BETWEEN THE BURIED AND ME: The Parallax: Hypersleep Dialogues

BETWEEN THE BURIED AND ME: The Parallax: Hypersleep Dialogues

Oh je, wenn man sich schon nicht den Titel der neuen Veröffentlichung von BETWEEN THE BURIED AND ME merken kann, wie sieht es dann mit den Songs aus? Ob BETWEEN THE BURIED AND ME nun noch verstrahlter agieren? Nun, recht viel komplexer und bizarrer als The Great Misdirect kann es ja nicht mehr werden, und doch. Nach ungefähr zehn, zwölf Durchläufen verstehe ich immer noch nicht das Ganze, selbst wenn es sich hier dieses Mal nur um drei Songs mit einer Spielzeit von einer halben Stunde handelt. Diese EP sorgt also sicherlich bei manchen für ergrauendes Haupthaar, bei manchen wird sich bestimmt im Vorfeld schon die Erkenntnis eingestellt haben, dass The Parallax: Hypersleep Dialogues wieder ein schöner Wettlauf durch ein Labyrinth sein wird: Die Entschlüsselung von BETWEEN THE BURIED AND ME war in der jüngsten Zeit eben immer wie eine mathematische Herausforderung. Wenn man im Vorfeld schon weiß, dass ein Stück Musik allein beim Hören harte Arbeit bedeutet. Aber wir haben uns ja auch in Colors und The Great Misdirect reingehört. Also rein ins Schlachtgetümmel und viel Spaß mit The Parallax: Hypersleep Dialogues.

Doch wo es bei den Vorgängern gleich zu Beginn ein paar griffige, zugängliche Momente gab, schrecken BETWEEN THE BURIED AND ME schon mit Specular Reflection nach einem kurzen Klavierintro ab und zeigen, was die nächsten dreißig Minuten angesagt ist: Wirre Riffs, rhythmische Entgleisungen, alles jenseits von normalen Songstrukturen, eine kreative Explosion, eine gleichermaßen drakonisch-brutale Bestrafung von Fans des Mainstream-Metalcore und eine märchenhafte Zauberwelt für alle, die es nicht nur brutal, sondern auch progressiv mögen. Natürlich, die beiden Extreme von BETWEEN THE BURIED AND ME sind nach wie vor in der Musik des Quintetts aus North Carolina enthalten, somit gibt es neben der dieses Mal deutlich im Fokus stehenden Brutalität auch wieder einige melancholisch-epische Momente, außerdem einige mit Witz und Ironie ausgestattete Momente.

Wer DREAM THEATER liebt und wessen Horizont nur bis zu HATEBREED reicht, der wird dies für einen zusammen geworfenen Haufen Riffs und Geprügel mit romantischer Note halten, aber das war bei BETWEEN THE BURIED AND ME noch nie anders. Dafür macht The Parallax: Hypersleep Dialogues, das wirklich wie eine Horde zusammengeworfener Traumbilder klingt, einen ebenso geschlossenen Gesamteindruck wie Colors. Es klingt ebenso bedrohlich und finster wie ein Albtraum, hat aber auch blumige, Wunschvorstellungen gleichende Momente, die sich sowohl in Melancholie äußern können, wie Lunar Wilderness zeigt, aber auch Humor beinhalten können, wie der an MESHUGGAH erinnernde Polkateil in Augment Of Rebirth zeigt.

Jamie King hat diese, einem comichaftem Gewaltausbruch des tasmanischen Teufels gleiche, musikalische Reise wieder optimal eingefangen und sorgt mittels seinem transparenten Sound dafür, dass auch keines der zahllosen Details untergehen. Paul Waggoner und Dustie Waring an den Gitarren, Bassist Dan Briggs und Schlagzeuger Blake Richardson toben sich auf dem üblichen Niveau aus, Sänger Tommy Rogers wechselt wie üblich gekonnt zwischen seinem Gebrüll und dieses Mal besonders schönen klaren Gesangslinien, von denen er gerne hätte mehr liefern können. Auch seine Synthesizereinlagen, die gerne MR. BUNGLE zitieren, aber dieses Mal auch etwas atmosphärische Momente zeigen, könnten etwas mehr in den Vordergrund rücken.

Natürlich, BETWEEN THE BURIED AND ME können mit ihrem neuen Lebenszeichen The Parallax: Hypersleep Dialogues keine neuen Akzente mehr setzen, zumindest nicht in der Form, wie sie es mit dem Debütalbum, Alaska oder Colors geschafft haben. Stattdessen ist dieses Zwischending aus EP und Album bis zu einem gewissen Grat eine Pflichtübung der Band, in der sich neue Elemente, wie eine sehr authentische Verneigung vor MESHUGGAH, nur selten zeigen. BETWEEN THE BURIED AND ME sind somit fast vollständig gereift und auf der sicheren Seite. Gut ist The Parallax: Hypersleep Dialogues ohne Frage, auch wenn die Gänsehaut, die die drei oben genannten Alben der Band verursacht haben, dieses Mal nicht mehr auftauchen mag. Und das sollten sie auch trotz immer neuer technischer Experimente nicht vergessen, vielleicht sollten die fünf Musiker manchmal doch ein wenig mehr an ihre Fans denken. Das ist natürlich jammern auf hohem Niveau und sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass diese drei Songs wieder nur eins bedeuten: Infinite Jest natürlich.

Veröffentlichungstermin: 8. April 2011

Spielzeit: 30:02 Min.

Line-Up:

Tommy Rogers – Vocals, Keyboards
Paul Waggoner – Guitar
Dustie Waring – Guitar
Dan Briggs – Bass
Blake Richardson – Drums

Produziert von Jamie King und BETWEEN THE BURIED AND ME
Label: Metal Blade Records
MySpace: http://www.myspace.com/betweentheburiedandmeband

Tracklist:

1. Specular Reflection
2. Augment Of Rebirth
3. Lunar Wilderness

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle