IN FLAMES: Sounds Of A Playground Fading

IN FLAMES behalten auch auf Album Nr. 10 ihre Marschrichtung bei: weiter in Richtung Pop. Auf hohem Niveau, versteht sich.

Daran, dass IN FLAMES auch nur irgendwelche Schritte zurück zu ihrem Melodic-Death-Metal der Prä-Clayman-Ära machen würden, hat sicher kaum einer geglaubt. Spätestens aber nach der Vorab-Veröffentlichung der ersten Single Deliver Us dürfte der Weg von Sounds Of A Playground Fading klar sein: weiter in Richtung Pop. Damit kann man der Band natürlich  –  mal wieder – die ganze Palette von Ausverkauf und Mainstream-Anbiederung bis endgültige Abkehr vom Metal vorwerfen, doch letztlich ist es einfach der nächste logische Schritt der Band. Wer also die letzten Alben sowieso schon immer schlecht fand, wird sich auch Sounds Of A Playground Fading bedenkenlos schlechthören können. Wer allerdings ohne Scheuklappen an das Album herangeht, wird durchaus seinen Spaß haben.

Nach dem Weggang von Gitarrist, Gründungsmitglied und Songwriter Jesper Strömblad blieb es nun an Björn Gelotte, dessen Arbeit als neuer Songwriter erfolgreich fortzusetzen. Sounds Of A Playground Fading schließt direkt an A Sense Of Purpose an, klingt aber, abgesehen von der poppigeren Ausrichtung, insgesamt ein ganzes Stück düsterer und auch komplexer als sein Vorgänger. Der eröffnende Titeltrack ist aber zunächst mal ein absolut typischer IN FLAMES-Track: kurzes Akustik-Intro, prägnantes Riffing, hitverdächtiger Refrain. Das darauf folgende Deliver Us dürften wie gesagt einige schon kennen, es ist mit seinem simplen Riffing und dem eingängigen Chorus die geborene Single – mehr aber auch nicht. Mit Fear Is The Weakness und Darker Times gibt es zwei weitere, starke Songs, und mit The Puzzle wird der Härtegrad auch mal stark angezogen.

Deutlich experimenteller wird es da schon mit den beiden recht düsteren Songs All For Me und Where The Dead Ships Dwell. Während Ersterer einige Durchläufe braucht, dann aber zu einem schönen Groover wird, leidet der zweitgenannte Song nur etwas an seinem leider leicht nervigen Refrain. Das ausgefallenste Stück auf Sounds Of A Playground Fading ist leider aber auch das schwächste geworden. Der Ansatz zu The Attic ist ja ganz interessant – das Stück besteht lediglich aus einen pulsierenden Beat, ein bisschen Gitarrenmelodie und dem Flüstergesang von Anders Fridén – doch leider ist das Lied viel zu spannungsarm aufgebaut, und Anders` Stimme fehlt es für solche Songs einfach zu stark an Gefühl. Doch mit dem nichtssagenden Ropes gesellt sich dazu noch ein zweiter Langweiler und die (für meinen Geschmack viel zu kitschigen) Streicher in A New Dawn sind ebenfalls Geschmacksache.

Scheiden werden sich die Geister auch am abschließenden Liberation, dem poppigsten IN FLAMES-Track aller Zeiten, der letztlich eigentlich ein radiotauglicher Rock-Song ist. Wird so sicher nicht jedem schmecken, ist rein objektiv jedoch ein klasse Song.

Letztlich ist Sounds Of A Playground Fading also ein gutes IN FLAMES-Album, mit dem die Göteborger mal wieder beweisen, dass ihr Songwriting immer noch besser als das von 95 Prozent ihrer Nacheiferer ist. Auch wenn das Niveau der beiden bärenstarken Vorgänger Come Clarity und vor allem A Sense Of Pupose letztlich nicht erreicht wird, müssen alle Fans hier natürlich trotzdem zuschlagen.

Veröffentlichungstermin: 17.06.11

Spielzeit: 53:44 Min.

Line-Up:
Anders Fridén – Vocals
Björn Gelotte – Guitars
Niclas Engelin – Guitars
Peter Iwers – Bass
Daniel Svensson – Drums

Produziert von Roberto Laghi
Label: Century Media Records

Homepage: http://inflames.com/
MySpace: http://www.myspace.com/inflames

Tracklist:
01. Sounds Of A Playground Fading
02. Deliver Us
03. All For Me
04. The Puzzle
05. Fear Is The Weakness
06. Where The Dead Ships Dwell
07. The Attic
08. Darker Times
09. Ropes
10. Enter Tragedy
11. Jester’s Door
12. A New Dawn
13. Liberation