PARADISE LOST, 1.September 2017, Stuttgart LKA (Special Show zur Veröffentlichung von „Medusa“)

 

PARADISE LOST KOnzertfoto libe Stuttgart LKA 1.9.2017

PARADISE LOST live am 1. September 2017 in Stuttgart

Keine Vorgruppe, Songs auf der Setlist, die keiner kennt – weil das neue PARADISE LOST-Album „Medusa“ erst seit ein paar Stunden offiziell erhältlich war – und das ausgerechnet in Stuttgart – kann das gutgehen? Eine halbe Stunde nach Einlass sah’s noch nicht danach aus, große Lücken klafften im Publikum. Einige Die-Hard-Fans verteidigten aber schon jetzt ihren Platz in der ersten Reihe, vereinzelt gab’s auch ganz, ganz alte PARADISE LOST-Shirts zu sehen. Doch nach und nach wurde es voll – und PARADISE LOST kamen auf die Bühne, freundlich begrüßt vom Publikum.

PARADISE LOST wirkten nervös

PARADISE LOST GREG MACKINTOSH live Stuttgart Konzertfoto

PARADISE LOST-Gitarrist Greg Mackintosh

Die Anspannung war PARADISE LOST anzusehen, als sie mit dem „Medusa“-Opener „Fearless Sky“ ihr Konzert begannen. Und irgendwie übertrug sich das aufs Publikum: Die Stimmung während der ersten Songs war merkwürdig, irgendwie schienen alle darauf zu warten, dass der Knoten endlich platzt.

Nick Holmes war gut in Form, ziemlich mühelos zog er all seine Register von wirklich beindruckenden Growls bis hin zum sauberen Klargesang. Das klappte live also schon mal richtig gut – auch wenn seine Vocals stellenweise gedoppelt waren (und später bei „From The Gallows“ plötzlich Gesangsspuren eines anderen Songs zu hören waren – worüber die Band nach kurzer Irritation aber einfach hinwegspielte).

Greg Mackintosh, mit neuem schwarz gefärbtem Iro und ziemlich bleichem Teint, machte einen hochkonzentrierten Eindruck und schien sichtlich erleichtert, als der Applaus mit jedem Song lauter wurde. Bewegt hat er sich trotzdem erst im zweiten Teil des Sets – da war immerhin ein kurzer Spaziergang zu Drummer Waltteri Väyrynen drin.

 

PARADISE LOST Waltteri Väyrynen Konzertfoto live Stuttgar

PARADISE LOST-Drummer Waltteri Väyrynen

 

Und da Gitarrist Aaron Aedy und Bassist Steve Edmondson auch nur konzentriert auf ihre Griffbretter schauten und nur ab und zu einen Blick auf die inzwischen ordentlich gefüllten Pubikumsreihen warfen, konnte man sich ganz auf die neuen Songs konzentrieren – von Stageacting braucht man hier nicht zu reden.

Dafür gab Schlagzeuger Waltteri alles, abgesehen davon, dass er wirklich verdammt gut ist und einen eigenen Stil hat, war es eine Freude, ihm zuzusehen. Nicht nur, dass er ständig auf seinem Drumhocker in Bewegung war, er freute sich einfach unbändig, an diesem Abend mit dieser Band auf dieser Bühne zu sein – das war unübersehbar.

„Medusa“ funktioniert auch live

PARADISE LOST Nick Holmes Konzertfoto live Stuttgart

PARADISE LOST-Sänger Nick Holmes

So langsam tauten Band und Publikum auf, spätestens zu „The Longest Winter“, das ja auch vorab veröffentlicht wurde und deshalb bekannt war, kam endlich ein bisschen Bewegung ins Publikum. Bizarr ist es trotzdem, wenn der Nebenmann in der vierten, fünften Reihe ungestört während des Konzerts ein Panorama-Selfie von sich und seinen Kumpels machen kann. Noch bizarrer wird’s, wenn man nochmal ein paar Meter weiter vorne mit strafenden Blick ermahnt wird, man möge doch „nicht so wild“ sein. Wie sagte Nick Holmes so schön, als er das Publikum begrüßte – er schätze das Stuttgarter Longhorn, PARADISE LOST wären ja auch vor langer Zeit schonmal hier gewesen – damals noch mit mehr Haaren auf dem Kopf. Tja, und damals, 1993 als die Band ihr Album „Icon“ vorstellte, gab es direkt vor der Bühne auch noch mehr freundliches Gerempel und Gedrängel statt Beschwerden. Sei’s drum – alles in allem kam das neue Album gut an und abgesehen von einem Missgriff Greg Mackintoshs auf der Gitarre und einem falschen Drum-Einsatz von Wlatteri Väyrynen passte dann doch alles – und die neuen, doomigen PARADISE LOST sind auch live ein neues Erlebnis.

