MASTODON: Crack the Skye

MASTODON: Crack the Skye

Weißt du, ich war schon enttäuscht von Blood Mountain. Weil die erste Hälfte das Beste war, was diese MASTODON bis dahin gemacht haben, die zweite Hälfte schon eher langweilig, auch wenn ich es mir mittlerweile schön gehört habe. Und vor Crack the Skye war ich auch skeptisch, ist ja klar. Weil Haus- und Hofproduzent Matt Bayles den Rücken gekehrt, Brandon O´Brien an den Reglern und vielleicht noch mehr Dahingeplätschere. Aber was mein Hirn befürchtet hat, hat mein Herz nicht hören wollen. Das hat sich auf Crack the Skye gefreut wie ein Verdurstender in der Wüste auf ein süffiges Kellerbier.

Und nicht, dass du glaubst, meine Intuition steht der einer Frau in nur irgendetwas nach. Crack the Skye ist eine Sensation. MASTODON haben mit Blood Mountain nur Anlauf genommen und zu einem Sprung angesetzt, der sie durch die Jahrzehnte in die Siebziger trägt. Das vierte Album des Gespanns aus Atlanta ist eine gigantische Huldigung von Progressive Rock-Bands wie KING CRIMSON und deren Brüdern. Das heißt, die Sludge und Hardcore-Anleihen sind fast gänzlich verschwunden, stattdessen frickeln MASTODON wie die Verrückten durch die fünfzig Minuten des Albums, aber, jetzt kommt es: Mit Gefühl, Herz und Hirn. Hier steht eindeutig der Song im Vordergrund, jede Nummer ist trotz der irrsinnigen Gitarrenattacken nachvollziehbar und bleibt schnell im Gedächtnis, nutzt sich aber nicht ab, wächst stattdessen immer weiter, die ganzen Details offenbaren sich erst nach mehrmaligem Hören.

Und Crack the Skye beginnt auch sehr eingängig, mit dem Opener Oblivion, das nach einem kurzen Intro mit einem verdrehten, aber zuckersüßem Refrain aufwartet. Jetzt, machen MASTODON auf einmal Pop? Nein, natürlich nicht. Aber wie du auch an den folgenden Nummern merken wirst, Brendan O´Brien hat einen nicht zu verachtenden Einfluss auf die vier Musiker ausgeübt, vor allem im Hinblick auf die Gesangsarrangements. Klar, in den Siebzigern haben sie noch nicht so rumgebrüllt, wie zwanzig Jahre später, also steht auch der klare Gesang von Brent Hinds deutlich im Vordergrund im Vergleich zu Troy Sanders, der sich aber trotzdem mit Erfolg an klarem Gesang versucht. Aber dieses OZZY-Feeling in den Vocals von Brent, die Melodieführung gepaart mit einer enormen Leidenschaft, ich sage dir, das ist Wahnsinn.

Das hörst du auch bei der zweiten Single Divinations, der kürzeste Song des Albums und der brutale Bruder von Oblivion. Mit Quintessence folgt eine sehr verspielte Nummer, die einen abgefahrenen Teil beinhaltet, der an AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD denken lässt und mit Ghost of Karelia die Hippiefahne hochhält. Und auch der Titeltrack, bei dem Scott Kelly wieder seine Stimme erhebt ist großartig, eine erfrischende, raue und etwas grimmige Nummer. Und bei den beiden epischen Songs The Czar und vor allem The Last Baron zerreißt es dir den Schädel. Weil riesige Arrangements, voller Spannung, großer Momente und absoluter und ungetrübter Spielfreude gehen einfach nicht eindringlicher.

Okay, ich gebe zu, dass Brendan O´ Brien die Band ein wenig einbremst, Brann Dailor benimmt sich hinter seinem Schlagzeug richtig, pflastert nicht alles mit seinen Fills zu. Die abgedrehten Ideen halten sich aber nicht in Grenzen, dafür wird ein wenig mehr Zugänglichkeit hinzugefügt, aber alles in einem Rahmen, wo du guten Gewissens schlafen kannst. Auch weil die Produktion schön altmodisch ist, da hörst du die Röhren und die Wärme der Bandmaschine. Nein, MASTODON haben sich nicht verkauft, aber überhaupt nicht. Es kommt mir so vor, als wären MASTODON viel mehr erwachsen geworden, im Vergleich zu vielen anderen Bands reifen sie aber in Würde. Wenn du wirklich über Crack the Skye schimpfen willst, dann vielleicht, dass das Artwork von Paul Romano schon mal besser war, bei Blood Mountain zum Beispiel. Aber das sollte wirklich kein Grund sein, dieses Album im Regal stehen zu lassen.

Es gibt natürlich auch Hörer, die sind mit dieser Ausrichtung gar nicht einverstanden. Die können sich beruhigt Lazarus Bird von BURST anhören. Aber MASTODON-Freunde, Hörer Progressive Rock und dem gepflegten Kopfkino generell sind ja offen: Lege dich ins Gras und gib dich dem Seelenwellness hin. Crack the Skye ist ein ganz großes Album.

Veröffentlichungstermin: 27. März 2009

Spielzeit: 50:08 Min.

Line-Up:
Brent Hinds – Lead Guitar, Vocals, Banjo
Bill Kelliher – Guitar
Troy Sanders – Bass, Vocals, Bass Synth
Brann Dailor – Drums, Vocals, Percussions

Produziert von Brendan O´Brien
Label: Reprise Records / Warner Music Group

Homepage: http://www.mastodonrocks.com

MySpace: http://www.myspace.com/mastodon

Tracklist:
1. Oblivion
2. Divinations
3. Quintessence
4. The Czar
I. Usurper
II. Escape
III. Martyr
IV. Spiral
5. Ghost of Karelia
6. Crack the Skye
7. The Last Baron

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