SIGH: Heir to Despair

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Auf ein neues SIGH-Album kann man sich eigentlich nie vorbereiten. Egal wie die Snippets auf YouTube sein mögen – das Album an sich ist immer eine Wundertüte, die sich um ein Vielfaches vielschichtiger präsentieren mag als der Marketing-wirksame Teaser im Internet.

„Heir to Despair“, das elfte Album der genialen Japaner, ist diesbezüglich keine Ausnahme. Das Cover wirkt auf den ersten Blick süss, doch schaut man genauer hin, ergreift die innewohnende Unheimlichkeit von einem Besitz, dass Freud seine helle Freude daran hätte.

 

Wenn Tradition auf Avantgarde trifft

Das erste, was bei „Heir to Despair“ auffällt, ist die Produktion. Die erste Reaktion ist „Es kann nur SIGH sein“, die zweite Reaktion „Endlich hat jemand SIGH eine druckvolle, coole Metal-Produktion verpasst“ – und dieser positive Aspekt hält sich durchs ganze Werk. Natürlich ziehen SIGH in Sachen Innovation und Abwechslungsreichtum wieder alle Register – und schaffen es selbst nach so vielen Alben, noch immer zu überraschen. So liefern SIGH einerseits heroische Metal-Riffs wie zu Beginn von „Homo Homini Lupus“, nur um danach in Gebretter mit abgefahrenen Chören und chromatischen Gitarrenleads auszubrechen.

Darf es etwas Nippon sein?

Während man das eine oder andere traditionell klingende Metalriff schon zu früheren Zeiten bei SIGH hören konnte, erstaunen andere „traditionelle“ Griffe in die Überraschungskiste schon mehr. So holen sich SIGH kurzerhand einen Shamisen-Spieler ins Boot und runden die japanische Erfahrung für die Hörerschaft mit teilweise japanischen Lyrics ab. Das ist insbesondere für JPop/JRock-Anhänger interessant, da Japanisch bei SIGH so ganz anders wirkt als bei THE GAZETTE oder vergleichbaren Truppen.

Mit Groove zum Titeltrack-Höhepunkt

Nicht nur mit dem Synkopen-übersäten “Hunted not horned” grooven sich SIGH gekonnt durch ihre avantgardistische, eigenständige Musiklandschaft – nein, sie wollen es zum Abschluss von „Heir to Despair“ nochmals wirklich wissen und erschaffen einen monströsen, über zehn Minuten dauernden Titeltrack. Dieser zeigt, dass alle exotischen Instrumente und abwechslungsreichen Kompositionen eben doch einem einzigen Gott hörig sind: dem guten Songwriting. Und so führt der Track „Heir to Despair“ für Staunen und Gänsehaut, für dissonanten Musikgenuss der Extraklasse – SIGH schliessen ihr elftes Album mit einem epischen Höhepunkt ab und lassen ihrer Energie freien Lauf.

Uneingeschränkte Kaufempfehlung

„Heir to Despair“ beweist einmal mehr, dass SIGH eine absolute Ausnahmeband sind. Wirre Melodien, die irgendwie doch Sinn machen, Gefühle, die durcheinanderwirbeln und plötzlich ihren Platz im Universum einnehmen, und Eigenständigkeit, die ihresgleichen nicht einmal sucht, weil sie in einer anderen Galaxie positioniert ist. SIGH sind auch 2018 noch eine wunderbar skurrile Band und „Heir to Despair“ gehört in jede Querdenker-CD-Sammlung…

 

Veröffentlichungsdatum: 16.11.2018

Spielzeit: 52:42

Label: Candlelight Records

Website: http://sigh.thebase.in/

Facebook: http://www.facebook.com/pages/SIGH-official-page/227550909275

 

Line Up

Mirai Kawashima – Vocals, Keyboards, Taishogoto, Flöte, Piccolo

Satoshi Fujinami – Bass

Junichi Harashima – Drums

Dr. Mikannibal – Vocals, Alt-Saxofon

You Oshima – Gitarren

 

Gastmusiker

Phil Anselmo – Vocals

Kevin Kmetz – Shamisen

SIGH “Heir To Despair” Tracklist

  1. Aletheia
  2. Homo Homini Lupus
  3. Hunters Not Horned
  4. In Memories Delusional
  5. Heresy (Part 1: Oblivium)
  6. Heresy (Part 2: Acosmism)
  7. Heresy (Part 3: Sub Species Aeternitatis)
  8. Hands of the String Puller
  9. Heir to Despair