ALTER BRIDGE: One Day Remains

CREED-Hasser werden sich mit ALTER BRIDGE zwar nicht anfreunden können, dennoch sind es solche Alben, die wir uns eigentlich wünschen…

ALTER BRIDGE – One Day Remains, das ist Album eins für den Gitarristen und Songwriter Mark Tremonti. Album eins nach dem Ende von CREED. Es hört sich fast wie eine neue Zeitrechung an. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass CREED gerade mal drei Alben aufnahmen, davon jedoch unglaubliche 30 Millionen Exemplare verkauften.

Das Umfeld von Mark Tremonti hat sich dabei kaum geändert. An den Drums betätigt sich Scott Phillips (Ex-CREED) und den Bass bedient Brian Marshall, der bereits 2000 bei CREED ausstieg. Als Sänger konnte man Myles Kennedy von der ehemaligen CREED Support Band MAYFIELD FOUR gewinnen.

Es ist von der ersten Minute an unüberhörbar, dass durch die Trennung von Scott Stapp bei den Musikern jede Menge neue Kreativität freigesetzt wurde und sie diese auch ausleben dürfen. Natürlich hört man Harmonien, die auch schon Tremontis Kompositionen für CREED auszeichnen. Das melodische Open Your Eyes ist ein Paradebeispiel dafür. In der kompletten Scheibe steckt allerdings mehr musikalische Tiefe, die sich auch mal in längeren Gitarrensoli äußert. In einer solchen Form hat man Mark Tremonti definitiv noch nie gehört. ALTER BRIDGE können aber auch richtig heavy, wie in Metalingus, was durch raues Riffing überzeugt. Das Geschliffene, was zum Beispiel Human Clay auszeichnete, ist bei ALTER BRIDGE kaum zu finden. Und trotz der Ungeschliffenheit wirkt One Day Remains überaus durchdacht. Das liegt vor allem daran, dass das Album trotzdem nicht auf einprägsame Hooks und starke Melodien verzichtet. Das überwiegende Umgehen von einfachen Strukturen macht das Album zu jederzeit interessant und bereitet mit der akribischen Ausarbeitung der Ideen Freude beim Erkunden. Seien es die orientalisch angehauchten Scales am wuchtigen Ende von The End Is Here oder die Industrial Samples bei Watch Your Words. Die Songs sind sehr detailreich und beinhalten düstere und wütende Stimmungen, die zum einen mit epischen, wenig abgenutzten, Klangbildern präsentiert werden. Diese Klangbilder stehen dann im Kontrast zu den minimalistischen Parts, die der Melancholie Ausdruck verleihen, welche den Ort Alter Bridge, eine Brücke in Detroit, die die reichen Vororte mit der Innenstadt verbindet, umgibt. In den Texten beschäftigt sich die Band vor allem mit Alltagsproblemen.

ALTER BRIDGE ist also weitaus mehr als CREED minus Scott Stapp plus Myles Kennedy, der übrigens ausdrucksstark singt und hervorragend ins Klangbild passt, sich dabei aber nicht so stark als Zentrum der Band versteht wie damals Scott Stapp. Es wird deutlich, dass ALTER BRIDGE weit weniger kommerzielle Gedanken verfolgen als CREED. Tremonti & Co scheinen sich auf One Day Remains mehr zu entfalten und die Gefahr eines kommerziellen Fehlschlags einfach in Kauf zu nehmen. Wer etwas von Mark Tremonti hält, kommt an One Day Remains nicht vorbei. CREED-Hasser werden mit sich mit ALTER BRIDGE zwar trotz allem nicht anfreunden können, dennoch sind es solche Alben, die wir uns eigentlich wünschen…

Veröffentlichungstermin: 20.09.2004

Spielzeit: 55:23 Min.

Line-Up:
Mark Tremonti – Guitars

Scott Phillips – Drums

Myles Kennedy – Vocals

Brian Marshall – Bass

Produziert von Ben Grosse
Label: Sony

Homepage: http://www.alterbridge.com

Tracklist:
1. Find The Real

2. One Day Remains

3. Open Your Eyes

4. Burn It Down

5. Metalingus

6. Broken Wings

7. In Loving Memory

8. Down To My Last

9. Watch Your Words

10. Shed My Skin

11. The End Is Here