EXTRABREIT: Die Wahrheit Über Extrabeit / Extrabreit Live Und Jetzt (DVD)

EXTRABREIT:  Die Wahrheit Über Extrabeit / Extrabreit Live Und Jetzt (DVD)

War ich von der TRIO-DVD eher enttäuscht, können mich die Breiten aus Hagen ziemlich überzeugen. Zwar hab ich mich erst aufgeregt, warum die Band zwei seperate DVDs veröffentlicht, wo doch das gesamte Material auch auf einen Silberling gepasst hätte. Als ich dann aber sah, dass die jeweilige DVD, die exklusiv nur bei Karstadt, im Online-Shop der Band und bei den Live-Konzerten erhältlich ist, nur günstige 9,99 Euro kostet, war ich wieder beruhigt und konnte mich den bewegten Bildern widmen. Der geniale wie tote FALCO sagte mal „Wer sich an die Achtziger Jahre erinnern kann, hat sie nicht erlebt“. Nun gibt es für alle Kinder der Achtziger und zum Schließen von eventuellen Erinnerungslücken die “Die Wahrheit über Extrabreit”-DVD (Tonformat: DD 2.0, Bildformat: 4:3, FSK: 12 Jahre), die bezeichnenderweise mit „Die frühen Jahre / So waren die 80er wirklich“ untertitelt wurde. Sicher, schockierend, irritierend oder brillant ist das alles – gemessen mit heutigen Maßstäben – nicht wirklich. Aber dafür ist das ursprünglich im Jahre 1983 veröffentlichte, knapp 60-minütige “Die Wahrheit über Extrabreit”-Video nicht nur informativ und witzig, sondern zeigt auch, dass die Achtziger ein Jahrzehnt der hässlichen Sonnenbrillen, gruseligen Klamotten und schrecklichen Frisuren war – also wie die Siebziger und Neunziger auch.

Kai Havaii, seit 1979 Sänger der Band, interviewt sich als „Ernst D. Lüg“ quasi selbst und führt durch eine fiktive Doku, die u.a. die Clips zu „Kleptomanie“ und „Learning Deutsch“, diverse Livemitschnitte aus dem Jahre 1982 („Superhelden“, „Polizisten“, „Flieger, grüß mir die Sonne“), einige TV-und Film-Ausschnitte (u.a. aus Gib Gas – Ich will Spaß! mit NENA und MARKUS in den Hauptrollen) und das kultige Intro der 83er Liveshows (gesprochen von Ex-Tagesschausprecher Werner Veigel) enthält.

Man sieht Pseudo-Clips zu „Nach Mitternacht“ und „Komm nach Hagen“, die Bilder der Verleihung einer „Goldenen“ Platte, wie Stefan Kleinkrieg, der die Band im Frühjahr 1979 gründete, 1980 live seine Gitarre zertrümmert und es sind kurze Bilder mit Ex-Gitarrist Carlo Karges (der später von 1981 – 1987 zur Band von NENA gehörte, dort Hits wie „99 Luftballons“, „Vollmond“, „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“, „Rette mich“ oder „?“ co-komponierte und im Jahre 2002 im Alter von fünfzig Jahren verstarb) an der Gitarre zu sehen.

Es gibt Interviews mit Band- und Crewmitgliedern, die Frust über die gefloppte 83er-Tour schieben und auch keinen Hehl daraus machen. Dabei setzte die Band für die damalige Zeit Maßstäbe, denn die Breiten tourten mit zwei Sattelschleppern, Videoleinwänden und einer gigantischen Sound- und Lichtanlage und verscherzte es sich mit hohen Eintrittspreisen: 30,- DM waren 1983 sehr viel Geld für ein Konzert. Es melden sich neben einigen Fans auch Kollegen wie HUBERT KAH, TRIO-Schlagzeuger Peter Behrens und NENA zu Wort und es gibt (leider) tonlose Bilder mit Lemmy, UDO LINDENBERG oder Desiree Nosbusch. Ein interessantes Zeitdokument.

Als Bonusmaterial gibt es die Videoclips zu „Nichts ist für immer“, „Kleptomanie“, „CVJM“, „Learning Deutsch“, „Er macht Ihn rein“, „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ und „Flieger, grüss mir die Sonne“, die Spass machen, aber ganz sicher nicht als hohe Kunst der Videofilmerei in die Geschichte eingehen werden. Des Weiteren gibt’s noch eine (allerdings entbehrliche) Diskographie. Doch, lohnt sich – was auch für die zweite DVD gilt.

