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HYPOCRISY: Virus

CD-Review vom 14.09.2005   drucken senden

cdreview - HYPOCRISY: VirusAuf Bemerkungen über den fast schon manischen Arbeitsdrang Peter Tägtgrens stößt man bei HYPOCRISY-Reviews zwar genauso oft wie auf das obligatorische "Der Hotbutton kann jeden Augenblick zuschlagen" in unserem dubiosen Abendprogramm oder das Wort "Schumi" bei einer Formel 1-Übertragung, dennoch erstaunt es immer wieder, wie Schwedens bekanntester Workaholic Peter Tägtgren eine hochwertige CD nach der anderen auf den Markt wirft. Ob als Vokalist bei den mächtigen BLOODBATH, als Produzent der (noch) aktuellen WOLF- und MARYSLIM-Werke oder als Allrounder bei seinen beiden Hauptbands PAIN und HYPOCRISY - Peter Tägtgren scheint einfach nicht zur Ruhe zu kommen und liefert nebenbei eine Hammerscheibe nach der anderen ab, auch wenn der letzte HYPOCRISY-Output "The Arrival" (der übrigens gerade einmal anderthalb Jahre auf dem Buckel hat!) meine persönlichen Erwartungen aufgrund mangelnder Härte und zu vielen Durchschnittssongs etwas enttäuscht hatte.

Auf "Virus", dem neusten Streich des Alien-Fanatikers Tägtgren, scheint die Marschroute glücklicherweise wieder in die richtige Richtung zu führen, jedenfalls bieten die neuen Songs eine perfekte Symbiose aus Brachialität und Eingängigkeit, setzten sich mühelos voneinander ab und fügen sich schließlich zu einem bitterbösen Hassbrocken zusammen, der zeitweise fast schon Erinnerungen an das megafiese "The Fourth Dimension" erweckt: "A new era has begun" heißt es im Opener "Warpath" und genau dieses Gefühl wird man über den gesamten Verlauf der Tracklist nicht mehr los, denn während "The Arrival" meiner Ansicht nach abgesehen vom dynamischen "Born Dead Buried Alive" eher ein Recycling des Backkatalogs darstellte, spürt man zu jeder Sekunde die wiedererstarkte Kreativität und eine gewisse Frische Tägtgrens. Auch im Folgenden können das bitterböse "Craving for Another Killing", das vorab als Mp3 veröffentlichte "Scrutinized" und der tonnenschwere Überhammer "Let the Knife Do the Talking" (absoluter Aspieltipp!) mit ähnlichen Vorzügen glänzen, während das eingängige "Fearless" den großen Hit des Albums markiert und hörbar den inoffiziellen Nachfolger zu "Eraser" abgibt, den "The Arrival"-Smasher aber noch um Längen übertreffen kann. Der zeitweise ein wenig an PAIN erinnernde Schlusstrack "Living to Die" ist schließlich der Ruhepol des Albums und derartig düster und hoffnungslos ausgefallen, dass der vom "Virus" infizierte Hörer so langsam an das eigene Ableben denken könnte, nach den knapp sechs Minuten Spielzeit aber trotzdem noch genug Energie aufbringen kann, sich erneut anfixen zu lassen.

Vergleicht man "Virus" mit den Highlights der HYPOCRISY-Diskographie, so zieht das Album zwar eindeutig den Kürzeren, in Relation zu den jüngsten Releases kann es aber als eine deutliche Steigerung angesehen werden, auch wenn sich mit "Blooddrenched" und "Compulsive Psychosis" zwei eher unspektakuläre Stücke in die Tracklist eingeschlichen haben. Es ist einfach unfassbar, wie Arbeitstier Tägtgren trotz der hohen Auslastung immer wieder derartig kreativ sein kann, das nächste PAIN-Album steht im Übrigen bereits in den Startlöchern...

Veröffentlichungstermin: 19.09.2005

Spielzeit: 44:33 Min.

Line-Up:
Peter Tägtgren - vocals, guitars
Mikael Hedlund - bass
Andreas Holma - guitars
Horgh - drums

Produziert von Peter Tägtgren
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.hypocrisy.tv


Tracklist:
01. Intro
02. Warpath
03. Scrutinized
04. Fearless
05. Craving for Another Killing
06. Let the Knife Do the Talking
07. A Thousand Lies
08. Incised Before I´ve Ceased
09. Blooddrenged
10. Compulsive Psychosis
11. Living to Die



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