Highlights waren der Titelsong von „Medusa“, dessen Komplexität live einfach gefangen nimmt und „Blood And Chaos“, wo zum ersten Mal richtig Bewegung ins Publikum kam. Auch wenn auf mich der eingängige Song auf dem doomlastigen Album wie ein Fremdkörper wirkt, live ist es tatsächlich ein kleiner Hit, der irgendwann fast gar in der Tradition von Songs wie „Shadowkings“, „Embers Fire“ oder gar „As I Die“ stehen könnte.

Das „Greatest Hits“-Programm von PARADISE LOST

steve edmondson aaron aedy PARADISE LOST live Konzertfoto Stuttgart

Steve Edmondson (Bass) und Aaron Aedy (Gitarre)

Nach einer kurzen Pause kehrten PARADISE LOST zurück auf die Bühne – für den zweiten Teil des Konzerts, über dessen Setlist die Fans vorab im Netz abstimmen konnten. Im Interview zu „Medusa“ erwähnte Greg Mackintosh, dass die Setlist mit einer Ausnahme keine Überraschung für ihn gewesen sei, lediglich mit der Coverversion von BRONSKI BEATS „Smalltown Boy“ habe er nicht gerechnet.

Schon beim ersten Song „Embers Fire“ war das Publikum zu 100 Prozent bei der Sache – und das sollte sich auch nicht mehr ändern. Auch die Band wirkte befreit, Nick Holmes gönnte sich ein Bierchen und stellte fest, dass das Tannenzäpfle, von dem er vorsichtig nippte, „pures Dynamit“ für ihn sei. Schön, dass er das Zäpfle zu schätzen wusste. Das Publikum musste mit Bier vorlieb nehmen, das auf Vorrat gezapft wurde – und auch so schmeckte. Gitarrist Aaron Aedy groovte sich in seine eigene Welt, selbst- und taktvergessen schwang er hin und her. Gefreut hat mich, dass es auch „No Hope in Sight“ von „The Plague Within“ auf die Setlist geschafft hat – PARADISE LOST spielten es direkt nach dem poppigen „Erased“ und zeigten damit nochmals wie vielseitig diese Band doch ist. Mit „Smalltown Boy“ endete das reguläre Set – und wie Nick Holmes erzählte,, musste nicht nur Greg den Song neu lernen, auch Basser Steve Edmondson hasse den Song.

Mit „Just Say Words“ und einer wirklich tollen Version von „The Last Time“ verabschiedeten sich PARADISE LOST angemessen vom Publikum – die „As I Die“-Rufe der Die Hard-Fans wurden von den Briten jedoch nur mit einem breiten Grinsen quittiert. Ein sehr schöner Konzertabend, sichtlich anstrengend für die Band und spannend für Publikum. Doch PARADISE LOST können ganz beruhigt mit ihren neuen Songs auf Tour gehen – das funktioniert alles prima.

paradise lost stuttgart lka medusa release show

PARADISE LOST am 1. September 2017 in Stuttgart (LKA): Releaseshow „Medusa“

 

Setlist PARADISE LOST 1.9.2017, Stuttgart

Fearless Sky
Gods Of Ancient
From The Gallows
The Longest Winter
Medusa
No Passage For The Dead
Blood And Chaos
Until The Grave

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Embers Fire (Icon)
Shadowkings (Draconian Times)
Eternal (Gothic)
Hallowed Land (Draconian Times)
Erased (Symbol Of Life)
No Hope In Sight (The Plague Within)
True Belief (Icon)
Small Town Boy (Symbol Of Life)

Say Just Words (One Second)
The Last Time (Draconian Times)

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andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...