DALE COOPER QUARTET AND THE DICTAPHONES: Metamanoir

Ein Album zwischen Jazz und Elektronik, das nicht von dieser Welt zu sein scheint.

So schwer der Abschied fällt, aber sagen wir Bye bye zu den geheimnisvollen Wäldern Nordamerikas. Dale Cooper hat sich etwas zu sehr mit Bob angelegt, das Tribute-Ensemble DALE COOPER QUARTET & THE DICTAPHONES bläst noch einmal einen traurigen Blues in Richtung der schwarzen Hütte und Audrey tanzt noch einmal verträumt und sexy dazu. Bitte konzentrieren wir uns aber nun auf Metamanoir, ein Album, das klingt, als wäre es nicht von dieser Welt. Die Atmosphäre der Normandie fließt mit jedem Ton aus den Boxen, so wie die Wellen des Atlantiks an die Küste schlagen. Hier ist es weder tiefschwarze Nacht, noch Dämmerung oder kurz vor Sonnenaufgang, aber irgendwie alles auf einmal. Die Stadt, die DALE COOPER QUARTET & THE DICTAPHONES auf ihrem Album nachzeichnen, ist weder belebt noch verlassen, es ist weder ein lauer Sommerabend, noch eine neblige Herbstnacht.

Und doch ist Metamanoir ein Schmelztiegel aus all diesen Atmosphären, Eindrücken, Bildern. Als ich zum ersten Mal in diese Welt eintauchte, zu Eux Exquis Acrostole, in dem sich DALE COOPER QUARTET & THE DICTAPHONES langsam aber sicher der Songdienlichkeit nähern, lief dieser Song, während ich bei Nebel an eine verlassene Tankstelle fahre – sind wir also doch wieder in Twin Peaks? Alles verschwimmt in der Stunde, in der sich Metamanoir auf die Seele der Hörers legt. Zwischen wundervoll eingängigen, getragenen Momenten in reinster Pracht, wie wir es von THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE gewohnt sind, vielleicht etwas traditionell-jazziger, weil mit mehr Bläsern und schönerer Retroästhetik angereichert, und zwischen verstörenden Soundexperimenten bewegt sich die Musik des Albums, und manchmal, wie in Le Implacable Gentilhommiére wird das auch vermengt.

Wenn die Atmosphäre eines Album den Hörer komplett einsaugt, so dass nichts außer der Musik mehr von Belang ist, dann hat ein solches Werk Erfolg. DALE COOPER QUARTET & THE DICTAPHONES haben mit Metamanoir ein unglaublich dichtes zweites Album erzielt, das wie ein Spaziergang durch verschiedene, dunkle und vernebelte Stadtteile wirkt. Von den etwas reicheren Gegenden, repräsentiert durch elegante und betörende, fast schon erotische Stücke wie Eux Exquis Acrostole, Elle Agreable Rendez-Vous De Chasse und La Terrible Palais, bis hin zu den Slums, was wie Mon Tragique Chartreuse schon fast zum Drone tendiert und mit unheimlichen Gesängen unterlegt wird. Dazwischen wird viel mit Samples und Elektronik, sowie verfremdeten Gitarren gespielt, am Boden der Tatsachen bleibt der Hörer vor allem durch die schönen Bassläufe und das gut programmierte, sehr echt klingende Schlagzeug. Gänsehaut gibt es nicht nur bei den begeisternden Gesangseinlagen von Gaelle Kerrien, der leicht wavig gekonnt ein wenig neben dem Ton liegt und für eine schöne Dissonanz sorgt, sowie Zalie Bellacicco, sondern auch durch die passend eingesetzten Bläser.

Wo From The Stairwell von THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE heuer schon verführerisch und unglaublich eingängig um die Gunst der Hörer warb, setzt Metamanoir erst an. Es ist abstrakt, bizarr, surreal, gefährlich und wie das Tor zur Hölle der Seele, aber deutlich zugänglicher und in gewissem Maße simpler als Parole De Navarre. Der Wille zum Experiment trifft auf gutes Songwriting, während langsamer, dunkler Jazz mit verstörender Elektronik einen Pakt eingeht. Schön, dass sich DALE COOPER QUARTET & THE DICTAPHONES im Herbst zurück melden, eine passendere Jahreszeit gibt es für derart diesige Musik nicht. Also freuen wir uns, nachts alleine durch die Straßen zu streifen, geschützt vom Nebel und gleitet von der Musik auf Metamanoir. Mit ihrem Zweitwerk haben die Musiker aus Brest ein großartiges Album erschaffen, das zwar nicht mit From The Stairwell mithalten kann, aber eine ganz eigene Atmosphäre und Faszination aussendet, der kein Freund von Dark Jazz widerstehen kann. So wie sich unser aller Liebling Dale Cooper eben nicht gegen Bob widersetzen kann.

Veröffentlichungstermin: 25. November 2011

Spielzeit: 60:15 Min.

Line-Up:
DALE COOPER QUARTET:
Gael Loison
Yannick Martin
Christophe Mevel

THE DICTAPHONES:
Zalie Bellacicco- Vocals
Gaelle Kerrien – Vocals
Francois Lucas – Oboe
Ronan MacErlaine – Vocals
Cyril Pansal – Guitar
Christophe Rocher – Clarinette
Krystian Sarrau – Saxophon

Label: Denovali Records

Homepage: http://www.denovali.com/dalecooper

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/pages/Dale-Cooper-Quartet-the-Dictaphones/177850502247305

Tracklist:
1. Une Petit Cellier
2. Eux Exquis Acrostole
3. Ma Insaisissable Abri
4. Sa Produigieux Hermitage
5. Le Implacable Gentilhommière
6. Elle Agréable Rendez-vouz De Chasse
7. Mon Tragique Cartreuse
8. La Terrible Palais
9. Il Melodieux Manoir