene unterwegs und hat bereits Werke wie die Reclaim-EP im Gepäck. Bereits die Vorab-Live-Demonstration am INFERNO FESTIVAL 2006 ließ das Publikum atemlos zurück, da die Norweger ihre Klasse auch auf die Bühne zu übertragen vermochten und nicht nur die Gitarrenarbeit von Obsidian C. für offene Münder sorgte, sondern auch das exquisite Drumming von Vyl.

Musikalisch bietet Armada alles, was man von qualitativ hochstehendem, epischen Black Metal aus Norwegen erwarten darf. Aggressive, unerbittliche Raserei und Melodiebögen, die gleichzeitig mitreißend und kalt sind. Dazu gesellen sich Kreischgesang und wunderschöne, cleane Vocals, leidenschaftliche Passagen mit akustischen Gitarren und Riffs mit Ohrwurmqualitäten. Die Arrangements der Songs sind allesamt schlüssig und KEEP OF KALESSIN lassen auch in über sieben Minuten langen Hymnen nichts anbrennen. Durchhänger leistet sich das norwegische Quartett keine. Anspieltipps zu benennen fällt dementsprechend schwer, denn jeder Song fasziniert immer wieder aufs Neue. Ein besonderes Schmankerl stellen sicherlich die akustischen Gitarrenpassagen in The black uncharted dar, aber auch die Hymne Crown of the kings oder das gelungene Many we are reißt mit. Letzten Endes bleibt es jedoch dabei – Armada beherbergt keinen einzigen Song, der enttäuscht.

Technisch kann man dem Quartett ebenfalls nichts vormachen: in Sachen Gitarrenarbeit präsentiert Obsidian C. (SATYRICON) souverän absolute schwarzmetallische Leckerbissen. Sucht man trotz der herrschenden Eigenständigkeit nach Parallelen, so könnte man KEEP OF KALESSIN attestieren, dass sie zeitweise an EMPEROR ohne Synths oder an SATYRICON erinnern. Die cleanen Gesangspassagen weisen eine leichte Tendenz zu BORKNAGAR auf, allerdings vermag es Thebon mit seiner Stimme, stets den Harmonien der Songs gerecht zu werden. Außerdem verfallen KEEP OF KALESSIN nie dem Pathos oder dem Kitsch und ihre Hymnen wirken stets ehrlich und trotz glücklicherweise fehlender Tasteninstrumente bombastisch. Dazu wurde der aktuelle Output der Norweger in ein Soundgewand gepackt, welches durch Authentizität, Transparenz und Druck überzeugt.

Der Text des Refrains aus dem Kracher The Wealth of darkness wird so bezeichnend für die Qualitäten von Armada: We will walk behind you, and at last, we will find you. Genauso verhält es sich mit dem epischen Schwarzmetall auf diesem Werk – zuerst steht die Faszination. Man genießt Armada, saugt es in sich auf. Dann widmet man sich anderen Dingen, doch stets stehen die Melodien von KEEP OF KALESSIN hinter einem, verfolgen ihren Hörer, bis man sich schließlich der Armada ergibt und sie sich wieder und immer wieder anhört. Eindeutig die Black Metal-Überraschung des Jahres! S-E-N-S-A-T-I-O-N-E-L-L!

Veröffentlichungstermin: 24.04.2006

Spielzeit: 49:54 Min.

Line-Up:
Obsidian C. (SATYRICON): Gitarre

Vyl: Drums

Wizziac: Bass

Thebon: Vocals

Label: Tabu Records

Homepage: http://www.keepofkalessin.no

Tracklist:
1. Surface

2. Crown of the Kings

3. The Black Uncharted

4. Vengeance Rising

5. Many are We

6. Winged Watcher

7. Into the Fire

8. Deluge

9. The Wealth of Darkness

10. Armada