DEADLOCK: The Arsonist

DEADLOCK: The Arsonist

So wie das Chamäleon im Tierreich selten dauerhaft Farbe bekennt, so bleiben auch DEADLOCK nie lange einem Stil bedingungslos treu – dasselbe Album hat das Quintett jedenfalls noch nie zweimal aufgenommen. Prinzipiell eine gute Sache, doch könnte ebenso gut hämisch aufgezeigt werden, dass immer der aktuellste Trend im Metal mitgenommen wird. Diesmal also Djent-Sound und tief gestimmte Gitarren, wir müssen ja mit der Zeit gehen. Doch so einfach ist es nicht, DEADLOCK ersetzen lediglich die Göteborg-Einflüsse mit den angesagten Rhythmikspielereien, bewahren sich derweil viele Tugenden und Laster der Vergangenheit.

Der Haken an „The Arsonist“: Durch den plötzlichen Umschwung kämpfen DEADLOCK seit Jahren erstmals wieder mit eklatanten Lücken im Songwriting. Zunächst scheint der neue Sound dem Quintett wie auf den Leib geschneidert: Die Gitarren sind nicht nur heruntergestimmt, sondern im sonst transparenten Sound rotzig und dreckig abgemischt, was „The Great Pretender“, auch dank verspulter Leads, zu einem starken Einstieg verhilft.

DEADLOCK springen zumeist zwischen rohem Modern Death Metal und süßlichem Pop-Appeal hin und her

Die Brücke zu Sabines Klargesang errichtet die Formation jedoch auf wackeligen Pfeilern. Die Konsequenz: Immer wieder bröckelt das Fundament, stürzt teilweise komplett ein, wenn eben „The Great Pretender“ oder „Dead City Sleepers“ mit abgehackten Übergängen zwischen Strophe und Refrain beziehungsweise Growls und Klargesang zu kämpfen haben. Die weibliche Singstimme mutiert so zum Fremdkörper, der keiner sein sollte. Gelingt die Implementierung, springen DEADLOCK zumeist zwischen rohem Modern-Death-Metal in der Strophe und süßlichem Pop-Metal im Refrain hin und her. Das gelingt ordentlich, die Energie früherer Alben geht dennoch flöten, wenn sanfte Backgroundchöre im Finale von „I’m Gone“ oder des Titelsongs Wattebällchen werfen.

Sabine Scherers eigentlich kräftiges Organ kommt unter diesem Gesichtspunkt nur selten richtig zum Zug, obgleich ihre Gesangsansteile genügend Gelegenheiten bieten würden. Ihr Kollege John Galert, vom Bass ans Mikro gerückt, erledigt seinen Job übrigens anstandslos. In punkto Stimmfarbe und Brachialität lehnen sich die Growls des FALL OF SERENITY-Sängers an den Stil seines Vorgängers Johannes Prem an, zudem bringt er eine kantige Note mit.

„The Arsonist“ ist eine mittlere Enttäuschung

Aufhorchen lassen DEADLOCK, wenn sie aus dem zementierten Standardschema ausbrechen. „The Final Storm“ ist ein räudiger Mid-Tempo-Deather, angereichert durch Symphonic-Opulenz, während das anfangs fragile, später selbstbewusste „Hurt“ Sabines Gesang konsequent in Szene setzt und dank der gezeigten Dynamik einen Wandel von einer Piano-Nummer zur kräftig rockenden Ballade durchmacht. Weil allerdings selbst diesen Tracks eine Schlaftablette wie „Darkness Divine“ und das fragwürdige, weil belanglose BRONSKI BEAT-Cover „Small Town Boy“ entgegenstehen, schlittert „The Arsonist“ beständig am äußeren Kurvenrand entlang – ungewöhnlich für die sonst so spursicheren Musiker und daher insgesamt eine mittlere Enttäuschung.

Besonders das unrunde Songwriting findet hin und wieder keinen schlüssigen Weg ans Ziel, obwohl die moderne Neuausrichtung keine Sackgasse per se sein muss. Anzeichen hierfür finden sich an vielen Stellen auf „The Arsonist“. Die Frage ist also, ob DEADLOCK diesen Stolperer nutzen, um das neue Modern-Metal-Make-Up mit dem nächsten Werk zu vollenden – das wäre die eine Option. Die andere? Nun, fragen wir doch das Chamäleon.

Veröffentlichungstermin: 26.07.2013

Spielzeit: 40:54 Min.

Line-Up:
Sabine Scherer – Vocals
John Gahlert – Vocals
Ferdinand Rewicki – Guitar
Sebastian Reichl – Guitar
Tobias Graf – Drums

Produziert von Benny Richter, Sebastian Reichl und Alexander Dietz (Drums) / Eike Freese (Mix), Olman Viper (Mastering)
Label: Napalm Records

Homepage: http://www.deadlock-official.com/
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/deadlockofficial

DEADLOCK „The Arsonist“ Tracklist

01. The Great Pretender (Video bei YouTube)
02. I‚m Gone (Video bei YouTube)
03. Dead City Sleepers
04. The Arsonist
05. Darkness Divine
06. As We Come Undone
07. Hurt
08. The Final Storm
09. Small Town Boy (BRONSKI BEAT-Cover)
10. My Pain

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.