AINA: Days of Rising Doom – The Metal Opera

Hier hat man sich wirklich ganz schön ins Zeug gelegt – und somit dürfte klar sein, dass keiner an "Aina" vorbei kommt, der auf derartige Melodic-Metal-Oper-Projekte steht. Starke Songs kombiniert mit guten Gesangsleistungen und einer schönen Aufmachung machen "Aina" zu einer wirklich hervorragenden Veröffentlichung.

Wer hat diesen Trend zur Prog-/Melodic Metal Oper eigentlich gestartet? War es tatsächlich Arjen Lucassen als er mit The Final Experiment sein erstes Solo-Werk unter dem Banner AYREON veröffentlichte mit dem er einen deutlich anderen Weg ging als es z.B. SAVATAGE mit ihrem Streets-Album machten? Jedenfalls fällt mir spontan kein Werk ein, das im Metal-Genre zuvor mit einer Konzeptgeschichte, einem entsprechenden Aufbau und vor allem mit verschiedenen Sängern, von denen jeder seine eigenen Rolle zugeteilt bekommen hat, gearbeitet hat. Nachdem dieses Album zunächst aber relativ unbeachtet blieb, schaffte es Lucassen spätestens mit seinem dritten Werk weitere Musiker zu ähnlichen Geschichten zu inspirieren, wodurch wir inzwischen bei AINA gelandet wären, einem Metal Opera Projekt des deutschen Produzenten Sascha Paeth.

Seltsamerweise ist es aber inzwischen fast schon so weit gekommen dass manch einer schon das kalte Grauen bekommt wenn er nur die Worte Metal Oper zu lesen bekommt. Wenn dann auch wieder einmal die üblichen Verdächtigen wie Tobias Sammet, Damian Wilson oder Erik Norlander mit von der Partie sind steht bei vielen zunächst einmal Skepsis an – so auch bei mir.

Oft wirkt es so, als wolle man durch eine hohe Zahl an prominenten Gastmusikern möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, bei AINA wird einem aber dann doch schnell klar, dass man hier eine kleinen Traum verwirklicht hat.

Aina ist die englische Übersetzung des Wortes Aindahaj – die Einheimischenbezeichnung des Landes, in dem die Geschichte dieses Albums spielt. In Aindahaj herrscht ein friedliches Miteinander, Bösartigkeit ist den Bewohnern ein Fremdwort, Zwist und Krieg gab es seit Jahrtausenden nicht mehr. Die Propheten wissen es aber besser: dunkle Wolken werden am Himmel auftauchen und das Donnergrollen aus der Ferne beginnt als sich die beiden Königssöhne in dieselbe Frau verlieben und der erwählte Thronfolger von der Angebeteten verschmäht wird. Also verbannt er sich selbst aus dem Königreich und trifft auf ein gar garstiges Volk – die Krakhon. Diese sehen ihn als von ihrem bösen Gott Sorvahr gesandt und die beiden Identitäten verschmelzen miteinander. Rache an seinem eigenen Volk zu üben quält den Verstoßenen und so rüstet er zum Kampf gegen das vollkommen wehrlose Volk der Aina und entführt seine Angebetete….

Die Grundlagen für eine recht vorhersehbare Fantasy-Geschichte mit leichten Logikfehlern und einer Prise Verbotene Liebe sind also gelegt und auch wenn die Geschichte an sich nicht besonders faszinierend ausgefallen ist, muss man die Umsetzung als absolut gelungen bezeichnen. Was die Rahmenstory an sich nicht unbedingt zum Ausdruck bringt: bei Aina wurde in allen Belangen mit einer sehr großen Detailverliebtheit gearbeitet und das zieht sich durch zur Aufmachung und Inhalt der hervorragend gemachten limitierten Buch-Edition.

