CROMONIC: Time

CROMONIC: Time

CROMONIC haben 2005 ein Demo veröffentlicht und sich kurz darauf wieder aufgelöst. 2013 hat die Band sich dann wieder formiert, vom ersten Line Up sind allerdings nur noch Gitarrist Patrik von Porat sowie Sänger Pasi Humppi dabei. Anfang April 2017 veröffentlichte die Band ihr Debütalbum “Time” in Eigenregie. CROMONIC spielen klassischen Melodic Metal nordeuropäischer Prägung. Das klingt nach STRATOVARIUS mit weniger Kitsch und noch mehr nach frühen SONATA ARCTICA. Sänger Pasi Humppi wechselt zwischen mittelhohem und genre-typischem hohen Gesang ohne dabei wie ein Eunuchen-Jodler zu klingen. Stattdessen liefert er eine kraftvolle Performance ab und schreckt auch vor ein paar härteren Screams nicht zurück. Kein Wunder, auf dem 2005er Demo war er scheinbar auch noch für Growls zuständig. Letztere gibt es auf “Time” allerdings nicht zu hören.

Melodic Metal ohne Kirmes-Keyboards und Quakfrosch am Mikro

Das Keyboard von Matias Lahdenranta ist auf dem gesamten Album präsent, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Häufig verleiht es den Songs im Hintergrund lediglich mehr Fülle, bei einigen Stücken wie dem Titelsong tritt es auch mal dominanter in Erscheinung, spült die Songs aber nie durch allzu zuckerwattiges Geklimper weich. Somit hätten CROMONIC die beiden größten Stolperfallen im Melodic Metal schonmal souverän umgangen: kein Quakfrosch am Mikro und keine Kirmes-Keyboards. Der Opener “Another World” ist eine melodische Speed Metal-Nummer, die zwischendurch nur kurz mal das Tempo reduziert. Eingängig, mitreißend und trotz aller Melodie mit ordentlich Biss – fast schon ein Lehrstück in Sachen Melodic Speed Metal. Der Titelsong ist ebenfalls recht flott unterwegs, hat aber auch eine epische Note. Hier nehmen die Keyboards eine deutlich dominantere Rolle ein, übernehmen teilweise auch die Melodieführung.

Spannend wird es mit der folgenden Mid Tempo-Nummer “Tale Of Pain”, dem bisher abwechslungsreichsten und am interessantesten arrangierten Stück. Vor allem der theatralische Refrain macht richtig was her. “Mental Cry” ist mit sehr harten Riffs und entsprechenden, hohen Screams der härteste Song des Albums. Beim Refrain fahren CROMONIC dann aber wieder etwas runter und packen wieder einen echten Ohrwurm-Refrain aus. Mit “Prophecy” und “Revenant” folgen zwei Songs, die zwar ebenfalls gut gemacht sind, im Vergleich zum Rest allerdings etwas unauffällig, man könnte auch sagen beliebig daher kommen. Nicht schlecht, aber eben auch nichts besonderes.

Wer es bisher nicht getan hat sollte CROMONIC auf jeden Fall anchecken!

“Paradise” wurde vorab als digitale Single veröffentlicht. Der eingängige, im Mid Tempo gehaltene Song ist instrumental eher simpel und auf den Gesang fokussiert. Und Pasi Humppi nutzt den, ihm gegebenen Platz und liefert eine richtig starke Performance ab. Mit “The Hunt” folgt der längste Song des Albums. Knapp sieben Minuten lassen sich CROMONIC bei diesem epischen Mid Tempo-Stampfer Zeit. Der Abschlusstrack “Dragonsong” ist als Bonustrack deklariert, weiß der Geier warum. Jedenfalls handelt es sich hier um die unvermeidbare epische Ballade. Auch hier vermeiden CROMONIC größere Peinlichkeiten. Dass Melodic Metal-Balladen immer etwas kitschig sind liegt wohl in der Natur der Sache, hat man aber schon deutlich schlimmer gehört.

Melodic Metal-Fans, bei denen CROMONIC unter dem Radar durchgeflogen sind, sollten das auf jeden Fall ändern und die Band anchecken. Denn mit “Time” haben die Schweden ein richtig starkes Debütalbum abgeliefert, welches auch mir, der zwischenzeitlich von diesem Genre mal arg übersättigt war, ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Für mich eines der Melodic Metal-Highlights des vergangenen Jahres.

Veröffentlichungsdatum: 07. April 2017

Spielzeit: 46:36

Line Up:
Pasi Humppi – vocals
Patrik von Porat – guitars
Nicklas von Porat – bass
Georg Bakajev – drums
Matias Lahdenranta – keyboards

Label: Cromonic Music

Bandhomepage: www.cromonic.com
Facebook: facebook.com/cromonicsweden

CROMONIC „Time“ Tracklist

01. Another World
02. Time
03. Tale of Pain
04. Mental Cry
05. Prophecy
06. Revenant
07. Paradise (Video bei YouTube)
08. The Hunt
09. Dragonsong (Bonustrack)

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