DIRGE: And Shall the Sky Descend [Re-Release]

Als Musik verkleidete Höllenqualen zwischen NEUROSIS und SUNN o))).

Wenn die Apokalypse mittels einer Naturgewalt, wie Fluten, Zyklone, etc. dieser Tage über uns hereinbrechen sollte, dann werde ich DIRGE als Soundtrack dazu auswählen. Dieses pechschwarze, düstere, monolithische Werk dröhnt sämtliches Schmalz aus eurem Hirn und zieht euch runter in Regionen, wo normalerweise nur NEUROSIS hinkommen. Irgendwann schenken DIRGE euch wieder ein paar Sonnenstrahlen, ein Lächeln, ein sanftes Licht, nur damit sie euch danach noch mehr in Richtung Hölle schicken können.

Das 2004 erstmals veröffentlichte Album And Shall the Sky Descend könnte passender nicht betitelt sein. Denn ebenso düster und beschwörend klingt das Album. Wie eine menschenleere Großstadt im Dämmerlicht – man kommt sich beim Hören des Album unglaublich verlassen und allein vor. Im Gegensatz zu anderen Bands, die einem hier das Nachdenken erlauben, zerquetschen DIRGE jeglichen Gedanken bereits im Ansatz und lassen den Hörer der Musik hilflos gegenüberstehen. Meine Damen und Herren, das ist unglaublich anstrengend. Die Riffwände verschlingen alles und jeden, die pure Langsamkeit zieht einen runter bis auf den Boden. DIRGE siedeln sich irgendwo zwischen NEUROSIS, JESU, alten ISIS und CULT OF LUNA sowie SUNN o))), EARTH und Konsorten an, eine derartige Ausrichtung ist neu und doch naheliegend.

Vielleicht ist es so neu, weil sich bisher nur wenige an derart anstrengende Musik getraut haben. Da werden im Vergleich andere zu Spaßgesellen, nicht mal die heftigsten Black Metal-Bands sind ähnlich misanthropisch. Aber DIRGE schaffen immer wieder den Bogen hin zu schönen Klängen, die den Hörer mit den vergangenen fünf Minuten Schwärze versöhnen. 73 Minuten dauert die als Musik verkleidete Höllenqual, an der besonders die leisen Stellen gefallen, wie im Titeltrack oder im stellenweise wunderschönen The Endless. Und gerade das abschließende Glaring Light klingt am Ende einfach nur zerbrechlich. Die Streichereinsätze, der weibliche Gesang, all das verschafft dem Album eine weitere Dimension, ohne die Band in irgendwelche Klischees abrutschen zu lassen. Die mächtigen Riffs, das schleppende, psychedelische Drumming und der harsche, recht abwechslungsreiche Gesang dominieren jedoch eindeutig.

Wer oben genannte Bands verehrt und das Album noch nicht sein Eigen nennt, darf gerne zugreifen und sollte sich jedoch bewussst sein, dass And Shall the Sky Descend schwieriger ist als das, was normalerweise im Player rotiert. Für die ganz düsteren Stunden der Einsamkeit ist das Album jedoch wie gemacht. Und auf den Nachfolger dieses Werkes muss zum Glück auch nicht lange gewartet werden – all das sind doch verdammt gute Gründe DIRGE eine Chance zu geben, oder? Ihr werdet es jedenfalls nicht bereuen, auch wenn sie vielleicht nicht eure neue Lieblingsband werden.

Veröffentlichungstermin: 1. Juni 2007

Spielzeit: 73:07 Min.

Line-Up:
Marc – Guitars, Vocals
Stephane – Guitars
Hichem – Bass
Alain – Drums
Christophe – Samples, Percussions, Vocals

Label: Equilibre Music

Homepage: http://www.dirge.fr

Tracklist:
1. And Shall the Sky Descend
2. The Birdies Wheel
3. The Endless
4. Glaring Light