BATTLEROAR: Codex Epicus

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Man muß schon dicke Eier haben, um in diesem Jahr ein Album mit dem Namen “Codex Epicus” zu veröffentlichen. Unter anderem SOLSTICE, VISIGOTH und GATEKEEPER haben ja schon ordentlich vorgelegt. Andererseits sind BATTLEROAR lange genug im Geschäft. Ich erinnere mich noch, die Band 2003 zusammen mit BATTLE RAM, DOOMSWORD und JAG PANZER in Köln gesehen zu haben. Damals hinterließen sie ehrlicherweise keinen bleibenden Eindruck, standen aber auch im Schatten von drei grandiosen Bands.

Inzwischen hat die Band vier Alben veröffentlicht, das letzte davon 2014 mit SACRED STEEL-Sänger Gerrit Mutz, der seit 2012 Teil der Band ist. Mit ihrem fünften Album liefern die Griechen und der Schwabe genau das, was der Titel verspricht. Puren, unverfälschten Epic Metal. Wo andere Bands zumindest zwischendurch mal ein oder zwei flottere Songs einschieben ziehen BATTLEROAR stur ihr Ding durch und präsentieren uns sieben, beziehungsweise acht auf der CD Version, große, getragene Epen mit nur wenigen Ausbrüchen in Richtung höherer Tempi. Das mag dem durchschnittlichen Heavy Metal-Fan ein Stück zu monoton sein, Anhänger der reinen Epic Metal-Lehre bekommen hier alles, was sie brauchen.

BATTLEROAR liefern auf “Codex Epicus” alles, was der Epic Metal-Fan braucht!

Simple aber effektive Riffs, erhabene Soli, hier und da Keyboards um die Stücke noch epischer klingen zu lassen und vor allem einen Gerrit Mutz, der die Songs mit packenden Gesanglinien veredelt. Seine Gesangsleistung machen für mich den größten Reiz auf diesem Album aus. Aber trotzdem ist die Klasse von “Codex Epicus” natürlich eine Teamleistung und das liegt vor allem daran, dass die Songs einfach verdammt gut sind. Der Opener “We Shall Conquer” ist eine echte Krieger-Hymne. Keine Gefangenen, kein Mitleid – wir machen jeden platt, der sich uns in den Weg stellt! Ein einfaches Grundriff, aggressiver Gesang von Gerrit und mächtige Chöre im Refrain. Mehr braucht es nicht, um eine Epic Metal-Hymne zu schreiben. Der epische Zwischenteil inklusive geilem Solo nach etwa zwei Minuten ist einfach nur mächtig!

Epische Chöre wohin das Ohr auch hört!

Ganz groß ist auch das getragene Epos “Chronicles Of Might”. Sechseinhalb Minuten walzt das Stück durch die Boxen, epische Chöre an allen Ecken und Enden, ein marschierender Rhythmus und eine melancholische Gitarrenmelodie wechseln sich ab. “The Doom of Medusa” basiert auf dem Schicksal der französischen Fregatte Méduse, dem auch AHAB schon musikalisch Tribut zollten. Der Song wechselt zwischen einem epischen Beginn, dem ziemlich aggressiven Mittelteil und einer doomigen zweiten Hälfte, in der Gerrit aber zwischendurch auch noch mal ein paar deftige Shouts auspackt. Für mich das Highlight des Albums, wenn auch dicht gefolgt von “We Shall Conquer” und “Chronicles Of Might”. Neben diesen drei Stücken, können aber auch fast alle anderen Songs auf “Codex Epicus” voll und ganz überzeugen.

Ausgerechnet die Epic Metal-Ikone Mark Shelton steht für den Schwachpunkt des Albums.

Lediglich ein Stück plätschert mir zu gemächlich vor sich hin. Und das ist ausgerechnet das, von Mark Shelton (MANILLA ROAD) gesungene “Sword Of The Flame”. Seine Stimme ist immer noch sehr markant aber dieser halb erzählende, halb singende Stil hat irgendwie was von “Opa erzählt vom Krieg”. Raus kommt dabei ein Song, welcher mich am ehesten an eine Mischung aus den so richtig schleppenden Stücken von DOOMSWORD und “Defender” von MANOWAR erinnert – nur eben ohne deren Klasse.

Davon abgesehen leisten sich BATTLEROAR auf “Codex Epicus” keinen Ausfall. Macht unterm Strich sechs bis sieben – je nach Medium – große Metal Epen. Das reicht, um “Codex Epicus” zu einem sehr guten Genre-Beitrag zu machen. Ein Album, welches bisher mit jedem Durchlauf wächst und wächst. An “White Horse Hill” kommt “Codex Epicus” nicht heran – mit den Alben der anderen, oben genannten Kollegen steht es aber durchaus in einer Reihe. Ja, 2018 ist ein gutes Jahr für Epic Metal und Heavy Metal im allgemeinen.

Veröffentlichungsdatum: 15.06.2018

Spielzeit: 54:57 (mit CD Bonustrack)

Line Up:
Gerrit Mutz – vocals
Kostas Tzortzis – guitars
Michael Kontogiorgis – guitars
Sverd – bass
Greg Vlachos – drums

Label: Cruz Del Sur Records

Facebook: https://www.facebook.com/BattleroaR
Bandcamp: https://battleroar-epic.bandcamp.com

Tracklist:
01. Awakening the Muse
02. We Shall Conquer
03. Sword of the Flame
04. Chronicles of Might
05. The Doom of Medusa
06. Palace of the Martyrs
07. Kings of Old
08. Enchanting Threnody
09. Stronghold (CD bonus track)