…AND OCEANS: Cypher

…AND OCEANS: Cypher

„Wahnsinn: Hatte ich diese verrückten Finnen bereits bei ihrem letzten Album “A.M.G.O.D.” in einem Anfall totaler Idiotie frenetisch abgefeiert, erscheint es mir doch erst jetzt wirklich gerechtfertigt. Denn „Cypher“, das auch auf LP unter dem Titel Insect Angels & Devil Worms rauskommt, ist mehr als sein Vorgänger, es ist gewaltig, berauschend, atmosphärisch und verdammt cool. Cool deshalb, weil Rock´n´Roll zwar eine Sache ist, die nicht sterben kann, der es aber trotzdem sehr gut bekommt, hin und wieder erfrischend modernisiert zu werden – was …AND OCEANS hier mit einer Spielfreude tun, die nach zehn Sekunden schon auf den Hörer überspringt, ihn gefangennimmt in einem Wust aus abgrundtiefer Düsternis und krassem Spaß und ihn garantiert so schnell nicht wieder loslässt.

Dass das so gut funktioniert, liegt nun vor allem daran, dass diese Musik interessanterweise das hält, was der Beipackzettel verspricht: das beste aus Industrial/Electro und Metal. Und das mit einer solchen Wucht in die Fresse geschlagen, dass es eine helle Freude ist. Das mitgelieferte Konzept des Ganzen, ein Abgesang auf die Menschen in 13 Kapiteln, wird zeitweise illustriert durch schlichten „Dancefloor-Metal“, der den Hörer auf die imaginäre Tanzfläche schickt, auf der der dann plötzlich Lust bekommt, alle anderen dort kurz und klein zu schlagen, durch elektronische Spielereien, durch rasenden Black Metal – und immer wirkt es, es wirkt dunkel, sehr dunkel, aggressiv, bösartig-fröhlich und sogar intelligent, denn hinter all dem (strukturierten) Krach versteckt sich eben mehr als nur das: was wir hören, ist eine Hassliebe zwischen Mensch und Mensch – so zumindest empfinde ich es, wenn Sänger Kenny singt: „You´re so pretty – Planet Dead“ oder in purer Raserei die „Absolute Purification of Sins“ ankündigt, nicht ohne vorher den guten Rat „Smile you slime“ zu geben. Und in „Planet Dead“ heißt es dann bei aller Wut schon wieder versöhnlich zynisch: „I love this world – with a bullet for each one“. Eine Aussage, über die sich diskutieren ließe – darüber, daß dieses Album hier einfach nur geil ist, kann man allerdings nicht streiten, dafür ist das dann doch zu offensichtlich. Wer´s nicht glaubt, höre alleine die erste Minute des Werkes, oder auch „Her Face Forms Worms“, meinen persönlichen Sommerhit, und verfalle in Extase. Ganz groß!

VÖ: 17.06.2002

Spielzeit: 47:16 Min.

Line-Up:
Kenny – vocals

Q -bass

Pete – guitar

T – guitar

Sami – drums

Anti – keyboards

Produziert von Tommy Tägtgren
Label: Century Media

Homepage: http://on.to/andOceans

Tracklist:
1. Fragile: Pictures Of Silence: Melting The Skies

2. Picturesque: Cataclysm Savour: And The Little Things That Make Us Smile

3. Angelina: Chtonian Earth: Her Face Forms Worms

4. Halcyon: The Heavy Silence: In Silent Rain

5. Aphelion: Light Evanescence: Into Extinction

6. Opaque: The Morning I Woke Up Dead: Today Is The Day

7. Aphid: Devil Flower: Fruits Of Lunacy

8. Voyage: Lost Between Horizons: Eaten by The Distance

9. Catharsis: End Of Organisms: Absolute Purification Of Sins

10. Silhouette: In White Rooms: Vacant Bodies

11. Comatose: The World Amnesia: Planet Dead

12. Debris: The Magenta Harvest: Liquid Flesh

13. Nail: And Odyssey In Flesh: Celebrate The New Skin

Andreas Holz
Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.