HEART OF A COWARD: The Disconnect

HEART OF A COWARD: The Disconnect

Der Erde geht es nicht gut. Während wir uns Tag für Tag dem Punkt nähern, ab dem es kein Zurück mehr gibt, verbringen Teile der Gesellschaft ihre Zeit wie bessessen damit, sich gegenseitig die Schuld an der menschgemachten Krise zu geben. Ob Klima, Wirtschaft oder Brexit, wir haben alle irgendwie verlernt, zuzuhören. Inmitten der unendlichen Weiten des Internets sind wir doch gefangen in unserem selbst geschaffenen Kosmos, eine Art gefilterte Realität, gefüttert durch soziale Netzwerke und Algorithmen. Für diesen Prozess der Entfremdung finden HEART OF A COWARD eine kurze wie prägnante Bezeichnung: „The Disconnect“.

Es ist fraglos ein politisches Album, in das die Engländer ihren Frust und ihre Wut kanalisieren. Die erste Single „Collapse“ ist daher in doppelter Hinsicht repräsentativ: Nicht nur für die musikalische Orientierung HEART OF A COWARDs mit Neu-Frontmann Kaan Tasan, sondern auch für die lyrische Marschrichtung: Von lethargischen Massen, fehlender Reflexionsfähigkeit und Klimazerstörung erzählt Tasan und macht sogleich den Schuldigen aus: „Ourselves are to blame“, wir tragen alle die Verantwortung.

HEART OF A COWARD zeigen sich enorm gereift

Doch statt Resignation folgt „The Disconnect” ein Ruf nach Reformation, wenngleich „Drown In Ruin“ mit tiefgestimmten Gitarren und ballerndem Moshpart eher konservativ beginnt. HEART OF A COWARD verleugnen ihre Trademarks keineswegs, sind sich auch für eher simple Breakdowns nicht zu schade, wenn es nur die Durchschlagskraft ihrer Songs erhöht.

Wie der gesamte Metalcore auch, ist das Quintett in den vergangenen zehn Jahren enorm gereift. HEART OF A COWARD reihen längst nicht mehr Breakdown an Breakdown, sondern schreiben durchaus abwechslungsreiches Material. Das geradlinige „Collapse“ erinnert etwa an AS I LAY DYING, „Parasite“ trifft ungewöhnlich hart mit einer Djent-Schlagseite und „Suffocate“ begibt sich unverhohlen ins Fahrwasser von ARCHITECTS.

Deren Einfluss bricht immer wieder durch, wenn Kaan Tasan in höhere Regionen vorprescht und sich dabei den markanten Stil von ARCHITECTS-Frontmann Sam Carter zwischen Klargesang und Screaming erstaunlich gut zu eigen macht. Der neue Mann am Mikro liefert ohnehin eine starke Leistung, indem er jegliche Gesangsaufgaben spielend meistert. Einzig das urgewaltige Organ seines Vorgängers Jamie Graham kann er in den tiefen Regionen nicht übertrumpfen.

„The Disconnect“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer

HEART OF A COWARD erneuern ihren Sound, indem sie die tief gestimmten Gitarren mit melodischen Leads („Ritual“), wandelbaren Vocals („Isolation“) und teils groovendem Drumming („In The Wake“) vermählen. „The Disconnect“ ist damit nicht so bedrückend wie etwa das düstere „Severance“ (2013), behält sich aber dessen Eindringlichkeit bei. Zwar fehlt dem Riffing manchmal noch der Killerinstinkt von Vorreitern wie ARCHITECTS, ein leidenschaftlicheres Plädoyer für ein Umdenken in unserer Gesellschaft können wir uns dennoch kaum vorstellen.

Veröffentlichungstermin: 10.5.2019

Spielzeit: 45:19

Line-Up:

Kaan Tasan – Gesang
Carl Ayers – Gitarre
Steve Haycock – Gitarre
Vishal Khetia – Bass
Christopher Mansbridge – Schlagzeug

Produziert von Justin Hill und HEART OF A COWARD

Label: Arising Empire

Facebook: https://www.facebook.com/heartofacowardofficial/

HEART OF A COWARD “The Disconnect” Tracklist

01. Drown In Ruin (Video bei YouTube)
02. Ritual (Video bei YouTube)
03. Collapse (Video bei YouTube)
04. Culture Of Lies
05. In The Wake
06. Senseless
07. Return To Dust
08. Suffocate
09. Parasite
10. Isolation

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.