DAWN OF WINTER: In the Valley of Tears

DAWN OF WINTER: In the Valley of Tears

Einen wirklich großen Erfolg werden SACRED STEEL oder DAWN OF WINTER wohl nie verbuchen können, aber was soll ich sagen, für mich ist das, was die beiden Bands um Gerrit Mutz und Jörg Knittel machen in der ganzen True-Metal-Revial-Welle mit das angenehmste, was in das Veröffentlichungsmeer gespült wird. Ich sagte es bereits in meiner Kritik zum SACRED STEEL-Debut, aber ich wiederhole mich gern, von all den ’neuen‘ True-Metal-Bands schaffen es diese am besten, das Flair der alten Bands auf CD zu bannen. Es reicht IMO eben nicht nur, altbewährtes 1:1 zu kopieren, wie es HAMMERFALL oder PEGAZUS ja zu genüge betreiben, es braucht schon auch die gewisse Eigenständigkeit, die eine gute Band ausmacht und die eben die wirklich guten Bands der 80er ausmachten.

Nun, DAWN OF WINTER ist keine True-Metal-Band in dem Sinne, wie dieses Wort heute gern benutzt wird, sondern eine lupenreine Doom-Metal-Combo, die sich schon seit Jahren einen guten Namen im Underground erspielt hat. Den epischen Doom-Stil, den die Jungs spielen, bekommt man aber heutzutage fast gar nicht mehr zu hören und somit haut das ganze schon in die Kerbe, in die auch SACRED STEEL schlagen.

Die großen Vorbilder von DAWN OF WINTER dürften wohl CANDLEMASS, ST. VITUS und BLACK SABBATH heißen und somit kann man sich wohl ungefähr schon vorstellen, was einen auf ‚In the Valley of Tears‘ erwartet.

Was schon von Anfang an negativ auffällt, ist die etwas dünne Produktion. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie dieses Werk sich mit einer fetteren und schwereren Produktion anhören würde.

Das Songmaterial orientiert sich, wie bereits gesagt, in erster Linie am epischen Doom-Metal der 80er und kreuzt nur an ein paar wenigen Stellen mit Seventies-Einflüssen auf (‚Ritual Magic‘)

Leider schafft es die Band nicht, die Tiefe und Intensität der Vorbilder zu erreichen, mit dem Titelsong haben DAWN OF WINTER jedoch auf jeden Fall einen zeitlosen Doom-Klassiker geschaffen und auch das sehr stark von ‚BLACK SABBATH‘ beeinflußte ‚Funeral‘ steht diesem in nichts nach (nicht nur gewisse Riffs, sogar der Regen zu Beginn des Songs wurde etwas sehr frech abgekupfert).

Dabei ist das Material auf ‚In the Valleys of Tears‘ sehr abwechslungsreich, was bei Doom-Bands ja nicht unbedingt Standard ist. Während der Opener ‚Fallen Empire‘ sehr klassisch und mit einem sehr eingängigen Refrain daherkommt, wird das mit typischen CANDLEMASS-Gesangslinien ausgestattete ‚Return to Forever‘ schon etwas schleppender, gefolgt von dem flotteren ‚Ritual Magic‘. ‚Where Low the Ravens fly‘ besticht durch den treibenden Rythmus und auch DAWN OF WINTER besitzen als Rausschmeißer die eigene Bandhymne.

Textlich bewegt sich die Band in altbekanntem Territorium, sprich Sozialkritisches wie auch Mystisches/Okkultes trifft aufeinander und ergibt die klassische Doom-Mischung.

Ja, und dann muß natürlich noch der Knackpunkt der Band angesprochen werden und das ist halt mal wieder der Gesang von Gerrit Mutz, der bei DAWN OF WINTER um einiges zugänglicher und angenehmer ist, als bei SACRED STEEL, bei denen seine Stimme halt doch immer wieder versagt.

Wer noch nie was mit Gerrit´s Gesang anfangen konnte, wird das wohl auch bei ‚In the Valley of Tears‘ nicht können, ich empfinde den Gesang jedoch als äußerst wichtig für die Identität der Band und durch seine unkonventionellen Melodylines kann er wirklich Akzente setzen und Songs aufwerten. Und gerade was die Melodien angeht, ist es mal wieder eine Wohltat, solche zu hören, die sich nicht auf Dauer abnutzen, sondern die mit dem Alter reifen.

Und ich wiederhol mich nochmal: an die Intensität der Vorbilder kommen DAWN OF WINTER nicht ran, aber für den immer schwächer werdenden Doom-Metal, der sich zudem noch immer mehr in die 70er-Psychedelic-Richtung entwickelt, ist das Debut eine absolute Bereicherung. Doom-Metal-Fans sollten sich diese Album auf keinen Fall entgehen lassen und meine ersten Höreindrücke von der neuen SOLITUDE AETURNUS sind fast so, als würde ich mir die DAWN OF WINTER öfter zu gemüte führen… (Aber mal abwarten, den Zugang zur neuen SOLITUDE krieg ich schon auch noch )

Fierce

Spielzeit:
54.22 min.

Gerrit P. Mutz
Vocals

Jörg M. Knittel
Guitars

Joachim Schmalzried
Bass

Dennis Schediwy
Drums

Produziert von
DAWN OF WINTER

Erschienen bei
Iron Glory Records

Tracklist:

1.
Fallen Empire

2.
Return to Forever

3.
Ritual Magic

4.
In the Valley of Tears

5.
Where low the Ravens fly

6.
Carnival of Souls

7.
Funeral

8.
Black Revelations

9.
Sad Ocean

10.
Dawn of Winter

Fierce
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