VENDETTA: Go And Live… Stay And Die / Brain Damage (Re-Releases)

VENDETTA: Go And Live… Stay And Die / Brain Damage (Re-Releases)

VENDETTA sind eine dieser Bands, die bisher leider unter meinem Radar geflogen sind. Nun veröffentlichen Massacre Records Re-Releases der beiden ersten Alben der Band aus den Jahren 1987 und 1988 und ich kann dieses Versäumnis nachholen. Nach zwei Demos in den Jahren 1985 und 1986 erschien 1987 das Debüt “Go And Live… Stay And Die”. Darauf spielt die Band vertrackten, technischen Speed bis Thrash Metal. Dabei fallen mir die Landsleute von PARADOX aber mit Abstrichen auf die großartigen HADES ein. Auch METALLICA und MEGADETH sind als Einflüsse klar auszumachen. Diese Mischung trifft bei mir genau den richtigen Nerv. VENDETTA schütten eimerweise Breaks, Tempowechsel und irre Soli über den Hörer aus.

Langweilig wird einem beim Hören jedenfalls so schnell nicht. Der Opener “Suicidal Lunacy” und “Traitor´s Fate“ sind breaklastige Techno Thrash-Abfahrten, der Titelsong ist ein verhältnismäßig straigther, von einem sehr an METALLICA erinnernden Hauptriff getragener Up Tempo-Thrasher. Dem gegenüber steht die kurze, heftige Thrash-Explosion namens “Drugs And Corruption”. Der Song geht mit der Melodie von “Hänschen Klein” los, dann wird eine Minute Vollgas gegeben und Feierabend. Das hektische „On The Road“ ist zwar fast dreimal so lang, wie „Drugs And Corruption”, was VENDETTA aber nicht davon abhält, den Song im ähnlichen Tempo durchzuprügeln. Dabei wirkt das instrumentale Inferno, welches VENDETTA entfachen niemals ermüdend, sondern immer mitreißend. Man spürt einfach die unfassbare Spielfreude der Musiker, die sich so richtig austoben. Den Abschluss bildet “And The Brave Man Fails”, ein, im Vergleich zum Rest fast schon “gewöhnlicher”, melodischer Speed Metal-Song. Wobei gewöhnlich hier gar nicht abwertend klingen soll, denn auch “And The Brave Man Fails” ist ein verdammt guter Song.

Ein Jahr später erschien das zweite Album “Brain Damage”, auf dem die Band ein Stück weit gestraffter zu Werke ging. Die Songs sind kompakter und fokussierter, der Gesang etwas melodischer, aber immer noch mit dieser liebenswerten Schnodderigkeit. Gefühlt ist der METALLICA-Einfluss hier noch etwas mehr auszumachen. Aber versteht mich nicht falsch, auch auf “Brain Damage” hauen VENDETTA uns noch Breaks ohne Ende um die Ohren. Auch vor dezenten Funk Metal-Einflüssen schreckt die Band auf “Brain Damage” nicht zurück. Mit “Precious Existence” gibt es auch fast so etwas, wie eine Halb-Ballade… oder Drittel-Ballade? Na ja, jedenfalls einen etwas ruhigeren Song. Das folgende “Dominance And Violence” zitiert wiederum gekonnt die frühen MEGADETH, inklusive einer gewissen Jazzigkeit. Auch das zweite Album der Schweinfurter ist ein fantastisches Stück anspruchsvoller Thrash Metal. Welches der beiden Alben ich bevorzuge, ist schwer zu sagen, aber das etwas “wildere” Debüt hat wohl knapp die Nase vorn.

Produziert wurden beide Alben damals von der Band und Harris Johns. Das Remastering erfolgte durch Jacky Lehmann. Beide Alben kommen mit einem Live-Bonustrack und sind somit , was die Tracklist angeht, wohl identisch mit den 2007er Re-Releases auf Metal Axe Records. Beide Bonussongs sind in meinen Augen nichts, was den Release großartig aufwertet. Wer die Originale hat, muss also nicht noch mal den Geldbeutel aufmachen. Wer diese beiden Alben allerdings noch nicht hat, sich aber für technischen Speed und Thrash Metal begeistern kann, der muss hier unbedingt zuschlagen! Mit diesen beiden Alben waren VENDETTA eigentlich locker international konkurrenzfähig. Leider wird man mit dieser speziellen Art des Speed und Thrash eben im Normalfall nicht berühmt und so sind VENDETTA immer hinter den großen der Szene zurückgeblieben. Das ändert aber nichts an der überragenden Qualität dieser beiden Alben. Schade ist auch, dass weder die aktuelle VENDETTA-Besetzung mit Klaus „Heiner“ Ullrich als einzigem Originalmitglied noch BRAIN DAMAGE mit den beiden Ex-VENDETTA-Gitarristen Daxx und Micky auch nur annähernd an die Klasse ihrer Frühwerke anknüpfen konnten. Vielleicht kann man diese Art von Mucke nur komponieren und spielen, wenn man noch jung und ungestüm ist…

VÖ: 26.05. / 16.06.2017

Spielzeit: 45:48 / 41:54

Line Up:
Daxx – vocals, guitars
Micky – vocals, guitars
Heiner – bass
Samson – drums

Produziert von: VENDETTA & Harris Johns

Label: Massacre Records

Bandhomepage: http://www.vendetta-band.de
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/Vendetta.official.Thrash.Metal.Page

Tracklist:
Go And Live… Stay And Die:
01. Suicidal Lunacy
02. Go And Live… Stay And Die
03. Traitor’s Fate
04. System Of Death
05. Drugs And Corruption
06. Revolution Command
07. On The Road
08. And The Brave Man Fails
09. Brain Damage (Live)

Brain Damage:
01. War
02. Brain Damage
03. Conversation
04. Precious Existence
05. Never Die
06. Love Song
07. Fade To Insanity
08. Dominance Of Violence
09. Metal Law
10. War (Live)

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