BURST: Prey on Life

Visionär und monumental.

Herzlich willkommen in der Welt von BURST. BURST, ein schwedisches Quintett, seit jeher der musikalische Hauptfokus des ehemaligen NASUM-Bassisten Jesper Liveröd machen großes, ganz großes Kino. Befreit von der Punk-Szene, gehen die Schweden seit einigen Jahren ihren Weg und komponieren sich frei. Stilübergreifend, emotional, packend und unglaublich intensiv waren BURST bereits auf ihrer vergangenen Mini In Coveting Ways und jetzt, gute zwei Jahre später, legen sie mit ihrem zweiten kompletten Album eine wunderbare Scheibe vor, wie ich sie selten gehört habe.

BURST werden geleitet von ehrlichen Gefühlen, die sie in ihre Musik einfließen lassen und begehen damit einen Seelenstriptease, der mitreißt, den Hörer in seine Fänge zieht und ihn nicht mehr entlässt. Dauerrotation ist kein Wunder bei einem solchen Album, das mit dem Intro Undoing (Prey on Life) beginnt und bereits nach fünf Sekunden für Gänsehaut sorgt. Sofort spürt man, wie ernst es der Band mit diesen Songs ist und bereits beim ersten Hören ist klar, wie viel Leidenschaft auch vom Hörer verlangt wird. Das ist kein Easy-Listening, hier hört man das pure Leben, so schön und hässlich wie es nur sein kann.

Es ist kein Wunder, dass manche Songs den Hörer, je nach Verfassung runterziehen oder hochpushen können. Rain, der Emosong dieser Scheibe verbindet genau dies, wirkt hypnotisierend und bringt Verständnis für den Hörer auf. Ich glaube wirklich, dass ich dieser Musik alles erzählen könnte, was mich bewegt, die gibt mir Kraft, alles Schlimme zu überstehen und bestärkt mich weiterzumachen, wenn ich irgendwo scheitere oder wenn ich motiviert bin. Das klingt abstrakt und ist es sicherlich auch, aber daher kann ich nur raten, hört euch diese Scheibe an!

BURST´s geografischer Ursprung wird auch klar, wenn man bedenkt, wie viel wunderbare Melodien sich in diese Scheibe eingeschlichen haben: Gerade The Foe Sublime glänzt mit wunderbaren Harmonien, die einerseits in Richtung AT THE GATES einzuordnen sind, andererseits aber nirgends vorher gehört wurden, denn es kommt immer darauf an, was man aus seiner Musik macht. Und BURST hantieren spielerisch damit herum, kommen zu einem absolut einzigartigem Ergebnis. Ebenso melodisch wie emotional ist das ruhige Instrumental Fourth Sun, das wunderbare Harmonien mit sich bringt und um einen Trip-Hop-artigen Drum-Beat aufgebaut ist, um nach den ersten Gefühlseruptionen ein Gefühl der Ruhe aufkommen zu lassen, auf das was noch kommen mag.

Und das ist wirklich schwerverdaulich. Crystal Asunder lässt mit seiner überströmenden Negativität erstmal jedes Lachen aus dem Gesicht verschwinden, bevor es mit seiner Strophe und den abermals sehr schwedischen Gitarrenläufen wieder Kraft gibt. Doch die cleanen und unbeschreiblich hässlichen Vocals sorgen dafür, dass man sich erhofft, dieser Song neigt sich bald zu Ende… um ihn danach noch einmal zu hören. Als brutalstes Stück glänzt Vortex mit Blast-Beats, viel Laut-Leise-Dynamik und lässt gleichzeitig die Punk-Roots der Band noch einmal ans Tageslicht treten. Dieser Song ist wie eine Achterbahnfahrt und danach möchte man kotzen, man lässt sich aber sehr gerne wieder darauf ein.

Was kommt danach? Kann es noch was geben, das intensiver und besser ist? Ja. Die besten Songs hat sich das Quintett bis zum Ende aufgehoben. Zuerst Monument, das schnell und punkig, aber gleichzeitig so emotional wie nichts anderes ist. Gerade hier gilt: Anhören, wenn es Dir gut geht, und Dich baut es auf. Wenn es Dir schlecht geht, zieht es Dich gewaltig runter. Dazu gibt es einen Mittelteil, der sich steigert, bevor das geniale Introriff wiederholt wird, um nach all dieser freigesetzten Energie wieder atmen zu lernen, bei seinem doomigen Finale. Das darauf folgende Visionary ist ein wunderbares, schwermütiges Stück mit einer ruhigen Strophe, endlosen traurigen Melodiebögen, die sich im Refrain zu einer geballten Ladung Ausbruch entwickeln. Dieser Song ist die Ausgeburt der Katharsis, verletze Dich selbst und reinige Deine Seele. So schwerverdaulich ist kein anderer Song auf dieser Scheibe.

Wenn sich Prey on Life mit dem entspannenden Outro Epidemic dem Ende entgegen neigt, so kann man Bilanz ziehen. Denn während dieser Scheibe ist das logische Denken auf Eis gelegt, instinktgetrieben und gebannt werden diese 40 Minuten verfolgt. Die Musiker wissen, was sie spielen, denn obwohl Prey on Life sehr emotional ist, ist die Musik perfekt ausbalanciert, so dass dem Hörer gerne ein Schwindelgefühl anhaften bleiben darf, aber es niemals übertrieben wird. So kann man die Scheibe wunderbar am Stück hören, man wünscht sich danach sie nochmal zu hören und nochmal und nochmal. Der Suchtfaktor, der von dieser Scheibe ausgeht ist unglaublich, und selbst wenn die Hardcore und Metal-Ästhetik erhalten bleibt, unkonventionell ist das Album. Es kommt immer darauf an, was man daraus macht.

Burst haben das Beste aus sich rausgeholt um ein Album zu schreiben, dass sie eigentlich gar nicht toppen können. Alles ist vom Feinsten, die Musiker, das markerschütternde Schreiorgan, die Produktion (Soundingeneur war übrigens ein gewisser Anders Friden von IN FLAMES) und die Aufmachung. Wie zwei Songtitel so schön sagen, Prey on Life ist visionär und monumental. Abschließend möchte ich allen noch mitteilen, dass BURST Musik geschaffen haben, die man mit nichts und niemandem vergleichen kann. Außer mit euch selbst. Das ist der Soundtrack zum puren Leben und somit mein Album des Jahres. Danke, dass ihr mir helft, mich selbst zu finden.

VÖ: 13. Oktober 2003

Spielzeit: 40:45 Min.

Line-Up:
Linus Jägerskog – Vocals

Jesper Liveröd – Bass

Partrik Hutlin – Drums

Jonas Rydberg – Guitar

Robert Reinholdz – Guitar

Produziert von Fredrik Reinedahl und BURST
Label: Relapse Records

Homepage: http://www.burst.nu

Email: burstnu@burst.nu

Tracklist:
1. Undoing (Prey on Life)

2. Iris

3. Sculpt the Lives

4. Rain

5. The Foe Sublime

6. Fourth Sun

7. Crystal Asunder

8. Vortex

9. Monument

10. Visionary

11. Epidemic