BLIND GUARDIAN: Beyond The Red Mirror

BLIND GUARDIAN: Beyond The Red Mirror

BLIND GUARDIAN machen auf Beyond The Red Mirror dort weiter, wo sie auf At The Edge Of Time aufgehört haben. Die ausladenden Arrangements und die Rhythmus-Arbeit erinnern zudem an A Night At The Opera. Man bekommt also pompösen Symphonic Metal mit allerlei übereinander gestapelten Gesangsspuren und hektischen Midtempo-Riffs. Dazwischen schauen Orchesterklänge und kurze Speed-Ausflüge vorbei. Vom melodischen Speed Metal der ersten vier, fünf Alben ist nichts mehr geblieben. Strophen, Zwischenteile und Refrains unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Dynamik kaum noch. Das Mitsingpotenzial ist dadurch merklich reduziert. Das Album fühlt sich wie zusammengestückeltes Restmaterial von And Then There Was Silence. Die Fantasy-Geschichte, die sich durch die Texte zieht, wirken ähnlich verworren wie auf Nightfall In Middle-Earth, mit dem Unterschied, dass man nicht durch die Lektüre des Silmarillions Licht ins Dunkel bringen kann. Stattdessen kündet jedes Lied von dramatischen Ereignissen, ohne Bezug, ohne Differenzierung. Ich liebe, liebe, liebe die alten BLIND GUARDIAN-Sachen. Das neue Album weckt einmal mehr Nostalgie-Gefühle, die sich nach und nach in Unzufriedenheit wandeln. Die Stimme von Hansi Kürsch hat nichts von ihrer Magie verloren. Immer wieder blitzen geniale Gitarren-Leads durch (Prophecies!). Die bombastischen Chöre haben die Krefelder eh schon lange perfektioniert. Doch neben dem durchwachsenen Songwriting hadere ich – erneut – mit der überfrachteten, erschreckend drucklosen Produktion. Das ist umso betrüblicher, als dass die Band live ungebrochen grandios klingt.

Wen die jüngeren Alben begeistern, der hat freilich noch ganz andere Probleme als die Altfans. Für solche Leute ist Beyond The Red Mirror ein Pflichtkauf. Sie bekommen das atmosphärisch dichte Meisterwerk dabei in (mindestens – Japan und Korea haben sicher auch noch drölf Varianten) 14 verschiedenen Versionen angeboten (und natürlich auch digital).

1. Die stinknormale CD-Version kommt als einzige Fassung ohne den Track Distant Memories.

2. Die Digibook-CD hat zur besseren Verwirrung ein anderes Cover.

3. Das Earbook kommt ebenfalls mit dem roten Alternativcover und gleich mit zwei CDs inklusive Doom als weiteren Bonus-Track.

4. Das Earbook gibt es bei Nuclear Blast auch exklusiv mit zusätzlichem 10-Vinyl, das Alternativversionen von Grand Parade und Miracle Machine enthält.

5. Bei EMP kommt das Earbook dagegen exklusiv mit einem 10,5 cm hohen Spiegel.

6. Schallplattenfreunde können das Doppelalbum in schwarzem Vinyl erwerben.

7. Wer will schon schwarzes Vinyl, wenn es die Platten auch als Picture-Disc-Ausgabe gibt?

8. Und als Splatter-Variante.

9. Und Nuclear Blast-exklusiv in Blau (drei Euro teurer als die anderen Farben).

10. Und Nuclear Blast-exklusiv in Gelb.

11. Und Nuclear Blast-exklusiv in Rot.

12. Und EMP-exklusiv in Silber.

13. Und Nuclear Blast-exklusiv in Weiß.

14. Und Nuclear Blast-exklusiv in Orange. Natürlich ist Orange die geilste Farbe.

Ich bin heilfroh, dass mich das Album nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Sonst müsste ich mich ernsthaft zwischen all diesen famosen Varianten entscheiden. Oder weil die meisten Formate limitiert sind (weiß: 100 Stück; blau: 200 Stück), einfach alle kaufen. Kostenpunkt: schlappe 361 Euro.

Veröffentlichungstermin: 30.01.2015

Spielzeit: 65:16 Min.

Line-Up:
Hansi Kürsch: Gesang
André Olbrich: Gitarre
Marcus Siepen: Gitarre
Frederik Ehmke: Schlagzeug

Produziert von Charlie Bauerfeind und BLIND GUARDIAN
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.blind-guardian.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/blindguardian

Tracklist:
1. The Ninth Wave
2. Twilight Of The Gods
3. Prophecies
4. At The Edge Of Time
5. Ashes Of Eternity
6. The Holy Grail
7. The Throne
8. Sacred Mind
9. Miracle Machine
10. Grand Parade

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