HELLOWEEN: Helloween

Das am meisten herbeigesehnte Album des Jahres kommt für viele Metalheads von HELLOWEEN, schließlich sind die beiden Kürbis-Veteranan Hansen und Kiske wieder an Bord. Und tatsächlich schafft die Band es, den hohen Erwartungen gerecht zu werden. “Helloween” ist ein von vorne bis hinten hervorragendes Album.

Kaum ein Metal-Album wird dieses Jahr wohl soviel Aufmerksamkeit bekommen, wie das selbstbetitelte, insgesamt siebzehnte Album der Hamburger Urgesteine HELLOWEEN. Kein Wunder, ist es doch das erste Album nach der erfolgreichen “Pumpkins United”-Tour, das erste Album seit 28 beziehungsweise 33 Jahren, auf welchem Michael Kiske und Kai Hansen wieder zu hören sind. Da stelle sogar ich als nicht unbedingt Die-Hard-HELLOWEEN-Fan mal gespannt die Ohren auf. Mein Favorit der Hamburger ist immer noch das 1985er Debütalbum “Walls Of Jericho”, das einzige, auf dem Kai Hansen für den Leadgesang verantwortlich war. Trotzdem konnte ich bisher (fast) jeder Phase der Kürbisse etwas abgewinnen. Sowohl “7 Sinners” als auch “Straight Out Of Hell” fand ich beide sehr stark.

Schon das grandiose Artwork deutet es an – “Helloween” ist mehr als nur ein weiteres Album der Kürbisköppe

Das letzte Album “My God Given Right” habe ich aufgrund des furchtbaren Covers links liegen lassen. Ganz ehrlich, wie kann eine Band mit einem Status wie HELLOWEEN so ein lieblos am Computer zusammengeschustert Ding durchwinken? Da “Helloween” ja nun nicht irgendein weiteres HELLOWEEN-Album werden sollte, sondern das große Comeback der verlorenen Söhne, hat man dieses Mal Eliran Kantor für das Cover verpflichtet und der Mann hat wirklich ganze Arbeit geleistet und ein großartiges, unglaublich detailverliebtes Gemälde entworfen. Nur demjenigen, der bei der CD-Version das Bandlogo mitten über den Engel mit der Trompete geklatscht hat, dem sollen doch bitte beim Händewaschen die Ärmel runter rutschen.

Nach einem kurzen Wink in Richtung SLAYER lassen HELLOWEEN die feuchten Träume aller Altfans wahr werden

Viel wichtiger als das äußerliche Drumherum ist aber natürlich die Musik. Und da klingt “Helloween” sofort vertraut. Die ersten Takte des Openers “Out For The Glory” klingen unverkennbar nach…. SLAYER! Das Intro klingt tatsächlich wie “South Of Heaven” mit Zuckerguss. Aber keine Sorge, nach einer Minute starten HELLOWEEN mit einem typischen Melodic Speed-Kracher durch. Kiskes Gesangslinien dürften allen alten Fans sofort ein wohliges Gefühl in der Magengegend verschaffen und Kai Hansen baut zwischendurch auch ein paar Krächzer ein. Das Gitarrentrio Weikath/Gerstner/Hansen lässt sich natürlich auch nicht lumpen und zaubert mir mit den typischen HELLOWEEN-Melodien ein Lächeln aufs Gesicht. Kiskes glockenklarer Gesang ist auch für mich als “Walls Of Jericho”-Purist einfach nur stark. Hach wie schön, da passt einfach alles. So kann das gerne weitergehen.

Viele Köche verderben den Brei? Nicht bei HELLOWEEN!

Und das tut es im Großen und Ganzen auch. “Fear Of The Fallen” ist ein weiterer Melodic Speed Metal-Kracher, bei dem sich Deris und Kiske den Gesang teilen. Geschrieben hat das Stück ersterer, was alleine schon zeigt, wie wichtig Deris für HELLOWEEN ist und war, nicht nur als Sänger sondern eben auch als Songwriter. Da haben HELLOWEEN aber eh kein Problem, denn außer Drummer Daniel Loeble und Michael Kiske hat jedes Bandmitglied mindestens einen Song zu “Helloween” beigetragen. Und trotzdem klingt das Album wie aus einem Guss. Lediglich “Angels” aus der Feder von Sascha Gerstner hinterlässt bei mir keinen bleibenden Eindruck und geht als Schwachpunkt des Albums durch. Nicht wirklich schlecht, gegen Großartigkeiten wie das krachende “Mass Pollution” oder “Robot King” aber eher ein laues Lüftchen. Ein verzichtbarer Vierminüter bei über einer Stunde Spielzeit ist aber ja nun keine schlechte Ausbeute. Den Abschluss bildet “Skyfall”, ein zwölfminütiges Epos aus der Feder von Kai Hansen, welches auch als erste Single veröffentlicht wurde. Was für ein Song! Speed Metal-Abfahrten, epische Passagen, hier ist einfach alles enthalten, was HELLOWEEN ausmacht.

“Helloween” ist ein überragendes Album, das stärkste der Band seit langer Zeit

Es sind vor allem die längeren Stücke, welche zu den Highlights des Albums zählen. Die drei längsten Stücke “Out For The Glory”, “Robot King” und “Skyfall” sind auch meine persönlichen Favoriten. Wenn die Band richtig Raum hat, sowohl für die drei Sänger, aber natürlich auch für die Gitarristen, wird “Helloween” stellenweise wirklich magisch! Ich will jetzt gar nicht die letzten Alben der Band kleinreden, denn die waren ohne Frage stark. Aber “Helloween” ist einfach noch mal die Schippe drauf. Die Rückkehr von Hansen und Kiske hat der Band ganz offensichtlich noch einmal einen Schub verpasst, denn dieses Album wird dem ganzen Rummel meiner Meinung nach voll und ganz gerecht. Der Einstieg auf Platz 1 der deutschen Charts ist mehr als nur verdient. Herzlichen Glückwunsch HELLOWEEN!

Veröffentlichungsdatum: 18.06.2021

Spielzeit: 65:10

Line Up:
Michael Kiske – vocals
Andi Deris – vocals
Kai Hansen – guitars, vocals
Michael Weikath – guitars
Sascha Gerstner – guitars
Markus Grosskopf – bass
Daniel Loeble – drums

Produziert von: Charlie Bauerfeind & Dennis Ward

Label: Nuclear Blast

Bandhomepage: https://helloween.org/
Facebook: https://www.facebook.com/helloweenofficial

HELLOWEEN “Helloween” Tracklist

01. Out For The Glory
02. Fear Of The Fallen (Lyrics-Video bei YouTube)
03 . Best Time
04. Mass Pollution
05. Angels
06. Rise Without Chains
07. Indestructible
08. Robot King
09. Cyanide
10. Down In The Dumps
11. Orbit
12. Skyfall (Video bei YouTube)

Bonustracks Digibook & Vinyl:
01. Golden Times 4:48
02. Save My Hide 3:11

Bonustracks Earbook
01. Golden Times 4:48
02. Save My Hide 3:11
03. Pumpkins United 6:20