HELL STRIKE: Hellstrike

HELL STRIKE liefern mit ihrer Debüt-EP ein sympathisch chaotisches, unbehauenes Stück Death-Black-Metal ab, das den alten Mid-90er-Sound von Bands wie NECROPHOBIC wieder aufleben lässt. Und -bei aller Räude- sehr kompetent gespielt und produziert ist. Schön heftig, eigenwillig: und manchmal, trotz aller Blastbeat-Prügeleien, geradezu erhaben.

Death Metal erlebt aktuell seine gefühlt 20. Renaissance: nicht von ungefähr. Denn, das wird man ja wohl noch sagen dürfen: so vielseitig und für verschiedene Einflüsse offen ist aktuell kaum ein Genre. Vom primitiven Geknüppel über Weltmusik-Referenzen (GOJIRA!) bis hin zu hochkomplexen, virtuosen Klängen (Jazz für Extremisten! John Zorn sei mein Zeuge!) ist da alles möglich. Selbst Pop-Sternchen wie DEMI LOVATO und ED SHEERAN haben sich schon als Fan der Musik zu erkennen gegeben. Ich wollte es nur erwähnt haben, falls SHEERAN – wie angekündigt – vielleicht doch noch ein Death-Metal-Album aufnimmt (das natürlich auch bei Vampster besprochen werden würde).

Damit wären wir auch schon beim Gegenstand dieser Rezension: HELL STRIKE sind für mich eine der positiven Überraschungen in der laufenden Death-Metal-Saison. Ein vollwertiges Album ist das hier noch nicht. Genau 23 Minuten und 20 Sekunden dauert die Debüt-EP, die nun via Chaos Records um die Gunst der blutenden Ohren buhlt. Die kurze Spielzeit macht aber überhaupt nichts, denn in den sechs dargebotenen Songs passiert so viel, dass man allerlei entdecken kann. Ja kommt: SLAYERS Klassiker „Reign in Blood“ ist gar nicht sooo viel länger. Es ist eben nicht immer die Länge, die entscheidet: Jeder Australier weiß, dass die kleinen und unscheinbarsten Giftspinnen, kaum fingernagelgroß, die giftigsten und tödlichsten sind.

Rau, chaotisch, eigenwillig: Bei HELL STRIKE klingt Death Metal wieder bedrohlich!

Das Schöne an diesem Debüt ist, dass es reichlich ungehobelt daher kommt. Hier darf Death Metal endlich mal wieder schön rau und räudig klingen. Aber doch auch sehr kompetent gespielt, mit zahlreichen Tempi-Wechseln versehen. Ein Straßenköter, der sich -trotz aller Biss- und Kratzwunden- beim zweiten Blick als anmutiges Tier entpuppt. Wenn er dich nicht anfällt und mit Tollwut infiziert.

Denn genauso klingt die Musik des Quartetts: ein wenig räudig, tollwütig. Hektisch, angriffslustig. Ihren Death Metal bietet die Band mit ordentlicher Black-Metal-Breitseite dar: aber nicht unbedingt so, wie man es erwartet. Denn das Fundament ist eben dennoch sehr tief im Death Metal der 90er verwurzelt. Eben dieses hektische, sich stets leicht überschlagende Riffing, die Tobanfälle und keifernden Ausbrüche, die gerade noch eine Songstruktur erkennen lassen.

Eigentlich ist die Band als Session-Projekt entstanden. Bei einer Metal-Show haben sich die beteiligten Musiker kennen gelernt: und sich entschlossen, mal ein bisschen zu jammen, zu schauen, was dabei herauskommt. Zuvor waren die Beteiligten bereits bei anderen Bands aktiv. Das Label versucht nun, die Band als All-Star-Projekt zu verkaufen: Was natürlich Quatsch ist, denn zumindest mir sagen die genannten Acts so gut wie gar nichts. Was nichts heißen will, denn ich bin nicht unbedingt der Death-Metal-Experte. BLOODSOAKED? Ex-ASCENDED DEAD? SOL NEGRO? GHOULGOTH? Ja kommt: Man darf mir gern widersprechen, aber eine Supergroup sieht anders aus.

