ASTRONOID: Radiant Bloom

ASTRONOID schalten auf “Radiant Bloom” einen Gang zurück, bleiben aber trotzdem noch frisch und originell.

Mit Sicherheit handelt es sich nicht um Altersmilde, dass ASTRONOID auf ihrem dritten Full-Length-Album einen Gang zurückschalten. Die Black-Metal-Einflüsse sind nicht komplett verschwunden, treten nun jedoch immer häufiger in den Hintergrund, um der progressiv-postrockigen Seite der Band Raum zur Entfaltung zu geben. Statt handelsüblichem Shoegaze, der auf „Radiant Bloom“ definitiv seine Spuren hinterlässt, kreiert das Quartett eine Art Hybrid: Die verträumten und bisweilen entrückten Kompositionen besitzen genug Drive und Rückgrat, um sich nicht selbst in immer wiederkehrenden Loops zu verlieren.

Als lenkende Kraft dient hierbei Gitarrist Brett Bolands warme und unschuldige Singstimme, die über den dichten Arrangements schwebt und zu wohliger Tagträumerei einlädt. Dass wir uns in den Kompositionen nicht verirren, obwohl „Radiant Bloom“ gerade diese Seite der Menschlichkeit – die Reizüberflutung, die Vielzahl an Emotionen, die Herausforderung des täglichen Lebens – zum Thema hat, verdanken wir derweil nicht ausschließlich dem Frontmann.

Auch auf dem dritten Album bleiben ASTRONOID frisch und originell

ASTRONOID variieren gerne das Tempo, legen in „Eyes“ nach dem vergleichsweise entspannten Auftakt „Admin“ einen Zahn zu und mischen durch ein paar Blast-Beat-Salven das ohnehin antreibende Fundament noch weiter auf. „Sleep Whisper“ versprüht wiederum zwischen seinen fragenden Strophen im Refrain ein unerschütterliches Gefühl der Gelassenheit. Die US-Amerikaner mögen sich selbst gerne traumhaften Soundscapes hingeben, lassen uns dabei aber nicht in der Luft hängen: Die neun Stücke bleiben in der Regel griffig, egal ob „Human“ die Seele streichelt oder „Sedative“ mit energischem Drumming und metallischem Riffing ungewohnte Kontraste setzt.

In jedem Fall aber ist diese eigenwillige Genre-Mixtur ASTRONOIDs nach wie vor so frisch wie originell und kommt dabei sogar ohne nennenswerte Längen aus. Allein in der zweiten Hälfte entgleitet „Radiant Bloom“ der Halt ein kleines bisschen, wenn markante Stilmittel und Widerhaken etwas rarer gesät sind. Im großen Kontext empfinden wir das allerdings kaum als störend, zumal die Band rechtzeitig wieder Boden unter die Füße bekommt. „Decades“ mag ein unschuldig-naives Shoegaze-Finale sein, die Art und Weise wie Boland jedoch die Zeilen „I need no one“ vorträgt, birgt eine Gefasstheit und Überzeugung, die uns einfach nicht kalt lassen kann. Auch wir verstehen es jetzt besser: Es ist nicht verfrühte Altersmilde, die ASTRONOID den Fuß vom Gas nehmen ließ, sondern schlicht musikalische Reife – so viele Jahre haben die Mannen ja ehrlich gesagt ohnehin noch nicht auf dem Buckel.

Veröffentlichungstermin: 3.6.2022

Spielzeit: 46:02

Line-Up

Brett Boland – Vocals, Guitars, Percussion
Daniel Schwartz – Bass, Synthesizers
Casey Aylward – Guitars
Matt St. Jean – Drums

Produziert von John Weston (Drums), Brett Boland, Daniel Schwartz und Magnus Lindberg (Mastering)

Label: 3Dot Recordings / Century Media

Homepage: http://www.astronoidband.com/
Facebook: https://www.facebook.com/astronoidband

ASTRONOID “Radiant Bloom” Tracklist

1. Admin
2. Eyes (Video bei YouTube)
3. Sleep Whisper (Audio bei YouTube)
4. Sedative
5. I’ve Forgotten Your Face
6. Orchid
7. Drown
8. Human (Audio bei YouTube)
9. Decades