JINJER: Macro

JINJER: Macro

Als uns Sängerin Tatiana nach dem typisch heftigen Auftakt in „Judgement (& Punishment)“ völlig unerwartet und mit viel Rhythmusgefühl zu Reggae-Klängen abholt, verstehen wir schnell, weshalb JINJER derzeit steil auf dem Weg nach oben sind. Wie schon in der Vergangenheit rühren die Ukrainer hier ihren Mix aus Metalcore, Djent und progressiven Einflüssen mit genrefremden Elementen an und bleiben auf diese Weise frisch und unberechenbar.

Ähnliches gelingt im teils auf Russisch vorgetragenen „Retrospection“, wo malmende Riffwände über eine wehmütige Strophe hereinbrechen und schließlich furiosen Blasts weichen müssen. Kurioserweise – und das ist das Überraschendste an „Macro“ – haben JINJER damit einen Teil ihres kreativen Potenzials bereits erschöpft.

JINJER haben ihre Richtung gefunden

Gerade in der zweiten Albumhälfte reiht sich eine Midtempo-Walze an die nächste. „Noah“ und „Pausing Death“ sind dabei durchaus gut geschrieben, können abseits ihres Grooves und der omnipräsenten Djent-Gitarren aber keine außergewöhnlichen Akzente mehr setzen.

„Typisch JINJER“ möchten wir über das Material sagen und zwar im Positiven wie im Negativen: Die Ukrainer haben nun offenbar ihre Richtung gefunden, verlieren aber auch etwas ihrer Wandelbarkeit – der kurze angejazzte Einschub in „Home Back“ ändert das nur bedingt. Immerhin beweist Frontfrau Tatiana Shmailyuk genau eine solche, indem sie wie gewohnt zwischen markerschütterndem Growling und fantastischem Gesang von zart bis kraftvoll tänzelt.

Das Quartett weiß, wohin es mit „Macro“ will

Dank des hochklassigen Songwritings, der kompetenten Umsetzung an den Instrumenten sowie nicht zuletzt der transparenten Produktion sitzt „Macro“ dennoch fest im Sattel. Als der atmosphärische Ambient-Track „lainnereP“, man lese den Titel rückwärts, zum Finale ganz offen die „Micro“-EP zitiert, schließt sich der Kreis und führt uns doch noch eine Erkenntnis vor Augen: Selbst wenn für uns die großen Überraschungen seltener werden, wissen JINJER ganz genau, wohin sie wollen – und „Macro“ ist für dieses Ziel sicherlich nicht der schlechteste Wegbereiter.

Veröffentlichungstermin: 25.10.2019

Spielzeit: 41:09

Line-Up:

Tatiana Shmailyuk – vocals
Roman Ibramkhalilov – guitars
Eugene Abdukhanov – bass
Vladislav Ulasevish – drums

Label: Napalm Records

Homepage: http://jinjer-metal.com/
Facebook: https://www.facebook.com/JinjerOfficial/

JINJER „Macro” Tracklist

1. On The Top (Video bei YouTube)
2. Pit Of Consciousness (Video bei YouTube)
3. Judgement (& Punishment) (Video bei YouTube)
4. Retrospection
5. Pausing Death
6. Noah
7. Home Back
8. The Prophecy
9. lainnereP

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.