Das macht aber überhaupt nichts. Denn -wie gesagt- was die Nicht-ganz-so-Supergroup hier abliefert, ist amtlich und gut. Im Pressetext wird extra hervorgehoben, dass man nicht viel Zeit zum gemeinsamen Proben hatte. Die Musiker sind auch weit versprengt: Seattle, Portland, Mexiko. Da liegen einige hundert Kilometer dazwischen. Man hört es dem Album nicht an. Der Death Metal tönt selbstbewusst, wie eine eingespielte Einheit.

Schon der Opener „Cadaveric Requiem“ prescht im Angriffsmodus nach vorne. Ordentlich Tempo, Blastbeats, dissonante und zugleich majestätische Gitarrenwände. Der Gesang klingt erst einmal gewöhnungsbedürftig, passt aber ganz wunderbar zur Musik. Eine Mischung aus bösem Knurren und Keifern, ordentlich verzerrt, pechschwarz. Und auch der Sound ist für so ein kleines Label verdammt solide und druckvoll. Man höre sich den Bass-Sound an, der sich böse knarzend und markant aus der Lärmwand schält. Und das Schlagzeug, das organisch und kompetent wirbelt, drischt und gekonnt das Tempo variiert. Einen giftigen Wutausbruch wie das hart galoppierende „Re-Abortion“, Track Numero vier, muss man eben auch erstmal hinbekommen.

Sympathisch unbehauen

Das alles klingt schön boshaft, garstig. Und ja: Es ist gerade das leicht Ungehobelte und Unbehauene, das mich für diese Band einnimmt. In manch anderer Rezension wurde bemängelt, dass die Songs zu wenig Struktur hätten, sich zu wenig einprägen. Ganz ehrlich: Ich vermisse hier nichts. Es können doch nicht immer nur die Bierhorn-Mitgröl-Hymnen von AMON AMARTH sein, die auf große Hallen zugeschnitten sind. Das hier ist vielleicht weit näher an der ursprünglichen Idee des Death Metal dran. Thema All-Star-Projekt: Der Sound ist sympathisch undergroundig. Vermisst jemand bei AUTOPSY die Melodien? Death-Black für Höhlenmenschen: Ja kommt, da zähle ich mich gern dazu.

Eben das bietet die Band hier über sechs Songs hinweg sehr amtlich: Musik für Höhlenmenschen. Wenn auch Höhlenmenschen mit Diplom, denn es gibt Raffinessen. Wer Referenzen braucht: der frühe 90er Black-Death von GROTESQUE wird als Vergleich aufgerufen, die -etwas später- ganz ähnlich musizierenden NECROPHOBIC. Schweden-Death, der nicht ganz so melodieverliebt war wie die Göteborger Melo-Death-ABBAs der Sorte IN FLAMES und DARK TRANQUILLITY. Aber eben: doch schon auch melodisch.

Und so gibt es auch bei HELL STRIKE durchaus Momente, die das Ohr schmeicheln. Blast Beat wechselt sich ab mit Midtempo-Passagen und gar doomig-verschleppten Passagen der frühen PARADISE LOST (siehe Track Numero drei: „First Born of Fire“). Die Gitarren dröhnen chaotisch und disharmonisch, sie knarzen und quietschen: und doch schälen sich dann majestätische Momente voller Schönheit heraus. Eine Wall of Sound wie im instrumentalen Abschluss-Track „Transylvanian Funeral“, der mit einfachen Mitteln (und fast progressiven, OPETHSCHEN Breaks) eine erhabene Atmosphäre zu kreieren weiß. Leute: Ich bin Death Metal genug, um das hier -trotz aller vermeintlichen Unzulänglichkeiten- schon sehr geil zu finden.

HELL STRIKE is:
Charlie Koryn: drums / background vocals
Johnatan Quintana: lead guitar / background vocals
José Luis Rodríguez: lead guitar / vocals
Jon Reiner: bass / vocals

HELL STRIKE bei Bandcamp:
https://chaos-records.bandcamp.com/album/hellstrike

HELL STRIKE “Hellstrike” Tracklist

1. Cadaveric Requiem (Audio bei Bandcamp)
2. Chains of Frost
3. First Born of Fire
4. Morbid Abnormality of the Ages (Audio bei Bandcamp)
5. Re-Abortion
6. Transylvanian Funeral