BLUT AUS NORD: 777 – The Desanctification

Tief, bizarr, anmutig und durch und durch verdorben: BLUT AUS NORD an der Schwelle zwischen französisch-avantgardistischem Black Metal und Industrial.

Nach so vielen Jahren, in denen Vindsval mit BLUT AUS NORD aktiv ist, schafft er es nun die Essenz dieser Black Metal-Formation so zu destillieren, dass etwas unsagbar Reines und Echtes dabei heraus kommt. Nicht musikalisch natürlich, denn schon mit dem ersten Teil der 777-Trilogie zeigten sich BLUT AUS NORD als kaum mehr klassifizierbar. Viel mehr spirituell rein. Ein halbes Jahr nach dem völlig unnahbaren 777 Sect(s) legen BLUT AUS NORD nach – und zaubern mit 777 – The Desanctification eine unwahrscheinlich dichte, verstörende Soundwand, die näher an GODFLESH ist, als an DEATHSPELL OMEGA: Vielleicht liegt es an den schweren Drumcomputer-Rhythmen, vielleicht an der insgesamt gedrosselten Geschwindigkeit. Durch das im Vergleich zu 777 Sect(s) deutlich zugänglichere Songmaterial wird die Welt von Vindsval jedoch nicht greifbarer. Es wirkt so, also würde sich der Nebel des Chaos vom Vorgängeralbum lichten und den Blick auf eine hässliche, verzerrte Welt freilegen.

Die Themen der sieben Stücke sind allesamt ähnlich, was der Homogenität von 777 – The Desanctification zu Gute kommt. Das monolithische und doch betörend schöne Album strotzt nur so vor bizarren Momenten, besteht aus dissonanten Riffs und Leadgitarren, stampfenden Rhythmen, verzerrten Trip Hop-Beats, eiskalten, seltsamen Synthesizern, einer breiten Palette an Gesangsstilen und mythischen, gesampelten Chören, wie in Epitome XII. BLUT AUS NORD hätten auf diesem Album das Potenzial gehabt, ihre ganze Kreativität auszuspielen, alles an Experimenten in diese knappe Dreiviertelstunde zu packen, das ihnen zur Verfügung stand, doch Mastermind Vindsval besann sich lieber auf eine klare Linie, der gefolgt wird, nicht jedoch ohne auf den Wegesrand zu blicken. 777 – The Desanctification ist also gleichzeitig geschlossen, als auch von erstaunlichem Weitblick gezeichnet.

Epitome VII gibt die Marschroute vor, windet sich, kriecht dahin, ist morbide und unheilvoll. Das, was danach folgt, erweitert das Spektrum des ersten Stücks, es ist wie ein kleiner Bildausschnitt, der langsam aber sicher ein großes Portrait bekannt gibt. Was BLUT AUS NORD hier zeichnen, ist das gänzlich Ungreifbare. Weder das Schlechte, noch das Gute, weder das Abstrakte, noch das Materielle. Es geht um das, was zwischen den Zeilen steht, und das zwingt den Hörer, sich selbst eine Interpretation zu suchen. An der Schwelle zwischen französisch-avantgardistischem Black Metal und Industrial im klassischen GODFLESH-Stil ist genügend Platz für BLUT AUS NORD, um ihr bisher mit Abstand bestes Album zu kreieren. 777 – The Desanctification ist tief, bizarr, anmutig und durch und durch verdorben. Wenn der Abschluss der 777-Trilogie nur halb so aufregend wird, wie The Desanctification, dann überleben wir das nicht. Klarer Fall: Mehr Gänsehaut gab es 2011 äußerst selten.

Veröffentlichungstermin: 11. November 2011

Spielzeit: 43:42 Min.

Line-Up:
Vindsval – Instrumente, Gesang

Label: Debemur Morti

Tracklist:

1. Epitome VII
2. Epitome VIII
3. Epitome IX
4. Epitome X
5. Epitome XI
6. Epitome XII
7. Epitome XIII