Diese hört auf den Namen „Live Und Jetzt“ und enthält einen Konzertmitschnitt aus Hagen bzw. Hamburg, wobei hauptsächlich bewegte Bilder der Hamburg-Show zu sehen sind. Dieser überzeugt nicht nur eine überragende Bild- und Tonqualität (Bildformat – 16:9, Tonformat – DD 2.0 Stereo bzw. 5.1 Surround), einigen (wenigen) Backstage-Impressionen, einen einzelnen Schwarz-Weiß-Sequenzen aus der Stadthalle Hagen, sondern auch mit einer erstklassigen Songauswahl. Geboten bekommt der Zuschauer/Zuhörer einen „bunten Melodienstrauß“ mit vielen, vielen Klassikern. So sind u.a. „110“, „Glück und Geld“, „Hart Wie Marmelade“, „Der Präsident Ist Tot“, „Sturzflug“, „Extrabreit“, „Liebling“, „Lottokönig“, „Annemarie“, „Polizisten“, „Ruhm“, „Kleptomanie“, „Junge, wir können so heiss sein“ und „3D“, die beiden wohl grössten Hits („Flieger, grüß mir die Sonne“, „Hurra, Hurra die Schule brennt“), die beiden Duelle…ähh… Duette „Nichts Ist Für Immer“ und „Für mich soll’s Rote Rosen Regnen“, wobei die jeweiligen Duettpartner – HARALD JUHNKE und HILDEGARD KNEF – aus gesundheitlichen Gründen nicht mit auf der Bühne standen.

Nicht zu sehen/hören sind (warum eigentlich?) die ursprünglich gespielten Tracks Das Tier in dir, Nach Mitternacht oder Baby ich sinke. Naja, dafür gibt’s das „Psycho-Zäpfchen“ „Augen zu“.

Als Bonus gibt es noch die Tracks „Öl“ (wieso hat man den Song denn nicht im Liveset gelassen, sondern hier als Bonussong extrabreithiert?), das Video zu „Er Macht Ihn Rein“ (wieso gibt es diesen Song nicht in der Live-Version, zumal der Clip ja auch schon auf DVD Eins zu sehen/hören ist?) und gleich fünf Songs aus Hagen, darunter das neue Stück „Männer Ohne Gleichen“ (aus der TV-Serie „Was nicht passt, wird passend gemacht“), „Der Letzte Schliff“ (in einer deutlich anderen als der bekannten Version), „1.36“ (die erste B-Seite der Breiten und schon seit hunderten von Jahren nicht mehr live gespielt), „So Wie Du“ (gesungen von Gitarrist Stefan Kleinkrieg) und „Ich Will Hier Raus“.

Klar, ich könnte meckern, dass mit „Es Tickt“, „Secret Service“, „Herzen Aus Glas“, „All Die Jahre“, „Duo Infernal“, „Komm Nach Hagen“ oder „Her Mit Den Abenteuern“ einige meiner Lieblingssongs fehlen. Oder dass es nicht zu einem kurzen Auftritt in der klassischen mit Besetzung Wolfgang Hunter Jäger und Ulrich Public Uli Ruhwedel kam – aber das wäre einfach unfair, zumal sicherlich jeder Fan den einen oder anderen „seiner“ Songs vermisst. Kurz und gut: Ein echtes Rundum-Sorglos-Paket. So hätte die TRIO-DVD auch aussehen MÜSSEN!!!

Tonformat : DD 2.0
Bildformat : 4:3
Spieldauer : ca. 92 Min.
FSK : 12 Jahre

„110“
„Glück und Geld“
„Nichts Ist Für Immer“
„Jeden Tag – jede Nacht“
„Polizisten“
„Der Führer schenkt den Klonen eine Stadt“
„Kleptomanie“
„Für mich soll´s Rote Rosen Regnen“
„Hart Wie Marmelade“
„Ruhm“
„Augen Zu“
„Der Präsident Ist Tot“
„Sturzflug“
„Extrabreit“
„Liebling“
„Lottokönig“
„Annemarie“
„Flieger, grüß mir die Sonne“
„3D“
„Joachim muss härter werden“
„Hurra, Hurra die Schule brennt“
„Junge, wir können so heiss sein“