BURNT BY THE SUN: The Perfect is the Enemy of the Good

BURNT BY THE SUN: The Perfect is the Enemy of the Good

Zunächst mal eine bescheidene Frage: Was wollen uns BURNT BY THE SUN mit diesem Titel sagen? Die plausibelste Erklärung ist wohl eine Kampfansage, und die geht an sie selbst. Soundtrack To The Personal Revolution ist ein wirklich gutes Album (meiner Meinung nach die Essenz des Labels Relapse), aber es ist eine Scheibe, die eine Band zeigt, die noch nicht perfekt ist. Jetzt schreiben wir Herbst 2003 und BURNT BY THE SUN melden sich zurück mit einer leichten Stilkorrektur, vielen kranken Ideen und einem nahezu perfekten Album.

Die ehemaligen HUMAN REMAINS und DISCORDANCE AXIS-Mitstreiter finden sich irgendwo im tiefsten Sumpf zwischen Hardcore, Thrash Metal, Grindcore und Sludge wieder. Das hört sich noch relativ normal an, doch wenn die Scheibe zum ersten Mal durchläuft, ist man zurecht verwirrt. So viele Breaks, so viele Riffs, so viele krumme Takte… Und dennoch wird so richtig die Fresse poliert, doch im Vergleich zu anderen Bands gehen BURNT BY THE SUN mit System und nicht mit dem Holzhammer vor. Alle Songs sind großartig arrangiert, so dass zwischen prügelnden Hassorgien auch mal ein paar relaxte Töne angeschlagen werden.

Doch das beginnende Washington Tube Steak lässt daran noch Zweifel aufkommen, denn dieser Song haut alles kurz und klein und Mike Olender setzt mit seinem wilden Gebrülle zur Schlacht an. Passend dazu folgt Battleship gleich danach und hat eine recht fröhliche Melodie parat, während Forlani zu Beginn ein richtig cooles Stoner-Riff beinhaltet über das ein knochenharter Blast Beat gelegt wird. Und so wütend wie es mit diesem und dem darauffolgenden Stück 180 Proof weitergeht ist eine kleine Pause von Nöten. Dann wird wieder mit Arrival of Niburu gespact und Patient 957 ist der wohl durchdachteste Metalcoresong mit anschließendem Geknüppel, den ich je gehört habe.

Richtig cool wird es im Laufe der Scheibe nochmal mit Spinner Dunn und seinem wunderbar in Szene gesetztem orientalischem Thema und danach richtig groovig losfegt. Und mit Pentagons and Pentagrams (was für ein Titel!) und Rev. 101 gewohnt verrückt zu Ende. Möchte man meinen, denn der abschließende Track ist wahrhaft nicht zu ertragen. 35 Minuten lang ein einziger Piepton, danach ein paar Samples, was das Album auf eine Nettospielzeit von 32 Minuten kommen lässt. Eigentlich schade, denn von dem neuen Material kann man als offener Metaller gar nicht genug bekommen.

Jetzt sollte noch was über die Verrückten hinter BURNT BY THE SUN gesagt werden. Die sind nämlich absolut fit, haben einen an der Waffel und wissen genau, wie man dem Hörer eine interessante halbe Stunde bereitet, zu der er auch moshen kann. Dave Witte, der auch bei MELT BANANA und ALEC EMPIRE am Drumkit sitzt ist ein echtes Tier, dem es hörbar nicht die geringste Mühe macht, auch die komplexesten Sachen zu spielen. Gitarrist Adubato hat unendlich viele Ideen, die er alle homogen in die Musik einfließen lassen kann und auch sehr gerne mal über den Tellerrand schaut, während Basser Ted Patterson sich zwar im Hintergrund hält, aber ein fettes Fundament hinterlässt und auch gerne mal die fiesen Gitarrenläufe mitspielt. Mike Olenders Gebrüll setzt der Musik noch die Krone auf, den der Kerl hat ein Organ, das alles zu spät ist. Diese Fähigkeiten in Verbindung mit einem Gespür für packende Songs und der groben Produktion von Matt Bayles zerkloppt einfach alles.

The Perfect is the Enemy of the Good wird vom Label als Modern Heavy Music beschrieben, und dem kann ich nur zustimmen. Ich kann euch nur raten, diese CD anzuchecken, doch Vorsicht: So richtig zündet das Ding erst nach über zehn mal Hören, davor ist sie lediglich cool. Danach werdet ihr mir zustimmen: Verprügelt zu werden hat nie mehr Spaß gemacht.

VÖ: 13. Oktober 2003

Spielzeit: 72:54 Min.

Line-Up:
Mike Olender – Vocals

John Adubato – Gutiar

Ted Patterson – Bass

Dave Witte – Drums

Produziert von Mat Bayles und BBTS
Label: Relapse Records

Homepage: http://www.burntbythesun.com

Tracklist:
1. Abril Los Ojos

2. Washington Tube Steak

3. Battleship

4. Forlani

5. 180 Proof

6. Symbol Uno

7. Arrival of Niburu

8. Patient 957

9. 2012

10. Symbol Dos

11. Spinner Dunn

12. Pentagons and Pentagrams

13. Rev. 101

14. Symbol Tres