In 15 Songs inklusive Intro wird der Geschichte vom Fall des AINA-Volkes erzählt, von denen jeder einzelne für sich stehen kann und dennoch ergeben alle zusammen ein stimmiges Ganzes. Die Basis der Musik ist klar: melodischer Metal wird geboten, der aber zum Glück nicht zwingend durchgehend schnell sein muss. Und so sind es vor allem die flotten Stücke, die eher wenig Überraschungsmomente in sich bergen.

Einen richtigen Höhepunkt hat AINA jedenfalls schon mit Song drei zu bieten, der bis auf einen ehemaligen Metal-Sänger mit Metal gar nichts am Hut hat. Umso verzaubernder ist Silver Maiden aber ausgefallen, das klassische Opernanleihen mit japanischer Folklore verbindet und durch den Gesang von Michael Kiske einfach nur grandios rüber kommt. Da zeigt der Mann mal wieder seine ganze Klasse, der ein Herr Sammet im folgenden Song Flight of Torek nichts entgegen zu bringen hat und im selben Stück auch noch von einem Glenn Hughes in Bestform zu Boden getreten wird. ABER: Sammets Stimme passt natürlich perfekt zum Doublebass-Teil des Songs und man muss schon auch zugestehen dass er durch seine Intonation ordentlich Power und Wiedererkennungswert herausholt.

Im weitern Verlauf wird der Hörer mit einer erstaunlich breiten Stilvielfalt konfrontiert, die die Gesamtatmosphäre des Albums aber zu keinem Zeitpunkt zunichte macht. Auch die melodischen Uptempo- und Speednummern wurden mit vielen Überraschungsmomenten ausgestattet, düstere Krakhon-Chöre (Nashtok is born) stoßen auf himmliche Kinderchorgesänge (The Siege of Aina), die auf diesem Album sehr stimmungsvoll eingesetzt wurden, bluesige Gitarrenleads treffen auf poppige Songarrangements (Talon´s Last Hope), klassische Instrumentierung auf metallische Songgerippe. Und alles wird zusammengehalten von dieser stimmigen Melodic-Metal-Oper-Atmosphäre, bei der man das Gefühl hat dass jeder Beteiligte hier mit voller Überzeugung agiert. Neben Glenn Hughes (auf diesem Album in Topform) und Michael Kiske legt eigentlich jeder Gastmusiker eine klasse Arbeit vor, besonders Thomas Rettke (HEAVEN´S GATE) wirkt mit seiner Rolle als Torek allerdings wie ein Bindeglied zwischen allen Komponenten und sollte meiner Meinung nach besondere Erwähnung finden.

