DANZIG: Black Laden Crown

DANZIG: Black Laden Crown

Dieses Album beginnt mit einem Trauermarsch – ganz so schlimm wird’s aber dann doch nicht. „Black Laden Crown“ ist zwar kein Highlight der DANZIG-Diskografie, es gab in der jüngeren Vergangenheit aber schon weitaus Schlimmeres von DANZIG. Irgendwie hat es Glen Danzig ja auch nicht leicht: Auf seinen breiten Schultern lastet das Vermächtnis der MISFITS und SAMHAINs, mit seinen ersten drei Soloalben „Danzig I“, „Danzig II: Lucifuge“ und „Danzig III: How The Gods Kill“ definierte er einen ganz eigenen Stil irgendwo zwischen Dämonenblues und Düsterrock mit ein bisschen Girlie-Gothic. Da würde jeder in die Knie gehen. Man sagt ja, an Herausforderungen könne man wachsen – das ist dem guten Glen nie gelungen.

Die Messlatte liegt noch immer hoch – und dass Danzig da nicht rankommt, hat nicht nur mit seiner Körpergröße zu tun. 25 Jahre ist es her, dass DANZIG mit „How The Gods Kill“ sein drittes geniales Album in Folge veröffentlich hat – und das mich seitdem durch viele, viele Sommer begleitet hat. Und wenn er in diesem Jahr spezielle Konzerte zum Jubiläum der Platte gibt, sollte er vielleicht nur Songs aus dieser Zeit spielen. Alles, was danach kam, erreichte nie wieder die Magie der ersten  Alben. Die Verbindung zwischen Highlights wie „Dirty Black Summer“, „Mother“, „How The Gods Kill“, „Devil’s Playthings“ oder „Twist Of Cain“ und dem „WarumMachtDerJetztIndustrialRock!?-Album“ „Blackacidevil“ und allem, was dann folgte,  hat sich mir nie erschlossen.

Umso schöner war’s, als Danzig mit „Deth Red Sabaoth“ 2010 wieder einen Schritt zurück in Richtung Frühwerk machte. „Black Laden Crown“ geht sogar noch ein bisschen weiter: „Last Rite“ ist ein Versuch, nochmal einen Song wie „Dirty Black Summer“ zu schreiben. Der typische Glen-Danzig-Stimmkiekser, ein Ohohh-Chor, monotone Moll-Akkorde und zwischendrin ein paar Gitarrenquitscher. Ja, das könnte ein Danzig-Signature-Song sein! Wäre da nicht dieser grottige Sound – der ja nicht nur auf dem ganzen Album gleichbleibend mies ist. Nein, zwischen „Eyes Ripping Fire“ (am Ende übrigens extremst lieblos ausgefadet,) und „Devil On Hwy 9“ gibt es einen deutlich hörbaren Unterschied in der Lautstärke. Wie passiert den sowas? Hört da am Ende keiner mehr drüber oder traut sich keiner, Mr. Danzig zu sagen, dass er hier als Produzent maximal semigute Arbeit abgeliefert hat und sich vielleicht den Rat eines Profis einholen sollte?

Der staubtrockene Rocksong „Devil On Hwy 9“ gehört definitiv zu den besseren DANZIG-Songs der letzten 15 Jahre. „The Witching Hour“ ist eine coole Halbballade, zeigt aber auch deutlich die Grenzen der Stimme Danzigs – auch er wird halt nicht jünger. Vergleicht man den Song mit der Mutter aller Schmachtfetzen „Blood and Tears“ vom zweiten Album (ich geb’s zu, ich mag den Song wirklich!), liegen Welten zwischen dem Testosteron-Timbre von 1990 und dem brüchigen Bariton von 2017.

„Eyes Ripping Fire“ nervt mit scheppernder Snare, uninspirierten Rumgeriffe und grauslichem Gesang – und bestätigt eine uralte Weißheit: Eine schlechte Idee wird nicht besser, wenn man sie x Mal wiederholt. Noch krasser wird’s bei „Pull The Sun“: Der Gesang jagt einem schon mal Schauer über den Rücken, als ob jemand mit dem Messer auf einem Teller herumquietscht, mit den Nägeln auf einer Schieferplatte kratzt oder oder Metall auf Metall kreischt… Dazu kommt ein Cover, das einfach nur dilettantisch wirkt. Unterm Strich dürfte das Album interessant sein für Danzig-Fans, die alles haben müssen und die Hoffnung noch nicht komplett aufgegeben haben, dass der Meister wieder seine einstige Größe erreichen kann. Er streckt sich offenbar nach Kräften, es reicht aber noch ganz lange nicht.

DANZIG „Black Laden Crown“ Tracklist

01. „Last Ride“ (Video bei bei YouTube)
02. Eyes Ripping Fire
03. „Devil in Hwy 9“ (Audio bei YouTube) .
04. Last Ride
05. The Witching Hour
06. But A Nightmare
07. Skulls & Daisies
09. Blackness Falls
09. Pull The Sun

Veröffentlichung: 26. 05. 2017

Label: AFM Records

Band-Webseite: http://danzig-verotik.com

Line-up:
Glenn Danzig – Vocals, Piano, Gitarre, Bass, Drums (2, 4, 7)
Tommy Victor – Gitarre, Bass
Joey Castillo – Drums (3, 8)
Johnny Kelly – Drums (1, 5)
Dirk Verbeuren – Drums (6)
Karl Rosqvist – Drums (9)

 

Teilen macht Freude:

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...