ERIK NORLANDER: Into The Sunset

Eine rundum gelungene Symphonic Rock-Veröffentlichung des Keyboarders von LANA LANE und den ROCKET SCIENTISTS. Wird das Genre sicherlich nicht neu erfinden, begeistert aber mit gelungenem Songwriting und ausgezeichneter Performance aller Beteiligten. Daumen Hoch!

Freunde symphonischer und/oder progressiver Rockmusik, die ab und an in den Booklets ihrer Neuerwerbungen blättern, dürften zuletzt des Öfteren über den Namen ERIK NORLANDER gestolpert sein. Der Keyboarder ist nicht nur – gemeinsam mit Mark McCrite – kreativer Kopf hinter den ROCKET SCIENTISTS, sondern auch Musiker und Hauptsongwriter bei LANA LANE (zudem Angetrauter der gleichnamigen Frontfrau) und Mitwirkender auf den “Universal Migrator”-Alben AYREONs und bei Lars Eric Mattssons “Another Dimension”. Und – last but not least – Solokünstler. Als solcher veröffentlicht er mit “Into The Sunset” nun sein zweites Album.

Seit Norlanders Debüt hat sich einiges getan. “Threshold”, so dessen Titel, erschien 1997 und war noch überdeutlich geprägt vom Progressive Rock der ersten Generation. Frühe Tasten-Helden wie Keith Emerson (ELP) und Rick Wakeman (YES) schienen allgegenwärtig, auf Vocals und Gitarren wurde verzichtet. “Into The Sunset” hat nun beides, klingt dabei weit moderner, zugleich songorientierter und zugänglicher.

Auf “Into The Sunset” gibt sich eine namhafte Gästeschar die Ehre

Eine Umschreibung à la LANA LANE meets AYREON liegt derart nahe, dass sie plump, weil zu offensichtlich wirken mag, doch trifft sie den Kern der Sache. Und das aus mehreren Gründen.

Als da einmal wären: die Mitwirkenden. Das sind Arjen Lucassen (AYREON) an den Gitarren, Greg Ellis (ex-SHARK ISLAND) an Drums und Percussions, Bassist Tony Franklin (ex-BLUE MURDER, ex-THE FIRM, zuletzt LANA LANE) und natürlich Eric selbst, der sämtliche Keyboards eingespielt hat. Die Vocals übernahmen Lana Lane, Edward Reekers (AYREON), Robert Soeterboek (AYREON), Glenn Hughes (ex-DEEP PURPLE, Mitwirkender bei ca. 234 Projekten und zuletzt Solo-Künstler), Harmony-Vocals außerdem noch von ROCKET SCIENTISTS-Compagnon und LANA LANE-Gastmusiker Mark McCrite. Na, welche Namen sind hier überdurchschnittlich oft gefallen? Genau!

Das Songmaterial auf “Into The Sunset” ist überaus gelungen

Tja, und dann wäre da die Musik: irgendwo im Spannungsfeld zwischen symphonischem Bombast, kraftvollem Hard Rock und verspieltem Prog. Just jene Eckpfeiler also, die auch das stilistische Spektrum der letzten Alben AYREONs und vor allem LANA LANEs absteckten, wenn sich auch die alte Liebe Norlanders, der Prog der 70er, immer wieder am stärksten in den Vordergrund drängt. Dennoch: Wer die Veröffentlichungen der beiden benannten Bands/Projekte zu schätzen wusste, dürfte auch an “Into The Sunset” Gefallen finden. Zumal das Songmaterial überaus gelungen ist.

Zum (allerdings nur verbalen) Beleg ein kurzer Exkurs zu einzelnen Songs des Albums gefällig? OK, here we go! Der Opener “Sunset Prelude” beginnt instrumental verspielt: Schwere Gitarrenriffs Lucassens setzen ein, die typisch warmen 70er-Keyboard-Kaskaden schaffen Dramatik. Das Ganze geht über in den Titelsong “Into The Sunset”, eingeleitet von den bekannten Lana Lane-Backgroundchören. Treibendes Drumming im Marschrhythmus, wieder schweres Riffing, Klavierverzierungen, dann wieder typische Prog-Keyboards, bis schließlich die warme, mittelhohe Stimme Edward Reekers einfällt und von leicht dahinperlenden Akustikgitarren begleitet wird, während der Refrain dann wieder Lana Lanisch in den Bombast-Topf greift (allerdings nicht ganz sooo tief).

Ganze vier Instrumentals haben es auf das Album geschafft

Der nächste Streich: “Rome Is Burning”, der härteste, gitarrenlastigste Songs des Albums, mit Glenn Hughes am Mikrofon. Erinnert zunächst mit einer Prise keltischem Melodieeinschlag an neuere RIOT, ältere RAINBOW oder auch an Gary Moore, als dieser noch “Over The Hills And Far Away” unterwegs war, später, im getragenen Mittelteil, wieder mal an “Secrets Of Astrology”, dem letzten LANA LANE-Werk. Dann allerdings wieder das volle Gitarrenbrett, das auch auf dem metallischeren Teil von “Universal Migrator” nicht fehl am Platze gewesen wäre.

Highlight unter den insgesamt vier Instrumentals des Albums: “Dreamcurrent”, das eher konventionell beginnt, dann jedoch mit gefühlvollen Cello-Klängen und reichlich Atmosphäre zu begeistern weiß.

ERIK NORDLANDER präsentiert eine rundum gelungene Symphonic-Rock-Veröffentlichung

Ebenso eindrucksvoll auch “Lines In The Sand”. Der Song beginnt einmal mehr mit hartem Riff und melodischen Doppelleads, bis dann die etwas heisere Stimme Robert Soeterbecks einfällt. Ein eher schweres Midtempo-Stück, geprägt vom düsteren Riffing Lucassens.

Schlüsselsong schließlich: das über zehnminütige “On The Wings Of Ghosts”, das noch einmal das gesamte Spektrum des Albums innerhalb eines einzigen Songs zusammenfasst: von leise bis laut, von hart bis gefühlvoll, von straight-melodisch bis verspielt-bombastisch.

Also: eine rundum gelungene Symphonic Rock-Veröffentlichung, die das Genre sicherlich nicht neu erfindet, aber mit gelungenem Songwriting und ausgezeichneter Performance aller Beteiligten zu begeistern weiß. Daumen hoch!

Spielzeit: 54:29 Min.

Line-Up:

Erik Norlander – keyboards
Arjen Anthony Lucassen – guitars
Tony Franklin – bass
Greg Ellis – drums
Cameron Stone – cello

Glenn Hughes/Lana Lane/Edward Reekers/Robert Soeterbeck – vocals

Produziert von Erik Norlander

Label: Transmission

ERIK NORDLANDER “Into The Sunset” Tracklist

  1. Sunset Prelude (instr)
  2. Into The Sunset
  3. Rome Is Burning
  4. Fanfare For The Dragon Isle (instr)
  5. Fly
  6. Dreamcurrents (instr)
  7. Lines In The Sand
  8. On The Wings Of Ghosts
  9. Hymn
  10. Into The Sunset reprise
  11. Sunset Postlude (instr)
  12. Neurosaur (instr)