Doch, diese Metal Oper macht mal wieder richtig Spaß und hat Charme, wer es aber ganz richtig machen will, der legt sich gleich das Digibook zu, das zu dem eigentlichen Album noch eine ganze Menge weiterer Features bereit hält. Eine CD und eine DVD gibt es da nämlich noch als Bonus, die das ganze zu einem echten Value-for-Money-Produkt machen. Die Audio-CD bietet da zunächst zwei Versionen von The Story of Aina, einer instrumentalen Zusammenfassung der Geschichte, wobei bei der zweiten Version zusätzlich noch die im Booklet niedergeschriebene Geschichte über der Musik erzählt wird – das wären schon zwei mal 15 Minuten Musik/Bonusmaterial. Des weiteren gibt es von The Beast Within, Flight of Torek und The Siege of Aina drei Singleversionen der Album-Songs, die ihrer Natur nach etwas entbehrlich ausgefallen sind. Interessant dagegen sind allerdings die Demo-Versionen der CD ausgefallen. Das ruhige Rape of Oria kommt hier nämlich in der Ainae Version daher, also in der Sprache, die Amanda Somerville speziell für diese Oper entwickelt hat und die deutliche Ähnlichkeiten zur Sprache der Elben in Tolkien´s Herr der Ringe aufweist – wie könnte es auch anders sein (die Hochkommas übrigens deshalb, da mir nicht bekannt ist, wie weit Amanda Somerville diese Sprachentwicklung getrieben hat). Amanda ist es im Übrigen auch, die die Vocals zur Alternativversion von Silver Maiden beisteuert, wobei sie eine hervorragende Arbeit abliefert, gleichzeitig verdeutlicht dieser Song aber nochmals, welch hervorragende Arbeit Michael Kiske hier abgeliefert hat. Die Demo-Version von Talon´s Last Hope mit dem Gesang von Robert Hunecke-Rizzo komplettiert die Bonus-Audio CD und somit wären wir bei der Beyond the Borders-DVD angekommen. Auf dieser ist zunächst einmal das computeranimierte und ganz nett gemachte Video zu The Beast Within zu sehen, das sich z.B. vor dem letzten MAIDEN-Clip nicht zu verstecken braucht. Mit The Making of Aina gibt es eine unterhaltsame kurze Dokumentation zur Entstehung von Aina, in der man in kurzen Zusammenschnitten einen kleinen Einblick in die Arbeit der beteiligten Musiker bekommt. The Story of Aina unterstützt dann nochmals visuell die bereits auf der Audio-CD vertretenen Songs The Story of Aina, indem zum einen die liebevoll gemachten Zeichnungen des Booklets in einer Slide-Show präsentiert werden und man gleichzeitig die Geschichte auf dem Bildschirm nachlesen kann. Hier hat man sich also wirklich ganz schön ins Zeug gelegt – und somit dürfte klar sein, dass keiner an Aina vorbei kommt, der auf derartige Sachen steht. Starke Songs kombiniert mit guten Gesangsleistungen und einer schönen Aufmachung machen Aina zu einer wirklich hervorragenden Melodic-Veröffentlichung.

Veröffentlichungstermin: 16. Februar 2004

Line-Up:
Sascha Paeth – Produzent & Arrangeur

Robert Hunecke-Rizzo – Produzent, Drums, Guitar, Bass & Arrangeur

Amanda Somerville – Artistic & Literary Conception, Story & Lyrics, Vocals

Miro – Keyboards, Arrangements

Gesang:

Sebastian Thomson

Damian Wilson

Michael Kiske

Glenn Hughes

Tobias Sammet

Thomas Rettke

Olaf Hayer

Cinzia Rizzo

Rannveig Sif Sigurdadottir

Candice Night

Andre Matos

Sass Jordan

Marko Hietala

Simone Simons

The Trinità School Boys Choir

Oliver Hartmann

Herbie Langhans

Ann Shee

Musiker:

Olaf Reitmeier – Acoutstic Guitar

Derek Sherinian – Keyboard

Jens Johansson – Keyboard

T.M. Stevens – Bass

Axel Naschke – Orgel

Emppu Vuorinen – Guitar

Thomas Youngblood – Guitar

Erik Norlander – Keyboard

Andreas Pfaff – Violine

Gregor Derck – Violine

Thomas Glöckner – Violine

Stefanie Priess – Viola

David Schlage – Viola

Lauri Angervo – Cello

Jörn Kellermann – Cello

Produziert von Sascha Paeth
Label: Transmission Records / Alive

Hompage: http://www.thestoryofaina.nl

Tracklist:
1.Aina Overture

2.Revelations

3.Silver maiden

4.Flight of Torek

5.Naschtok is born

6.The beast within

7.The siege of Aina

8.Talon´s last hope

9.Rape of Oria

10.Son of Sorvahr

11.Serendipity

12.Lalae amer

13.Rebellion

14.Oriana´s wrath

15.Restoration

Disc 2

1.The story of Aina (Instrumental)

2.The beast within (Single Version)

3.Ve toúra sol (Rape of Oria) (Ainae Version)

4.Flight of Torek (Single Version)

5.Silver maiden (Alternate Version)

6.Talon´s last hope (Demo)

7.The siege of Aina (Single Version)

8.The story of Aina