EXTRABREIT: Frieden

EXTRABREIT: Frieden

Zu Beginn erstmal ein paar kleine(re) Fakten, Fakten, Fakten (Ihr wisst ja: Immer an den Leser/User denken):
EXTRABREIT wurden 1978 von Gitarrist Stefan Klein (später Kleinkrieg) in Hagen gegründet. Ein Jahr später stieß Kai Schlasse (später Kai Havaii) als neuer Sänger zur Band bzw. übernahm den Posten von Horst-Werner Wiegand.

1980 erschienen die erste Single (Hart wie Marmelade) und das erste Album (Ihre größten Erfolge – vor kurzem aufgrund von 500.000 verkauften Exemplaren mit Platin ausgezeichnet)
und von 1981 bis 1998 veröffentlichten die Hagener weitere neun Studioscheiben inkl. diverser Singleauskopplungen, von denen es ein paar bis in die Top 10 der Charts schafften, während ein paar andere mehr den Chart-Entry nicht gerade um Haaresbreite verpassten.
Einige dieser Alben (Welch Ein Land – Was Für Männer! – 1981, Die Rückkehr Der Phantastischen Fünf – 1982 bzw. der o.g. Erstling) gelten mittlerweile als echte Klassiker der deutschsprachigen Rockmusik, während einige andere als eher durchwachsen (Wer Böses Denkt, Soll Endlich Schweigen – 1991, Hotel Monopol -1993) zu bezeichnen sind.
Ein paar (wenige) wirklich schlechte (Sex After 3 Years In A Submarine – 1987, Europa – 1983, Amen – 1998) Albumveröffentlichungen gab es zwar auch, aber dafür mit LP Der Woche (1984) und Jeden Tag, Jede Nacht (1996) auch zwei Releases, die mir persönlich in den Bewertungen einiger Fans viel zu schlecht wegkommen und für mich echte Highlights der Diskografie sind.

Die Band war und ist nicht nur berühmt-berüchtigt für ihre Gesangs-Duette (oder eher Duelle?) mit HARALD JUHNKE (Nichts Ist Für Immer), MARIANNE ROSENBERG (Duo Infernal) und HILDEGARD KNEF (Für Mich Soll´s Rote Rosen Regnen), sondern löste sich am 19.09.1998 im Rahmen eines großen Abschiedskonzerts in Hagen auf, was ihre kleine, aber sehr treue Fanbasis aber nicht längerfristig vergraulen konnte.
Es kam, wie es wohl nach dem Willen der Fans kommen musste, denn die Westfalen gaben getreu dem Motto Nichts Ist Für Immer im Jahre 2002 ihren Rücktritt vom Rücktritt bekannt.

Die Kernfiguren Havaii und Kleinkrieg verstärkten sich fortan bzw. wieder mit Rolf Möller (Drums), Bubi Hönig (Gitarre) und Lars Larsson (Bass), tourten erstmal fleißig durch die Clubs unserer Republik, veröffentlichten mit Er Macht Ihn rein den offiziellen DFL-Song zum 40. Jubiläum der Fußball-Bundesliga und gaben im Jahre 2003 mit Öl ein EXTRABREIT-typisches Statement zum unsäglichen Irak-Krieg ab.
Nun liegt nach fast sieben Jahren endlich das neue und zugleich elfte Studioalbum vor – und Frieden (produziert von Heiwi Esser – dem Gitarristen der niederrheinischen Crossover-Combo SUBSTYLE) ist eine wirklich gute Scheibe geworden.

Eine Scheibe, die ich so erwartet habe, das heißt ohne stilitische Experimente, englische Texte und nicht an die Klasse der ersten drei Überalben herankommend.
Dafür ist Frieden ein typisches EXTRABREIT-Album geworden und es wird sehr oft deutlich, dass sich die Breiten zwar oft an ihrem eigenen Vorratsschrank bedient haben, dadurch aber glücklicherweise nicht zu einem Selbst-Plagiat verkommen sind.
Herr Kleinkrieg spielt die Gitarre wie ´ne abgesägte Knarre und lässt bei Songs wie Ahoi, Süchtig, Schönes Lied oder Männer Ohne Gleichen die Saiten glühen (nein, die Hagener sind trotzdem und immer noch keine Metalband), die drei Mitstreiter an Bass, Schlagzeug und zweiter Gitarre verrichten ihre Arbeit auf grundsolidem Niveau (ohne allerdings echte Farbtupfer und Akzente zu setzen) und der gelernte Grafiker Kai Havaii überzeugt durch seine sozial- und gesellschaftskritischen Texte (z.B. Die Multis Und Der Staat, Nr.17), die oft mit einem Augenzwinkern, aber nie mit dem erhobenen Zeigefinger vorgetragen werden.

Keine Angst, EXTRABREIT sind nicht zu Betroffenheitsrockern a la BAP verkommen, sondern machen in ihren Texten auch deutlich, dass der Spaß im Leben nicht zu kurz kommen darf – das Spaß haben aber auch nicht alles im Leben ist.
Doch es gibt auch ein paar kleinere Überraschungen, denn bei einigen Stücken wie z.B. beim eher ruhigen Dieses, Das Und Jenes (hier beweist Herr Kleinkrieg erneut, dass er ein deutlich besserer Gitarrist als Sänger ist) oder dem flotten Ewig Singt Die Balalaika bekommt die Band von einer Hörner-Sektion kräftig einen geblasen.

K(ein) Traum fällt zwar auch etwas aus der Rolle, aber dafür macht der Opener (zugleich die erste Single) Neues Spiel gleich deutlich, dass es die Band nochmal wissen möchte und das mit ihr wieder zu rechnen ist.
Mit Die Zeit Macht Nur Vor Dem Teufel Halt setzt man eine Breiten-Tradition vor, handelt es sich hierbei um das gelungene Remake des BERRY RYAN-Hits aus dem 1970, wobei der Original-Interpret dieses Mal allerdings nicht für ein Duett verpflichtet wurde.
Das rohe, etwas sperrige Psychokiller beschäftigt sich mit der (von den Medien initiierten??) Faszination, die Serienkiller auf die Menschen ausüben, All Die Goldenen Jungs ist eher von melancholischer Natur und klingt irgendwie wie/nach einem Shanty und Schönes Lied ist fast schon als eingängig und catchy zu bezeichnen und klingt mit dezenten Pianoklänge aus.

Fazit: Mit der Band ist endlich wieder zu rechnen! Die Fans kaufen das Album sowieso und allen anderen, die auf deutschsprachigen Hardpunkrock stehen, sollten auch mal reinhören, zumal die Hagener schon immer mehr zu bieten hatten als NUR Hurra, Hurra die Schule brennt oder Flieger, grüß mir die Sonne.

Veröffentlichungstermin: 18.04.2005

Spielzeit: 41:52 Min.

Line-Up:
Kai Havaii (Vocals)

Stefan Kleinkrieg (Gitarre)

Rolf Möller (Drums)

Bubi Hönig (Gitarre)

Lars Larsson (Bass)

Produziert von Heiwi Esser
Label: Ulftone Music

Homepage: http://www.die-breiten.de

Email: extrabreit@die-breiten.de

Tracklist:
1. Neues Spiel

2. Ewig Singt Die Balalaika

3. Nr. 17

4. Männer Ohne Gleichen

5. K(Ein) Traum

6. Die Multis Und Der Staat

7. Die Zeit Macht Nur Vor Dem Teufel Halt

8. Ahoi

9. Süchtig

10. Psychokiller

11. Dieses, Das Und Jenes

12. Schönes Lied

13. All Die Goldenen Jungs