DREAM THEATER: Images & Words

DREAM THEATER: Images & Words

Schaut man in die Diskographie von DREAM THEATER, findet man wirklich viele hervorragende Alben und fast jedes wäre wohl eine Besprechung im Rahmen der „Hell Of Fame“ wert. Es gibt jedoch ein Album, das selbst in der Diskographie von DREAM THEATER eine Besonderheit darstellt. Es handelt sich natürlich um „Images & Words“, das zweite Werk der New Yorker Progressive Rocker.

1992 veröffentlicht, begegnete mir diese Scheibe allerdings erst Jahre später. Mein Gitarrenlehrer war es, der mir „Images & Words“ nach dem Unterricht einfach mal mitgab. Natürlich stopfte ich das Album sofort in meinen Discman (good old times!) und was ich da hörte, war für mich eine musikalische Horizonterweiterung. Sah ich doch damals noch Bands wie METALLICA als State Of The Art an, so wurde mir durch „Images & Words“ eine völlig neue Dimension eröffnet. Es war meine erste Berührung mit dem progressiven Rock, der mich bis heute nicht loslässt.

Was dieses Album auszeichnet, ist nicht John Petrucci`s überragendes, farbenfrohes Shredding, nicht John Myung`s atemberaubende, pulsierende Basslinien, nicht Kevin Moore`s unendliche Kreativität an den Tasten, nicht Mike Portnoy`s genial tightes Drumming, nicht James Labrie`s ergreifende Gesangesleistung. Es ist die Tatsache, dass dies alles zusammen in unsterbliche Songs umgesetzt wurde. Wenn ich mir diese Scheibe anhöre, während ich diese Zeilen schreibe, wirkt das alles auf mich noch immer zeitgemäß. Natürlich ist das Monumentalwerk „Metropolis Part I“ zu erwähnen, mit John Myung`s großartigem Basssolo als Kern, das zu einem Klassiker wurde. Welcher DREAM THEATER Fan kennt nicht das Schauspiel, wenn der introvertierte Asiat seinen Moment auf den Gigs hat und nach vorne an den Bühnenrand geht, um zu seinem getappten Basssolo auf seinem 6-saitigen Bass anzusetzen. Hier, Joey DeMaio, kannst du lernen, was virtuoses Bassspiel wirklich bedeutet. Jedes mal sind diese begeisterten Aufschreie in den Konzertsälen zu hören, wenn das Intro ertönt und John Petrucci die ersten Chords mit Delay und Hall in seine Gitarre schrubbt (auch wenn ihm dieser Ausdruck überhaupt nicht gerecht wird).

Ein weiterer legendärer Track ist „Pull Me Under“, der sogar kommerziell recht erfolgreich war. Für DREAM THEATER Fans ist das verkürzte Video allerdings eher eine Belustigung als eine Bereicherung. Man kommt sich da doch recht schnell wie im falschen Film vor.

Mir persönlich bedeutet „Take The Time“ sehr viel. So war doch das rhythmische Interlude etwa in der Mitte des Songs die erste Passage, die ich von DREAM THEATER nachspielen wollte und konnte. Seit ich dieses Interlude zum ersten Mal hörte, geht es mir nicht mehr aus dem Kopf (da – da – dada da* – daaa…). Genial ist auch der funkige Beginn, bei dem John Myung auf einmal slappt und James Labrie irgendwie nach Michael Jackson klingt.

Es ist dieses Regenbogenartige, was diese Scheibe so unglaublich macht. Man befindet sich in der Mitte eines kreativen Regenbogens, der mit seinen viele Farben, die er immer wieder anders zusammenmixt, einen kreativen Strom auf einen loslässt und direkt ins Herz trifft. Man schaue sich nur John Petrucci`s Gitarre zu dieser Zeit an. Die bunte „Picasso Lackierung“ ist wie eine bildliche Darstellung von „Images & Words“. Diese Scheibe ist so vielseitig und detailreich, dass man die Komponenten nur annähernd beschreiben kann. Mal stechen mehr John Petrucci`s rhythmische Riffs heraus, mal mehr seine Soli, mal mehr sein grandioses Gefühl für Melodien wie in „Another Day“ – Ton für Ton scheint er das Optimum zu finden. John Myung spielt mal ultra schnell und komplex, erzeugt einen pulsierenden Sound. An anderen Punkten ist er dann auf einmal ganz songdienlich mit einprägsamen Hooks. In einem Song, der leider im Nachhinein viel zu wenig Beachtung fand, findet man alles dies. „Learning To Live“ ist ein kreatives Meisterwerk, bei dem man zwischenzeitlich das Gefühl hat, dass sich die Musiker von allem Blockierenden lösen und sich in völliger Freiheit ihren Ideen hingeben. John Petrucci`s Akustik Gitarren Interlude zeigt für mich, dass er wohl einer der vielseitigsten Gitarristen auf diesem Planeten ist und nahezu jedes Thema in Perfektion umsetzen kann. Schlussendlich will ich hier noch eine Lanze für Kevin Moore brechen. „Wait For Sleep“ ist ein Song, der niemanden kalt lässt. Es hat wohl kein DREAM THEATER Keyboarder nach ihm geschafft, der Band so seinen Stempel aufzudrücken. Irgendwie ist „Images & Words“ wie ein großes, buntes Lehrbuch für alle Instrumente und trotzdem eben nicht nur dieses. Zusammen erschaffen die Musiker hier etwas Großes. Die Dynamik und Leichtigkeit ist definitiv bei keiner anderen Band so zu hören wie bei DREAM THEATER. Man hat ständig das Gefühl, dass jeden Augenblick etwas völlig Verrücktes und Anderes kommen könnte und das Gefühl täuscht nicht. Es ist dann das Können und die Kreativität, die alles so wunderbar zusammenfügt und als zeitloses Ganzes in die Geschichte eingehen lässt.

„Images & Words“ ist kein starkes progressives Album – „Images & Words“ ist das progressive Album. Virtuosität und Gefühl machen dies zu einem der einflussreichsten Alben überhaupt und DREAM THEATER zu der Band, die sie heute sind. Irgendwie ist „Images & Words“ auch unerreicht. Unerreicht als Beispiel für Musiker zum Aufschauen, unerreicht als Pool kreativer Ideen und Musikalität. Das Schöne ist, dass es nicht bei diesem einen überragenden Album blieb. Seit Jahren setzt die Band Meilenstein für Meilenstein und es ist – glücklicherweise – kein Ende in Sicht.

Veröffentlichungstermin: 1992

Spielzeit: 57:07 Min.

Line-Up:
Mike Portony – Drums

James LaBrie – Vocals

John Petrucci – Guitars

John Myung – Bass

Kevin Moore – Keyboards

Produziert von David Prater
Label: Atco Records

Homepage: http://www.dreamtheater.net

Tracklist:
1. Pull Me Under (8:11)

2. Another Day (4:22)

3. Take The Time (8:21)

4. Surrounded (5:26)

5. Metropolis-Part I (9:30)

6. Under A Glass Moon (7:02)

7. Wait For Sleep (2:31)
8. Learning To Live (11:30)