PARACHUTES, TODAY FOREVER, SILVERSTEIN: Karlsruhe, Die Stadtmitte, 04.06.2007

PARACHUTES, TODAY FOREVER, SILVERSTEIN: Karlsruhe, Die Stadtmitte, 04.06.2007

Es mag Leute geben, die ein wenig schwer von Begriff sind. Trotzdem darf man wagemutig davon ausgehen, dass der durchschnittliche Konzertbesucher zumindest ahnt, was es mit einem Merchandise-Stand auf sich hat. Das fortlaufende Verbal-Marketing von PARACHUTES ist also weder logisch zu erklären noch besonders unterhaltsam. Nach jedem Lied folgt die obligatorische Ansage: Das ist unser neues / altes Lied, das gibt es auf unserer neuen / alten CD – der Homepage – passend zum T-Shirt / Button / Poster. Das Publikum ist so geplättet, dass selbst die sich aufdrängende Gegenreaktion Halt’s Maul und spiel! ausbleibt.

Zwischen den Werbeeinblendungen bieten die Saarländer dann doch noch ein wenig Musik. Und die ist, wie man zugeben muss, deutlich besser als ihr Gequatsche. Auch wenn der letzte Kick ausbleibt, hinterlässt die Screamo/Post-Hardcore-Mischung von PARACHUTES einen durchaus positiven Eindruck. Der kompakte Klang und das stimmige Timing zeigen deutlich, dass die Jungs schon viel durch die weite Welt getingelt sind. Mal schauen, wohin sich das Ganze in den nächsten Jahren noch entwickelt.

Wesentlich fokussierter gibt sich die zweite Band des Abends, TODAY FOREVER. Auf die launige Ansage des Sängers Ich bin P!NK und das ist mein neues Lied folgt die noch launigere Interpretation der ersten Zeilen des Songs U + UR Hand: I´m not here for your entertainment. Von wegen keine Unterhaltung. TODAY FOREVER bieten großes Kino. Kein Song über drei Minuten lang, alles dreckig hingerotzt und immer schön nach vorn. Der Körper setzt fleißig Endorphine frei – wer nicht mitmacht, ist taub oder tot.

Kein Wunder, dass SILVERSTEIN bereits vor knapp 1,5 Jahren an Ort und Stelle mit den fünf Herren rockten. Man ist sich noch immer freundschaftlich verbunden, tourt zusammen, kauft die Fanartikel des jeweils anderen auf (da ist es wieder, das meine-CD-deine-CD-Thema) und widmet sich so manchen Song. Wer die Musik von TODAY FOREVER unbedingt in eine Kategorie pressen will, kann es mit der Hardcore mit Melodien und ja, sogar Gefühl, aber ohne pathetisches Gestammel, dafür mit viel Energie-Schublade versuchen. Oder man lässt die Gehirnakrobatik einfach, holt sich noch ein Bier und feiert stattdessen.

Den Headliner, SILVERSTEIN, braucht man den rund 300 Konzertbesuchern nicht mehr zu erklären. Gerade zurück von Rock am Ring, gibt es in der Stadtmitte einen raren Club-Gig der Kanadier, bei dem nahezu jedes Lied vom Publikum mitgesungen wird. Man kann ja von Emocore und den Abgesandten halten was man will – zu poppig und nicht hart genug – aber live funktioniert die Musik von SILVERSTEIN überraschend gut. Zumal, wenn man die äußerst glatt produzierten CDs der Jungs als Vergleichswert im Ohr hat.

Das aktuelle Werk Arrivals & Departures wird im Juli erscheinen, doch schon an diesem Abend gibt es den einen oder anderen Song zu hören. Oder wie es die Band ausdrückt: We won´t mess around. We´ll just play track one and two. Ok, here we go – that´s track one. Da soll mal einer sagen, die heutige Jugend halte nichts mehr von Ordnung. Musikalisch gibt’s das gleiche Erfolgrezept wie immer: sangbare Melodien, sparsam dosierte Härte und mainstreamige Arrangements. Trotzdem – live gar nicht schlecht.

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