NOCTURNUS: The Key

nocturnus the key

1990 war ich noch Stammhörer von HR3 Hard n´ Heavy, das hier im Stuttgarter Raum in ziemlich bescheidener Qualität zu empfangen war. Damals spielten sie einen Song von einer Band namens NOCTURNUS. Und dieser Song („Neolithic“) hatte eine nicht unbedeutende Auswirkung auf Klein-Andrea. „The Key“ gehört zu den Alben, die mich seit damals begleiten und das, obwohl ich nahezu jeden Ton kenne, nichts von seiner Faszination verloren hat.

„The Key“ war seinerzeit revolutionär, kombinierte die Ami-Band doch Death Metal mit Keyboards. Natürlich war das auch damals ziemlich uncool – zumindest für diejenigen, die das Album noch nicht gehört hatten. NOCTURNUS erschaffen mit ihrem Debüt, das bei Earache erschienen ist, einen Kosmos aus Lärm, Geprügel, Melodien, heiseren Growls, Breaks, wirr aneinandergereihten Instrumentalparts und Intros ( NOCTURNUS–Songs sind neben „Fractured Millenium“ von HYPOCRISY die wenigen Songs, die ein Intro haben, das nicht nur vor einem Song steht, sondern auch eine Existenzberechtigung hat).

Die Gewissheit, dass es eine andere Welt gibt

Für mich ist es noch heute die Atmosphäre dieses Albums extrem faszinierend. Trotz des technischen Anspruchs gelingt es NOCTURNUS, eine Dichte zu erzeugen, die ihresgleichen sucht. In den wirren der nächtlichen Soundwelt lauern Killer-Riffs, hypnotisierende Melodien, eine kalte, furchtbare Härte und die Gewissheit, dass es eine andere Welt gibt. Eine Welt, in der Gut und Böse aufgehoben sind, eine Welt in der das pure Chaos herrscht, eine Welt die eine tödliche Anziehungskraft besitzt. Tempiwechsel, die völlig unvermittelt über Dich hereinbrechen, lassen Dich ganz klein und verstört zurück. Angesichts der technischen Fähigkeiten der Musiker und ihrem Talent, diese Fähigkeiten in Songs umzusetzen, die kein Zur-Schau-Stellen der Spieltechnik, sondern durchdachte, Progressiv-Death-Kunstwerke sind, spürt man die Einsamkeit des Einzelnen im weiten Kosmos.

„The Key“ war und ist revolutionär

Songs herauszuheben ist bei diesem Album völlig unmöglich – vielleicht ist „Neolithic“ der Höhepunkt des Albums, doch auch alle anderen Songs sind unglaublich. „Destroying the Manger“ macht mir heute noch Angst, die Sounds des Intros klingen, als ob sich mehrere Särge knarrend öffnen und der folgende Song mit seinen sphärischen Keyboards ist einfach bedrohlicher als vieles, was heute als bösartig und „evil“ vermarktet wird.

Übrigens, das inzwischen hellgraue T-Shirt zum Album besitze ich noch immer… und manchmal, zu besonderen Anlässen ziehe ich es noch an – für den täglichen Gebrauch ist es inzwischen viel zu schade.

NOCTURNUS „The Key“ Tracklist

Lake Of Fire
Standing In Blood
Visions From Beyond The Grave
Neolithic
Undead Journey (CD-Bonus Track – sowas gab es damals noch)
Bc/Ad
Andromeda Strain
Droid Sector
Destroying The Manger
Empire Of the Sands

Line-Up:
Mike Davis – Gitarre
Sean McNenney – Vocals
Jeff Estes – Bass
Louis Panzer – Keyboards
Mike Browning – Schlagzeug, Vocals

VÖ: Oktober 1990

Label: Earache

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...